Predigt Ostersonntag 2007 (im Wortlaut)

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Große des Osterglaubens besteht darin, dass es ein Licht aufleuchten lässt, wo vorher jedes Licht erloschen war. Er war zu Grabe getragen und das Grab war mit einem großen Stein verschlossen worden. Maria von Magdala, die frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab kam, entdeckte, dass der Stein entfernt war.

Die Auferstehung sprengt die Ohnmacht des Menschen. Die Macht des Todes - eine Folge der Sünde - ist gebrochen. In der berühmten Ostersequenz heißt es: "Tod und Leben, die kämpften unbegreiflichen Zweikampf; des Lebens Fürst, der starb, herrscht nun lebend. Maria Magdalena, sag uns, was du gesehen. Sah Engel in dem Grab, die Binden und das Linnen. Das Grab des Herrn sah ich offen und Christus von Gottes Glanz umflossen. Er lebt, der Herr, meine Hoffnung, er geht euch voran nach Galiläa."

Die Auferstehung eröffnet uns die Perspektive des Sieges, den Christus für die ganze Welt erreicht hat, der in unser eigenes Leben und unseren eigenen Tod hineinreicht und zwar nicht nur in den physischen Tod, sondern auch in den geistigen.

Ein einfacher Karmelit, der im 17. Jahrhundert gelebt hat und ein großer Lehrmeister des inneren Lebens gewesen ist, fand seinen Weg zur Bekehrung durch die Betrachtung eines Baumes im Winter, der völlig entlaubt war. Es fielen ihm die Worte aus der Schrift ein: "Der Herr macht tot und lebendig, er führt zum Totenreich hinab und führt auch herauf". Er dachte, dieser Baum, der völlig tot scheint, wird bald neue Blätter treiben, und es wurde ihm klar: Wer Gott vertraut, wird seine Kraft erfahren. Er hatte ein sehr verworrenes Leben hinter sich und dieser Gedanke war der Anfang einer entschlossenen Umkehr.

Der Glaube an den Auferstandenen lässt uns unser Leben und das Leben der Kirche in einem neuen Licht betrachten. Auch wenn wir noch so viele Todeszeichen an uns, an den Gliedern der Kirche erkennen müssen, haben wir dennoch Grund zur Hoffnung: Manches an uns muss sterben, auch manches an der Kirche muss sterben, damit er, Christus, sein Leben entfaltet. Das betrifft vor allem die Sünde. Der hl. Paulus lehrt den Ephesern: "Ihr wart tot infolge eurer Verfehlungen und Sünden. " Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet. Er hat uns mit Christus auferweckt" (Eph 2, 1, 5 u.6). Das bedeutet nicht, dass wir ruhig sündigen dürfen und auf jeden Fall gerettet werden, aber wir erlangen Vergebung unserer Sünden und dürfen auf ihn bauen, wenn wir uns mit ihm, mit seinem Leiden und Sterben sowie mit seiner Auferstehung vereinen. "Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein. Wir wissen doch: unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde" (Röm, 6, 5-6), heißt es im Römerbrief und der hl. Paulus folgert: "Daher soll die Sünde euren sterblichen Leib nicht mehr beherrschen und seinen Begierden sollt ihr nicht gehorchen" (Röm 6,12). Wir haben Grund zur Zuversicht, freilich müssen wir um Bekehrung bemüht sein.
Das gleiche gilt auch für die Kirche: Sofern Sünde, Missbrauch, Fehlentwicklung der Wirksamkeit Christi im Weg stehen, müssen diese überwunden werden. Es muss bewusst sein: der Weg zur Erneuerung der Kirche kann nicht darin bestehen, die Lehre der Kirche einfach der Verhaltensweise jener anzupassen, die die Botschaft vom Kreuz nicht hören wollen, sodass ihr Widerspruch wegfällt. Echte Erneuerung der Kirche kommt, sofern Sünde ihr im Weg steht, weder durch Diskussionen noch durch Druckausübung auf das Leitungs- und Lehramt der Kirche, damit sie manchen allzu weltlichen Vorstellungen willfährig wird. Echte Erneuerung kommt durch Menschen, die Christus nachfolgen, durch Heilige, die selber zur Umkehr bereit sind, wenn diese nötig ist, und die andere zu dieser Umkehr auffordern und ermutigen.

Der hl. Paulus sagt: "Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn" (Röm 6,8-9).

Aber muss nicht heute jeder, der im Glaubensleben konsequent ist, mit Widerspruch und Schwierigkeiten rechnen, manchmal sogar mit Hohn und übler Nachrede? Bringt nicht ein bisweilen stürmischer Wind das Schiff der Kirche arg ins Wanken? - In diesem Zusammenhang möchte ich an den großen Obelisken am Petersplatz in Rom erinnern, der in der Zeit Neros das Martyrium vieler Christen erlebt hat und auf dem geschrieben steht: Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat. Christus siegt, er ist der König und Herrscher. Gerade darin besteht die geheimnisvoll Kraft des Osterglaubens: inmitten großer Bedrängnisse und Schwierigkeiten erstarkt und siegt Christus, verbreitet sich sein Reich. Wir aber, liebe Brüder und Schwestern, sollen unseren Blick nach oben und nach vorne richten gemäß dem Wort des hl. Paulus, das wir in der Lesung vernommen haben: "Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische (Kol 3, 1-4).

In diesem Jahr wird der Heilige Vater, dessen 80. Geburtstag wir in wenigen Tagen feiern, zu uns nach Österreich kommen. Ich hoffe, dass viele aus unserer Diözese in Mariazell dabei sein werden und dass sein Besuch für alle im Land ein kräftiger Impuls sein wird. Im Sommer wird es eine Jugendwallfahrt nach Mariazell geben, ebenfalls eine wunderbare Gelegenheit, um in der Jugendarbeit eine neuerliche, große Anstrengung zu unternehmen. Und in den verschiedenen Diözesanen Gremien wird in den nächsten Monaten das pastorale Vorgehen in den nächsten Jahren diskutiert und festgelegt werden. Unser Verlangen muss es sein, die Herausforderungen unserer Zeit in den Blick zu nehmen und alle jene Schritte zu setzen, die nötig sind, um in den heutigen Verhältnissen und mit den Kräften, die uns zur Verfügung stehen, die Nachfolge Christi persönlich konsequent zu leben und nach Kräften bei unseren Mitmenschen zu fördern. Die Mittel und Wege werden keine anderen sein als jene, die die Kirche in Übereinstimmung mit dem Evangelium empfiehlt. Haben wir Vertrauen: Er, der tot geglaubt war, lebt! Maria wird uns, wenn wir sie darum bitten, mit ihrer Fürsprache beistehen.