Predigt zur Eröffnung des Priesterseminars (Wortlaut)

Lieber Herr Weihbischof, hochwürdigster Herr Abt,
liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt, liebe Seminaristen,
liebe Brüder und Schwestern!
In den Texten, die wir vorher vernommen haben, ist von Freude die Rede, von Fröhlichkeit: "Freut euch mit Jerusalem, jubelt in der Stadt, alle die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr". Wir haben Grund zur Fröhlichkeit, weil wir auf Gott bauen. Ich freue mich, dass wir aufgrund der Anregung der neuen Leitung des Priesterseminars uns hier zur Eröffnung des Seminars im Dom versammelt haben.


Jetzt bin ich froh darüber, dass wir da sind, um gemeinsam zu danken und zu beten. Im Bewusstsein, dass der Aufbau des Seminars, so wie es nötig ist, der Aufbau der Diözese wie es erforderlich ist, nur gelingt mit der Hilfe des Herrn und nur dann, wenn viele sich zusammenfinden. Möglichst alle.
Beten und Bitten, nicht nur mit den Lippen, sondern mit ihrem Leben, mit ihrem Einsatz. Nur dann, wenn wir auch konkret mit vereinten Kräften alle mittun, eine Jugendarbeit von neuem aufbauen - es ist schon einiges da - aber auch für ältere Jugendliche, eine Berufungspastoral im allgemeinen und dann auch im spezifischen Sinn. Denn jeder Mensch hat eine Berufung.
Die wichtigste Vorbereitung der Jugend ist, dass sie ihren Weg erkennen, den Weg suchen und finden, sich auf diesen Weg begeben. So entstehen christliche Familien. Ehe ist eine ganz besondere Berufung, eine anspruchsvolle. Und so entstehen auch geistliche Berufe. Dann brauchen wir natürlich auch die spezifische Berufungspastoral - die die andere, allgemeinere voraussetzt und überhaupt christliche Familien voraussetzt - besteht darin, dass Menschen diese Unruhe im Herzen tragen und sich ganz in den Dienst Gottes und in den Dienst der Menschen im Sinn eines geistlichen Berufes stellen.


Wichtig ist, dass wir die Botschaft, die wir vorhin im Evangelium vernommen haben, in unser Herz eindringen lassen. Jesus sagt uns, wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich gelangen. Eine Rede, die Gott, so scheint mir, gerade in unserer Zeit, der Kirche vielerorts und wohl auch konkret uns erteilt. Wir sind immer wieder versucht, zu sehr auf die eigenen Kräfte und Fähigkeiten zu bauen und sind dann enttäuscht, wenn nicht die Frucht hervorgeht, die wir so gerne haben möchten.


Die heilige Theresia von Lisieux ist gerade in diesem Zusammenhang die große Kirchenlehrerin. Die Geschichte ihres Lebens und ihre Erkenntnisse verweisen gerade auf diesen Weg. Sie ist die Heilige, die sich wie kaum eine andere der leeren Hände bewusst ist und die gerade deshalb von Gott alles erwartet und versucht, das was sie kann mit großer Liebe hinzugeben. Ihr Leben und ihre Lehre schenken uns Hoffnung, gerade auch im Bewusstsein der eigenen Begrenztheit, der eigenen Schwierigkeiten. Wer Gott vertraut und wer in allem, was möglich ist, treu hingibt, was er hingeben kann, mit einer großen Liebe, der kann und darf Fruchtbarkeit erwarten, die von Gott kommt. Wir dürfen ein wenig mittun und er nimmt uns als seine Werkzeuge an.


Wichtig ist, dass wir darauf brennen, dieses Priesterseminar voranzubringen, unseren Beitrag dabei leisten. Jeder kann mittun, jung und alt, Gesunde und Kranke, man kann immer beten und opfern, Priester und Laien, und alle müssen wir Ausschau halten nach dem, was Gott von uns erwartet.


Vielleicht will er auch, dass wir mutig sind, dass wir die Menschen ansprechen, insbesondere auch die jungen Menschen, dass wir den Heiligen Geist erbitten und die Schutzengel, deren Fest wir morgen feiern, damit wir die rechten Worte im rechten Augenblick finden und einladen, uns eingeladen wissen, dem Herrn in Freude zu dienen - und wir aber auch diese Einladung aussprechen, weil die Not vieler Menschen groß ist und manchmal eine neue Art von Caritas nötig ist - im Sinne von Menschen, die verbunden mit Christus, das Licht, den anderen bringen. Und natürlich brauchen wir da ganz besonders auch heiligmäßige Priester.


Wichtig ist auch, dass wir Priester und Bischöfe auch zufriedene Priester und Bischöfe sind, bei aller persönlichen Schwachheit und Begrenztheit, bei allen Schwierigkeiten, denen wir begegnen, Priester, Bischöfe, die sich bemühen, Gott zu dienen und die dadurch wohl auch ein wenig ausstrahlen, dass das ein wunderbarer Beruf ist.
Die heilige Theresia bekennt, dass sie, als sie schon entschlossen war, mit ihren 14 Jahren in den Karmel einzutreten, eine gewisse innere Schwierigkeit empfand, mit der Zielsetzung des Karmels, besonders für die Priester zu beten. "Für die Sünder zu beten, lockte mich", schreibt sie, "doch für die Seelen der Priester zu beten, die ich für reiner als Kristall hielt, schien mir seltsam". Dann aber sagt sie, dass sie auf ihrer Reise nach Italien, die sie gemeinsam mit ihrem Vater vor dem Eintritt in den Karmel unternommen hat, wo sie auch dann den Papst bitten konnte, aufgenommen zu werden, trotz ihres jugendlichen Alters, dass sie da ihre Berufung erkannt hat. Denn es waren zahlreiche Priester dabei und sie war sich der Würde dieser Priester bewusst, konnte aber auch die Schwächen ihrer Personen nicht ganz übersehen. Und sie begann die Dringlichkeit zu spüren, für die Priester ganz besonders zu beten.


Für uns alle soll es einen Ansporn bedeuten, wenn heute am Fest der heiligen Theresia von Lisieux das Priesterseminar eröffnet wird. Es ist und bleibt ein Geheimnis, wie Gott die Sendung der Kirche verwirklicht. Sie ist immer Frucht des Heiligen Geistes, der das Wort Gottes, den Sohn, seine Erlösung in der Kirche und durch die Kirche hervorruft. Es ist immer Gott, der die eigentliche Quelle der Fruchtbarkeit sein wird, der die Veränderung bewirken kann, die kein Mensch zu erreichen vermag. Wir aber sind beteiligt, wir dürfen mittun, jeder an seinem Platz. Wir sind alle angesprochen, wir sollen bitten, wie schon anfangs gesagt, nicht nur mit unseren Worten und mit unserem Herzen, sondern mit unserem ganzen Leben. Dann wird Frucht kommen.


So möge der heutige Tag, so meine ich, für unsere Diözese ein wichtiger Tag sein, wirklich ein Neuanfang. Ein Neuanfang, bei dem sich wir alle und wohl auch viele, die jetzt nicht da sein können, dazugesellen. Ein Neuanfang, der bewirkt, dass diese Bewegung, die wohl schon seit langem spürbar ist, an Kraft gewinnt und wir uns persönlich eingliedern in dieses Verlangen nach Erneuerung, die immer eine persönliche Komponente aufweist, die immer auch persönlich uns meint. Wir alle sollen uns sozusagen qualitativ verbessern in gewissem Sinn. Und so möge dieser Tag auch ein Tag sein, mit dem sich ein persönlicher fester Entschluss verbindet.


Mögen uns die Fürsprache der heiligen Theresia und die Fürsprache Mariens beistehen. Dessen dürfen wir uns ganz gewiss sein, sicher sein, sodass wir voll Zuversicht den Weg gehen, den Gott für uns vorgesehen hat. Und die jungen, die Seminaristen, die jetzt mitmachen, dieses kleine, aber nette, gute Grüppchen, und die, die nachher kommen, dass sie alle voll Zuversicht entschlossen ihr Leben in den Dienst des Herrn stellen und in den Dienst der Menschen. Darum bitten wir. Amen.