Priesterausbildung hat Zukunft

"Ein Kapitel in der Geschichte der Kirche Österreichs geht zu Ende", sagte der Wiener Erzbischof, Kardinal Dr. Christoph Schönborn, bei einer Dankfeier zur Verabschiedung der Salesianer Don Boscos im Canisiusheim in Horn. Nach 39 Jahren Wirken für Ausbildung Spätberufener geben die Salesianer die Leitung des Hauses ab. Doch der Blick ist nicht nur "mit einiger Wehmut und Dankbarkeit" in der Vergangenheit gerichtet, betonte Prälat Mag. Franz Schrittwieser, stellvertretender Präsident des Canisiuswerkes: "Es bleibt Ziel und Aufgabe des Hauses, Priester auszubilden."

"Wie wird es weitergehen mit der Kirche in Österreich, mit der Priesterausbildung in diesem Land?", fragte Kardinal Christoph Schönborn in seiner Predigt beim Dankgottesdienst in der Kapelle des Canisiusheimes. Und der aktuelle Präsident des Canisiuswerkes antwortete selbst darauf: "Ich bitte euch am Tag dieses Abschieds: Glaubt daran, dass Gott auch heute Menschen in den Priesterdienst ruft." Es seien heute zwar weniger, räumte der Kardinal ein, dies liege jedoch auch daran, "dass immer weniger Kinder geboren werden". Dieser Zusammenhang werde "viel zu wenig beachtet." Es gelte jedoch darauf zu "vertrauen, dass es genug Berufungen gibt", betonte Schönborn. Berufung geschehe zwar durch Gott, doch der Ruf werde immer von Menschen vermittelt, so Schönborn: "Ohne Vorbilder geht es nicht." Der Dank gelte hier den Salesianern Don Boscos, die 39 Jahre als solche Vorbilder gewirkt hätten.

Kardinal Schönborn zelebrierte den Dankgottesdienst gemeinsam mit dem Salzburger Erzbischof Dr. Alois Kothgasser, Salesianer und Verantwortlicher in der Bischofskonferenz für Priesterausbildung, dem Linzer Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz, ebenfalls Salesianer und 1969 bis 1978 Rektor des Canisiusheimes, dem emeritierten Bischof von Linz, Dr. Maximilian Aichern, und dem St. Pöltner Weihbischof Dr. Anton Leichtfried.

Im Canisiusheim "gab es nicht mehr das zu tun, was unsere Aufgabe ist", erklärte der scheidende Rektor, P. Josef Vösl. "Die Ausbildung Spätberufener ist nicht mehr Schwerpunkt in diesem Haus. Deswegen ist die Entscheidung zu gehen richtig." Zuletzt besuchten nur noch drei Schüler das Aufbaugymnasium, zwei von ihnen legten in den letzten Tagen die Matura ab. Die Möglichkeiten, eine Studienberechtigung zu erwerben, sind heute vielfältiger und einfacher als zur Gründung des Hauses 1953 in Rosenburg, 1959 in Horn. Insgesamt 1.706 "Canisianer" wohnten und lernten zumindest zeitweise im Canisiusheim, 521 von ihnen maturierten, 254 erhielten die Priesterweihe.

Canisiusheim als "Haus der Berufung"

Das Canisiusheim solle ein "geistliches Zentrum für Leben aus dem Glauben bleiben?, betonte Prälat Schrittwieser, der gemeinsam mit Dr. Michael Wagner als Direktor und Dr. Johann Hintermaier als Spiritual das Propädeutikum leitet. Seit dem Jahr 2000 ist das gemeinsame Einführungsjahr für Priesterausbildung aller Diözesen Österreichs im Canisiusheim untergebracht. "Wir wollen ein Klima schaffen, dass auch neue Berufungen wachsen könn." Das neue "Canisiusheim - Centrum Horn" solle ein Ort sein, "wo viele Menschen einander begegnen, die ihren Weg zu Gott finden", so Schrittwieser.

Auch P. Franz Wöß, Provinzial der Salesianer Don Boscos wollte "den Blick nach vorne richten": "Wir brauchen in ganz Österreich neuen Mut zur Berufungspastoral." Wie für Don Bosco dürfe keine Anstrengung zu groß sein, um junge Mäner zum Priestertum zu führen. Provinzial Wöß überreichte dem nachfolgenden neuen Rektor des Canisiusheimes, Diakon Mag. Karl Mühlberger, eine Statue des "Guten Hirten". Dieser sei ein "Modell für die Art und Weise der Salesianer", Berufungen zu begleiten, so Wöß. Unter Rektor Mühlberger soll sich das Canisiusheim weiterhin als "Haus der Berufung" positionieren. "Es wird als Bildungshaus und Begegnungsstätte für Veranstaltungen der Berufungspastoral offen stehen und diese auch selbst anbieten", erklärte Mühlberger.

Neben dem Propädeutikum sind nun auch weitere "Partner" in das Haus gezogen: Einige Räume im bisherigen Gebäude werden an die Caritas Horn vermietet, die hier Tageswerkstätten für Behinderte eingerichtet haben. Für etwa die Hälfte des Grundstückes samt Schwesterntrakt, Küche und Speisesaal wird der "Stiftung Bürgerspital zu Horn" ein Baurecht eingeräumt. Diese Stiftung plant die Einrichtung eines Alten- und Pflegeheims mit 85 Plätzen. Die Arbeiten dafür werden voraussichtlich 2009 beginnen.