Predigt zum 80. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. (im Wortlaut)

Liebe Brüder und Schwestern!

Mir scheint, dass wir wirklich Grund haben, heute, am 80. Geburtstag unseres Hl. Vaters, Gott zu danken. Ich erinnere mich, wie die Kardinäle, sichtlich tief beeindruckt, vom Konklave zurückkehrten. Sie unterliegen zwar bezüglich der Papstwahl der Schweigepflicht, aber es war in ihren Berichten unüberhörbar, dass in den Tagen, die der Papstwahl vorausgingen, das Wirken des Heiligen Geistes offenbar in beeindruckender Weise für sie alle spürbar war. Beim Nachdenken über die Situation der Kirche, sicher auch unter dem Eindruck der Begräbnisfeierlichkeiten Papst Johannes Paul II. und den verschiedenen Wortmeldungen Kardinal Ratzingers, der in keiner Weiser damit rechnete, Papst zu werden, fiel sehr rasch und eindeutig ihre Wahl gerade auf ihn, weil er eindeutig am besten von allen die aktuellen Gegebenheiten und Herausforderungen kannte und weil er der Garant dafür war, dass die weltweite kirchliche Entwicklung, die unter Papst Johannes Paul II. eingesetzt hat, konsequent, liebevoll und umsichtig fortgesetzt würde.

Wir haben guten Grund, um Gott zu danken, weil unser Heiliger Vater nicht nur hervorragende Gaben des Geistes besitzt, sondern eine Haltung hat, die uns Mut gibt, und zwar in einer Weise, die wahrhaft und tief begründet ist.

Wer die Predigten und verschiedenen Aussagen des Papstes verfolgt, wer aufmerksam sein neues Buch liest, das vor wenigen Tagen in Rom, heute auch bei uns vorgestellt wurde, nimmt wahr, dass es ihm nicht darum geht, seine eigenen Gedanken und Ideen vorzulegen; sein Anliegen ist es, dass von den Menschen Gott entdeckt wird und damit das Wesentliche im eigenen Leben. Sein Wunsch ist es, dass Christus spricht, dass Christus vergegenwärtigt und erkannt, dass Christus als Offenbarer und Überbringer der unendlich großen Liebe Gottes, als Erlöser erfahren wird, derjenige der dem Menschen, der unterwegs zu Gott ist, auf dem Weg beisteht. Wer Papst Benedikt XVI. zuhört, erfasst bald, wer für ihn und für uns der Gute Hirte ist. Der Papst sieht seine Aufgabe darin, Ihm eine Stimme zu verleihen, auf Ihn hinzuweisen und die Zusammenhänge darzulegen, die Licht, Trost, Heil in unser Leben bringen. Jesus Christus ist der Gute Hirt.

Es ist mir unvergesslich, wie Papst Benedikt XVI. uns österreichischen Bischöfen beim Ad-limina-Besuch ermutigte, die Katechese zu erneuern. Wir müssten, so lautete seine liebevolle Ermahnung, dringend dafür Sorge tragen, dass der christliche Glauben möglichst vollständig Jung und Alt vermittelt wird. Es sei notwendig, dass die Menschen Christus begegnen, seine Botschaft vernehmen, dadurch den Weg zur Umkehr finden, wo diese notwendig ist. Nur so könnten sie Erfüllung, oft auch Heilung und innere Gesundung finden. Das war die Weisung die er uns Bischöfen mit auf den Weg gab.

Die Haltung Papst Benedikt XVI. ist jene des hl. Paulus, der den Ältesten von Milet und von Ephesus gesagt hat (1. Lesung aus der Apostelgeschichte): "Jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen."

Wir freuen uns auf seinen Besuch im Herbst dieses Jahres. Das bedeutet eine Chance für uns: Bei Papst Benedikt XVI. ist es ganz besonders deutlich, dass es nicht um seine Person geht, die sich in den Mittelpunkt stellt. Bei ihm ist es ganz eindeutig so wie Paulus es den Kolossern erklärt hat: "Ich diene der Kirche durch das Amt, das Gott mir übertragen hat, damit ich euch das Wort Gottes in seiner Fülle verkündige, jenes Geheimnis, das seit ewigen Zeiten und Generationen verborgen war" (2. Lesung). Papst Benedikt XVI. versucht, diesem Auftrag der Apostel zu entsprechen.

Für uns ist es eine Herausforderung und Ermutigung. Echte Dankbarkeit zeigt sich "opere et veritate" - in Werken und in Wahrheit.

Papst Johannes Paul II. hat ausgehend vom II. Vatikanischen Konzil und auf dessen Erkenntnissen aufbauend mit riesigen Anstrengungen weltweit eine Entwicklung eingeleitet, die durch Papst Benedikt XVI. fortgeführt wird. An uns liegt es wahrzunehmen, dass der Auftrag, den Jesus durch die dreimalige Wiederholung des "Weide meine Lämmer" feierlich dem Petrus übertragen hat in unserem Leben und in unserem Wirken, ein Echo finden muss, das sich durch unser Leben und unser Wirken auf andere fortpflanzt. Die Treue des Papstes ist, in gewissem Sinn, davon abhängig, dass wir mittun.

Die Feier des 80. Geburtstags sollte für uns ein Anlass sein, um dem Auftrag Christi an Petrus und die Kirche mit allen Kräften in den heutigen Gegebenheiten unseres Landes umzusetzen und zu versuchen, was uns möglich ist, damit die Stimme des Guten Hirten die Menschen von heute erreicht.

Alle sind wir angefragt: nicht nur der Bischof, nicht nur die Priester und Diakone, auch die Religionslehrer und Pastoralassistenten, ebenso die Eltern und alle, die ein Herz haben für Jesus und die Mitmenschen. Es ist notwendig, sein Evangelium den anderen verständlich zu machen, sie auf die Größe des Herzens Jesu hinzuweisen, ihnen zu sagen, dass nur in Gott wahrer Friede ist, und dass die große Liebe, die lebendig macht, die sogar den Tod überwindet, von Gott kommt.

Papst Benedikt XVI. ist nicht nur ein großer Theologe, er ist auch ein tiefgläubiger Christ. Bitten wir für ihn um den Beistand des Heiligen Geistes, öffnen wir selbst uns dem Tröster Gott und suchen wir die Fürsprache Mariens, damit ihr Sohn in unseren Herzen und in den Herzen aller Menschen zur Welt kommt. So feiern wir, wie mir scheint, am besten den Geburtstag unseres gemeinsamen Vaters, so wissen wir uns mit ihm und untereinander vereint und suchen dem zu entsprechen, was Gott von uns erwartet.