Nikolaus
 
 

Pressekonferenz zur Weltbischofssynode

Anton Leichtfried, Weihbischof von St. Pölten, Delegierter der Österreichischen Bischofskonferenz bei der Preessekonferenz in Wien im Wortlaut: Vorbemerkung
Ein interessantes katholisches Phänomen: 3 Wochen Synode, der Papst ist die meiste Zeit dabei – und: er spricht nicht. Bis auf zwei kleine Ausnahmen hat der Papst nur zugehört, stundenlang, tagelang!

Einleitung
Papst Benedikt hat in seiner Ansprache am ersten Tag der Synode betont: Der größte Realist ist derjenige, der sein Leben auf das Fundament des Wortes Gottes aufbaut. Die Welt ist vergänglich, materielle Werte vergehen, Geldsummen in Millionenhöhe lösen sich binnen Tagen, ja Minuten, in Nichts auf. Das Wort Gottes bleibt.
Die Bibel ist voll von Erfahrungen, wie der Schöpfer seinen Geschöpfen nachgeht. Der Logos sucht den Dialog (Dia-logos) mit den Menschen. In Christus hat das Wort Gottes ein „menschliches Antlitz“ bekommen (vgl. auch das 2. Kapitel der Schlussbotschaft). „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Dies ist die Grundlage der Heiligen Schrift der Christen. Im Zentrum des Christentums steht nicht ein Buch, sondern eine Person.

Thematische Schwerpunkte der Synode

1) Die Unverzichtbarkeit der historisch-kritischen Methode
Fragen der theologischen Hermeneutik und der Exegese bildeten einen Schwerpunkt der Diskussionen. In seinem einzigen kurzen Redebeitrag (Dienstag, 14. Oktober 2008) hat der Papst einen Pflock für die historisch-kritische Exegese eingeschlagen. Mit Bezug auf die Konstitution des II. Vatikanischen Konzils Dei Verbum (Nr. 12) hielt er fest: Die Grundlage unseres Glaubens „ist keine Mythologie, sondern wirkliche Geschichte“. Deshalb muss diese auch „mit den Methoden ernsthafter Geschichtswissenschaft“ untersucht werden.
Mit einem weiteren Pflock befestigte er - wiederum mit Bezug auf DV 12 - die sog. „theologische Exegese“: Das Wort der Schrift ist nicht nur Vergangenheit und Literatur, sondern lebendige Wirklichkeit. Exegese und systematische Theologie gehören daher eng zusammen. Eine Bedeutung dieser Synode ist wohl der Anstoß für eine breitere sowie vertiefte Rezeption von Dei Verbum.

2) Wie wird das Wort der Schrift in der Kirche lebendig?
Häufig wurde die Bedeutung der geistlichen Schriftlesung (allein, oder in Gruppen) betont. So werde die Heilige Schrift zur Nahrung für viele Christen. Viele Bischöfe berichteten über einen erfreulichen Zuwachs von solchen Bibelgruppen.
Außerdem wurde die Bedeutung der Homilie hervorgehoben, und hier vor allem die Chancen sowie die Verantwortung der Prediger! Darauf zielte auch mein eigener Beitrag in der Synodenaula ab. Ich zitierte eine alte Faustregel: 1 Minute Predigt = 1 Stunde Vorbereitung (d.h. eine Woche lang damit „schwanger gehen“, inkl. Gebetszeiten, betender Spaziergänge etc.).

3) Die starke ökumenische Prägung der Synode
Die Bibel ist das gemeinsame Buch, das die christlichen Konfessionen verbindet. Es gab viele Berichte über erfreuliche ökumenische Initiativen in allen Kontinenten, etwa bei der Übersetzung und Verbreitung der Heiligen Schrift.
Ein deutlich spürbarer Akzent war die Anwesenheit sogenannter „brüderlicher Delegierter“ z.B. wichtiger orthodoxer Patriarchate und Kirchen, des Lutherischen Weltbundes und der Anglikanischen Gemeinschaft.
Höhepunkt in dieser Hinsicht war die gemeinsam gebetete Vesper in der Sixtinischen Kapelle mit dem Patriarchen Bartholomäus von Konstantinopel. Zum ersten Mal in der Geschichte hielt ein orthodoxer Patriarch eine Rede vor einer katholischen Bischofssynode. Bartholomäus bewertete dies als historisches Ereignis.

4) Gemeinsame Schlussbotschaft
„Eindrücklich, in vielen Passagen sehr gelungen, wenn auch etwas lang.“ Das war der häufigste Kommentar der Teilnehmer zur Schlussbotschaft. Sie bringt die verschiedenen Diskussionsthemen und Dimensionen der Synode gut zum Ausdruck. Der 4. Abschnitt („Wege des Wortes: die Mission“) ruft dazu auf, alle Medien und Möglichkeiten zu nutzen um das Wort des Lebens zu verkünden: Täglich gelebtes Evangelium, ohne (viel) Worte ist hier wohl das wichtigste. Daneben gilt es aber auch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen.
Zwei Gruppen von Menschen werden dann noch besonders erwähnt. (1) Arme, Unterdrückte und Leidende: sie sind die ersten Adressaten der Botschaft der Gerechtigkeit und der Hoffnung. (2) Diejenigen, die heute um des Evangeliums willen verfolgt werden. Die Bibel ist auch heute noch ein gefährliches Buch, dessen Besitz in manchen Ländern strafbar macht und die Besitzer ins Gefängnis bringt. Die verfolgten Christen geben ein Zeugnis von der Kraft des Wortes Gottes.

Schlussbemerkung
Zum Abschluss doch noch ein Wort des „großen Zuhörers“ dieser Synode, Papst Benedikt, ausgesprochen beim abschließenden festlichen Mittagessen. „Indem wir einander zuhören – werden wir auch besser auf das Wort Gottes hören können.“