Predigt zur Priesterweihe

Liebe Weihbischöfe Anton und Heinrich,
liebe Mitbrüder im Priester- und im Diakonenamt,
liebe Brüder und Schwestern,
liebe Weihekandidaten! Ich freue mich, dass wir dieses Jahr am Hochfest Peter und Paul im Dom versammelt sind, weil ein Diakon, der zwar aus Polen stammt, aber zu unserer Diözese gehört, und ein Diakon, der zum Stift Lilienfeld gehört, aber aus unserer Diözese stammt, die Priesterweihe empfangen. Wir greifen damit eine gute Tradition unserer und vieler Diözesen auf. Das Hochfest Peter und Paul ist mit gutem Grund der bevorzugte Termin für Priesterweihen. Das Hochfest verdeutlicht unsere Anliegen und Hoffnungen, die wir mit einer Priesterweihe verknüpfen.

Der Eröffnungsvers der Heiligen Messe am heutigen Festtag gibt uns dafür einen Hinweis. Der Eröffnungsvers lautet: "Die Apostel Petrus und Paulus haben die Kirche begründet; sie haben den Kelch des Herrn getrunken, nun sind sie Freunde Gottes."

Das sind nicht nur Aussagen bezüglich der beiden Apostelfürsten, es sind zugleich drei wichtige Wünsche, die wir im Hinblick auf jene, die Priester werden, im Herzen tragen:

Jeder, der die Priesterweihe empfängt, ist im gewissen Sinn dazu bestimmt, "Kirche zu begründen. Überall, wo Apostel hinkamen, entstanden Gemeinschaften von Gläubigen, Kirchen, durch die Vergegenwärtigung Christi auf den Altären und in den Herzen der Gläubigen. Christus wird vergegenwärtigt durch die Vergegenwärtigung seines Wortes, durch die Verkündigung seiner Geheimnisse und durch die Verwirklichung der Leitungsaufgabe in einer Weise, dass es zu Christus hinführt. Das Wirken des Priesters ist Voraussetzung für das Entstehen der Kirche im Kleinen, in der Familie, für das Erwachen der Kirche in den Herzen der Gläubigen, sodass sie glauben, hoffen, lieben wie Christus liebt.

Jeder Priester erfüllt uns mit Hoffnung. Es ist die Hoffnung, dass sein Licht, das Licht Christi angezündet wird, dass Erlösung geschenkt wird und den Wunden der Gläubigen Heilung zuteil wird; dass apostolischer Eifer in den Herzen jener, die glauben, geweckt wird. Der Glaube wird dann nicht nur durch die Predigt der Apostel, sondern durch das Leben und die Wirksamkeit der Gläubigen verbreitet.

Die Apostel "haben den Kelch des Herrn getrunken". Auch sie, die Apostel, hatten Fehler - Petrus hat Jesus drei Mal verleugnet und in Antiochien war er schwach. Paulus hat die Christen verfolgt - sie hatten Fehler, aber sie waren großzügig und treu. Sie haben ihr Leben hingegeben. Das Vorbild einer konsequenten Hingabe ist wichtig. Das Volk Gottes, wir alle brauchen das Vorbild von Priestern, die sich in ihrem Dienst hingeben.

"Sie sind nun Gottes Freunde", hieß es schließlich. Das ist das wichtigste: ein Priester muss ein Mann Gottes sein, einer, der Gott sucht, mit Gott verkehrt, Gott vermittelt.

Das Hochfest Peter und Paul verdeutlicht unser aller Aufgaben, nicht nur die Aufgaben der Apostel. Als Petrus in Gefahr gerät, heißt es: "Die Gemeinde betete aber inständig für ihn zu Gott."

Die Kirche wird nicht nur durch die Apostel erbaut, sie sind Grundsäulen, das Gebet und die Wirksamkeit aller ist gefragt: Die Erneuerung der Kirche ist nicht nur eine Angelegenheit des Bischofs und der Priester, auch nicht dessen enge Mitarbeiter, sondern aller Getauften und Gefirmten. So hat sich in den Anfängen die Kirche ausgebreitet: Wenn sich einer oder eine bekehrte, so bekehrte sich oft das ganze Haus, so bekehrten sich die Freunde. Die Botschaft von Christus verbreitete sich unter Drangsalen, aber mit großer Kraft. Warum sollte es heute anders sein? Allerdings: die Nachfolge Christi ist bei Priestern und Laien, Männern und Frauen, verheiratete und unverheiratete, Alt und Jung erforderlich.

Eine Priesterweihe ist ein Fest der ganzen Diözese. Es macht bewusst: "Der Herr ist mit uns."

Als Petrus nach der Befreiung aus dem Kerker zu sich kam, sagte er: "Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat." und Paulus schreibt dem Timotheus: "Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen." Er fügt dann noch hinzu: "Der Herr wird mich allem Bösen entreißen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen." Durch das priesterliche Wirken wird nicht nur dem Priester, sondern allen die Gegenwart des Herrn geschenkt.

Euch beiden, liebe Weihekandidaten, wünsche ich Gottes Segen. Mein Rat für Euch lautet: Seid Männer des Gebetes, habt keine Angst vor der Hingabe in der Verkündigung, seid treu. Habt keine Angst vor der Hingabe in der Spendung der Sakramente - führt die Menschen zu Christus. Habt keine Angst in der Hingabe im Bezug auf die Reinheit des Herzens, die Reinheit an Seele und Leib, seid wachsam. Und habt keine Angst vor der Hingabe im Dienst an den Gläubigen: Achtet darauf, verfügbar zu sein. Hegt den großen Wunsch, Feuer in den Herzen anzuzünden. Ihr werdet viel Gutes tun können und selbst Gewinner sein. Jemand, der sein Leben hingibt, wird ein froher Mensch.

Und euch allen, liebe Brüder und Schwestern, wünsche ich viel Zuversicht, Freude an der Kirche, an Jesus Christus, der der Sohn des lebendigen Gottes ist, im Wort und im Brot gegenwärtig.

Bitten wir Maria, seine Mutter, die Hilfe der Christen und Mutter der ganzen Kirche, sie möge sich auch in unserer Zeit als Gottesgebärerin erweisen.