Predigt Diözesanwallfahrt Mariazell

Liebe Brüder und Schwestern! Die Lesung aus dem Buch Jesaja eröffnet hoffnungsvolle Perspektiven: "Auf, werde Licht, Jerusalem, denn es kommt ein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir." Diese Worte beziehen sich auf Christus. Weiter unten heißt es: "Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter trägt man auf den Armen herbei."
Es klingt wie ein Traum und ist doch keiner. Die Worte des Propheten beschreiben einen Vorgang, der seit der Geburt Jesu ständig im Gange ist. Manchmal ist der Strom stärker, manchmal schwächer; manchmal scheint die Finsternis zu überwiegen, aber dann kommt wieder das Licht. Dieser Vorgang reicht bis in unsere Gegenwart; er ist auch jetzt im Gange, auch wir sind in ihn einbezogen und nach uns wird er weitergehen bis ans Ende der Zeit.

In den letzten Jahren hört man vor allem die negativen Meldungen und beachtet zu wenig die positiven. Man sieht es z.B. an der Wallfahrtsbewegung (auch nach Mariazell). Sie ist manchmal zurückgegangen, aber nie ganz abgerissen. In den letzten Jahren wird sie wieder stärker. Die Wallfahrten nach Santiago de Compostela haben sich seit 1990 etwa verzehnfacht. Jemand hat mir vor kurzem eingewendet, viele dieser Wallfahrer seien gar nicht religiös motiviert; der Stress mache Ihnen zu schaffen, deshalb ihr Trend zur Wallfahrt. Mag sein, und doch bewegt wahrscheinlich die meisten eine Sehnsucht, die vielleicht nicht bewusst religiös, aber doch ähnlicher Art ist.
Im Evangelium ist die Botschaft der Erfahrung Elisabeths enthalten, die bei der Begrüßung Marias die freudige Bewegung des Kindes in ihrem Schoß verspürt hat. Sie ruft aus: "Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ."

Notwendig ist ein innerer und ein äußerer Aufbruch. Das war immer so. Heute wird die Aufforderung dazu vielleicht in einem gewissen Sinne drängender. Was im Leben Jesu geschehen ist, geschieht auch heute. Damals folgte ihm zunächst eine große Schar von Jüngern, dann, als seine Aussagen über seine Sendung und insbesondere über die Eucharistie konkreter wurden, zogen sich viele von ihm zurück. "Sie wanderten nicht mehr mit ihm umher", hieß es im Evangelium des vergangenen Sonntags und er fragt die zurückgebliebene kleine Schar von Treuen "Wollt auch ihr weggehen?" Petrus aber gab ihm im Namen aller zur Antwort "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens."
Auch wir sind angefragt und es ist ein Aufbruch nötig. Ein persönlicher Aufbruch: Wer Christ sein und bleiben will, muss sich bewusst Gott, Jesus zuwenden, den Sonntag hochhalten, ebenso das tägliche Gebet, die Gebote Gottes beachten, und zwar alle; sich in IHM verankern. Nur ER schenkt eine dauerhafte Freude, den inneren Frieden. Die Liebe erwacht.
Aber auch ein gemeinsamer Aufbruch ist erforderlich. Können wir einfach zuschauen, wie sich viele vom Glauben an Christus entfernen und dadurch früher oder später in eine Sackgasse geraten? Können wir einfach zuschauen, wenn wir bemerken, dass sie sich großen Gefahren aussetzen, das Glück, vielleicht sogar das ewige Glück, auf dem Spiel steht?

Was können wir tun?, werden Sie vielleicht fragen. Es ist notwendig mitzutun. Newman hat kurz nach seiner Konversion zum katholischen Glauben einmal ausgerufen: "Herr, erneuere die Kirche und fang bei mir an."
Mit gutem Beispiel vorangehen, das ist das Erste und Wichtigste; dann aber müssen wir auch überlegen: was könnte ich tun? Vielleicht sollte es in der eigenen Familie beginnen; ohne den anderen auf die Nerven zu fallen. Was könnten wir tun, damit wir regelmäßiger beten, manches gemeinsam, den Sonntag gut gestalten, besser zusammen helfen, manches verändern. Oft ist es gar nicht so einfach. Es braucht Gespräch, Geduld, Kompromisse sind nötig, vor allem Liebe zueinander.

Wäre nicht auch anderes möglich? In der Pfarre mittun zB in der Erstkommunionvorbereitung, der Firmung, in der Jugendarbeit oder in anderen Bereichen. Nächstes Jahr ist PGR-Wahl: Gute Mitarbeiter zu finden ist ein großes Anliegen jeder Pfarrgemeinde.
Neue Initiativen müssen entwickelt werden, zB sind neue katechetische Schulungen nötig, damit gerade jene, die sich engagieren, die Grundlagen sichern. Oft profitieren sie dabei selbst am meisten, weil sie sich neu mit dem Glauben und seinen Inhalten auseinandersetzen. Man muss auch bedenken: wie soll jemand Kinder oder Jugendliche auf die Erstkommunion, Erstbeichte oder das Sakrament der Firmung vorbereiten, wenn er /sie selbst nicht mit den Glaubensinhalten und der Glaubenspraxis vertraut ist. Die Familien brauchen Unterstützung und Anregungen, um in den heutigen Verhältnissen eine christliche Familie zu entwickeln. Die Ministranten brauchen Begleitung, Jugendarbeit muss vorangetrieben, die Kranken müssen gut betreut werden.

"Ich kann das alles nicht, ich will dafür beten, sagen Sie vielleicht. Dafür zu beten ist auf jeden Fall gut, aber sagen Sie nicht zu rasch Nein. Wie soll ein Aufbruch zustande kommen, wenn nicht jeder tut, was er kann? Und alle müssen wir dabei auf Jesus bauen, auf seine Gegenwart, auf die Kraft seines Leidens und Sterbens am Kreuz und auf die Kraft seiner Auferstehung. Wir müssen IHN persönlich im Gebet suchen, uns mit IHM und seinen Wort vereinen, bedenken, dass die Wirksamkeit von ihm kommt. Das gibt uns Zuversicht und zugleich die richtige Einstellung.

Mit Maria sollen wir sprechen: "Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter" Diese Wallfahrt nach Mariazell soll uns Mut machen zum Aufbruch, persönlich und gemeinsam. Eine Veränderung ist möglich, sie ist auch dringend. Wie viel wird in unserem Land getan, um die Wirtschaft anzukurbeln, um noch mehr Fortschritt, noch mehr Wohlstand zu erreichen. Im Bezug auf unser Christsein und das Christsein der anderen sollten wir wenigstens genauso viel tun. Wenn wir Maria darum bitten, wird sie uns mit ihrer Fürsprache beistehen.