Predigt zur Einführung des Dompfarrers

Lieber Herr Weihbischof und Dompropst, liebe Domkapitulare, lieber designierter Dompfarrer, liebe Brüder und Schwestern! Die liturgischen Texte des 22. Sonntags im Jahreskreis scheinen mir für die Amtseinführung eines Dompfarrers durchwegs anregend und geeignet. Im Tagesgebet hieß es: "..pflanze in unser Herz die Liebe zu Deinem Namen ein. Binde uns immer mehr an Dich, damit in uns wächst, was gut und heilig ist." Das ist ein gutes Leitmotiv für die Einführung eines Dompfarrers.

Die 1. Lesung aus dem Buch Deuteronomium enthält eine Verheißung für das Volk Israel: "Hört, und Ihr werdet leben, Ihr werdet in das Land, das der Herr, der Gott Eurer Väter, Euch gibt, hineinziehen und es in Besitz nehmen."
Der Verheißung folgt eine Ermahnung: "Ihr sollt dem Wortlaut dessen, worauf ich Euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; Ihr sollt auf die Gebote des Herrn, Eures Gottes, achten, auf die ich Euch verpflichte. Ihr sollt auf sie achten und sollt sie halten."
In der 2. Lesung aus dem Jakobusbrief wird betont, dass jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk von oben, von Gott kommt. Danach folgt die kostbare Anweisung: "Nehmt Euch das Wort zu Herzen, das in Euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, Euch zu retten." Dann wird noch hinzugefügt: "Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt Ihr Euch selbst." Am Ende steht noch ein anderer wertvoller Hinweis: "Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind, und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren."
Besonders wichtig ist die Botschaft des Evangeliums. Es enthält die Ermahnung nicht bloß äußerlich irgendwelche Gesetzesregeln zu befolgen oder bloß äußerlich bestimmte Riten zu vollziehen. Authentizität ist gefragt. Es kommt auf das Herz an; das Herz muss gut, rein sein, dann werden die Worte, die Handlungen gut und Gott wohlgefällig.

In manchen Dokumenten der Kirche wird der Dom als die Mutter aller Pfarren des Bistums bezeichnet, weil der Dom die Kirche des Bischofs ist, der die Verantwortung für die Verkündigung in der ganzen Diözese trägt. Er ist auch der erste Liturge. Im Dom werden alljährlich die heiligen Öle geweiht, die in der ganzen Diözese bei der Sakramentenspendung verwendet werden, und in der Regel finden gewöhnlich die Diakonen- und Priesterweihen im Dom statt. Schon aus all diesen Gründen kommt dem Dom eine besondere Bedeutung zu, es macht aber auch deutlich, dass die Dompfarre ein wichtiges Gebetszentrum der Diözese und in vielen Belangen ein Vorbild für alle Pfarren sein soll: vor allem in der Liturgie. Es ist eine uralte Tradition, dass insbesondere an den Hochfesten und besonderen Anlässen die Gläubigen aus der ganzen Diözese in den Dom kommen und bei uns sind die Voraussetzungen günstig: Wir haben einen schönen Dom, der künstlerisch von hoher Qualität und doch heimelig ist. Wir verfügen über einen hervorragenden Kirchenchor, der die Feierlichkeiten musikalisch gestaltet. Wir haben seit kurzem auch eine schöne, neu renovierte Rosenkranzkapelle, die sich sehr gut eignet, um das Gebet in kleinen Gruppen zu pflegen und stille Anbetung zu halten. Der Dom hat viele gute Voraussetzungen, um wirklich ein spirituelles Zentrum der Diözese zu sein. Dem Dompfarrer kommt bei all dem in enger Zusammenarbeit mit dem Bischof eine wichtige Rolle zu, ebenso für die Verkündigung, den Predigtdienst im Dom. Oft ist von einem Dom die spirituelle Erneuerung einer Diözese ausgegangen. Es würde mich auch sehr freuen, wenn im Dom nach und nach katechumenale Angebote für die Erwachsenenseelsorge entwickelt werden, wie sie heute nötig sind. In St. Pölten sind viele gute Menschen, die mit der Kirche eng verbunden sind; es gibt freilich auch viele andere gute Menschen, die der Kirche fern stehen und die es einzuladen gilt. Nahe beim Dom ist ja auch das diözesane Priesterseminar und die Theologische Hochschule. Sie können und sollen eine Hilfe für die Seelsorge im Dom sein.
Der Dom sollte auch in besonderer Weise ein Ort des Heils sein, in dem das Sakrament der Versöhnung in besonderer Weise gepflegt und angeboten wird. Der Dompfarrer erhält vom Bischof besondere Befugnisse, er ist der so genannte Pönitentiar mit speziellen Vollmachten, um von bestimmten besonders schweren Sünden loszusprechen, deren Vergebung dem Bischof vorbehalten sind. Es würde mich sehr freuen, wenn sich die Domkirche zu einer richtigen Beichtkirche entwickelt. Auch diesbezüglich werden sicher gerne die Domkapitularien und andere Priester mithelfen.
Schließlich sollte im Dom und vom Dom aus die Nächstenliebe mit besonderem Eifer gelebt und gepflegt werden. Vieles besteht seit langem in unserer Dompfarre. Vieles wurde aufgebaut und soll weiter entwickelt werden. Ich wünsche Dir, lieber Herr Dompfarrer, von Herzen Gottes Segen, viel Freude und vor allem Fruchtbarkeit. Möge Dir Maria in allem, was Du unternimmst, durch ihre Fürsprache beistehen.