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Predigt zum Requiem für Papst Johannes Paul II. im Dom (Wortlaut)

Liebe Brüder und Schwestern!


Papst Johannes Paul II. hat in seinem fast 27-jährigen Pontifikat unglaublich viel bewegen können. Er war in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten die in der ganzen Welt herausragende Persönlichkeit. Allein wenn man die großen Menschenansammlungen vor Augen hat, die im Zusammenhang mit seiner Person in diesen Jahren zustande gekommen sind, ist das mehr als beeindruckend. Das gleiche gilt für die ungewöhnliche Anteilnahme fast der ganzen Welt an seiner Krankheit und an seinem Tod. Die besondere Ausstrahlung, die er hatte, stellt ein ganz besonderes Phänomen dar, bei dem es sich lohnt, es genauer in den Blick zu nehmen.


Ein Grund seiner Anziehungskraft war ohne Zweifel, dass er ein Mann des Gebetes war, jemand, der mit Gott verbunden lebte, und dass man dies irgendwie spürte, ohne gekünstelt zu wirken.


Sein unerschütterlicher Glaube an Gott, an Christus, an den Menschen und seine Berufung, an die Erlösung, die Christus bewirkt hat, sowie sein Glaube an die Familie und ihre Bedeutung für Kirche und Gesellschaft waren für ihn kennzeichnend.
Diesen Glauben verkündete er, ob gelegen oder ungelegen, in aller Deutlichkeit und mit aller Konsequenz, wobei erkennbar war, dass es seine große Sorge um die Menschen, um die Welt, um die Kirche war, die ihm bewegte, zu reden, zu schreiben, aufzutreten.


Er war jemand, der mit großer Offenheit auf alle Menschen zuging und mit seiner Herzlichkeit und Ehrlichkeit bei nicht wenigen Gelegenheiten eine überraschende Wende in der Atmosphäre herbeizuführen vermochte. In diesen Tagen zeigt es sich in beeindruckender Weise, wie sehr er auch von Gläubigen anderer Bekenntnisse und Religionen, auch von Politikern unterschiedlichster Einstellungen geschätzt und geehrt wird.


Ein solches Leben und Wirken wie das Johannes Paul II. ist ohne Zweifel ein Motiv, um Gott und dem Verstorbenen selbst zu danken. Das ist eine der Bedeutungen dieser Eucharistiefeier. Sie ist eine Danksagung. Das ist der erste Aspekt, den ich hervorheben wollte.


Das Leben und Wirken Johannes Paul II. ist aber auch aus vielen anderen Gründen Anstoß zum Nachdenken:
Schon die Veränderung seines äußeren Erscheinungsbildes im Verlaufe der vergangenen Jahre gibt dazu Anlass. Wir haben ihn zunächst als sportlich, dynamisch, kraftvoll erlebt. Er rief "Fürchtet Euch nicht" in die Welt hinaus und in die Kirche hinein.


Es geschah dann das schreckliche Attentat am 13. Mai 1981, das er wie durch ein Wunder überlebte. Danach folgten die gefährliche Krankheit, die ihn mehrmals an den Rand des Todes brachte und seine Dankeswallfahrt nach Fatima. Seine Krankheit schien zur Gänze überwunden, aber 10 Jahre später wurde eine schwere Operation notwendig, folgten Verletzungen durch Stürze und allmählich wurde er zu einem gebrechlichen, leidenden alten Mann. Seine Ausstrahlung wurde aber nicht geringer, sondern anders. Die Menschen, die ihm begegneten, waren beeindruckt. Oft wurde von den Medien die Frage aufgeworfen, ob nicht sein Rücktritt bevorstehe, er aber folgte seinem Weg.
Wenige Tage vor seinem Tod, in der Karwoche, wurde gezeigt, wie er das Kreuz, das ihm beim Mitverfolgen des Kreuzweges am Karfreitag gereicht wurde, fest umklammert hat. Und beim Abschiedsbesuch sagte er zu Kardinal Ratzinger, dass er nun zum Sterben bereit sei.


Sein Leben enthält viele Impulse zum Nachdenken. Viele Glaubensaussagen waren bei ihm wie zum Greifen präsent.


Papst Johannes Paul II. hinterlässt - das ist der dritte Aspekt, den ich hervorheben möchte - der Kirche eine wichtige Wegweisung und Ermutigung.


Am Ende des Jubiläumsjahres 2000 schrieb er das Dokument "Tertio millenio ineunte" und machte sich die Worte zu eigen, die der Herr an Petrus gerichtet hat: "Fahrt hinaus und werft eure Netze zum Fang aus."


Er hat ein Programm hinterlassen, das sicher für die Gegenwart und für die Zukunft gültig ist: An erster Stelle steht bei Bischöfen, Priestern, Laien, Verheirateten und Unverheirateten das Streben nach echtem Christsein als Voraussetzung für die Fruchtbarkeit der Kirche heute und morgen. Gebet ist unerlässlich ebenso die Liebe zu den Sakramenten; der Wunsch nach Einheit, apostolischer Eifer, sozialer Einsatz. Und in den letzten Jahren schrieb er die Dokumente über die Eucharistie. Er machte klar: "Die Kirche lebt aus der Eucharistie". Sie schöpft ihre Kraft aus Christus. Im vergangenen Sommer rief er das Jahr der Eucharistie aus, mit dem großen Verlangen: "Herr bleibe bei uns". Es ist, als ob er mit seinem Tod diese Sehnsucht in unseren Herzen bestärken möchte.


So sollen wir also, liebe Brüder und Schwestern, Gott in dieser Stunde für das Leben und Wirken Johannes Paul II. danken, über sein Beispiel nachdenken und für seinen Zuspruch offen sein. So lebt das Wort, das er am Anfang seines Pontifikates gesprochen hat, auch am Ende seines Weges auf Erden erneut auf: "Fürchtet Euch nicht!"


Schließlich: In seinem Wappen ist ganz deutlich sichtbar der Anfangsbuchstabe für Maria, die er sehr verehrt hat. Bitten wir sie um ihre Fürsprache für die Kirche, für die ganze Welt, für uns alle.