Predigt Bischof Küng zur Bischofsweihe von Dr. Anton Leichtfried (im Wortlaut)

Eminenz, liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt, verehrter Herr Landtagspräsident, liebe Angehörige, lieber Weihekandidat Anton, liebe Brüder und Schwestern!

Die liturgischen Texte des 1. Fastensonntags sind für den Anlass, der uns heute zusammengeführt hat, sehr geeignet.

Im Tagesgebet war die Bitte ausgesprochen: "Gib uns durch diese Feier die Gnade, dass wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten und die Kraft seiner Erlösungstat durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen". Das ist das zentrale Anliegen, um das es geht, wenn wir möchten, dass die Kirche in unserer Zeit mit erneuter Kraft wirksam wird. Es ist notwendig, dass wir und alle, die an Christus glauben, in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten und die Kraft seiner Erlösungstat durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.

In der ersten Lesung war vom Volk Israel die Rede, das Gott "mit starker Hand und hoch erhobenem Arm, unter großem Schrecken, unter Zeichen und Wundern" aus der Knechtschaft Ägyptens befreit und in ein Land gebracht hat, "in dem Milch und Honig fließen". Darin besteht der Sendungsauftrag der Kirche: Die Menschen aus den Knechtschaften, in die sie sowohl in Hungersnöten als auch im Wohlstand hineingeraten, herausführen, wobei derjenige, der dabei führen und befreien muss, der Herr ist, Jesus Christus, der Erlöser.

Im Evangelium des 1. Fastensonntags wird von den Versuchungen Jesu in der Wüste berichtet. Sie stellen für uns einen Trost dar, weil diese Versuchungen uns allen bekannt sind. Denn jeder Mensch hat sie: die Versuchung, die Sehnsüchte des Herzens auf billige Weise zu stillen, obwohl der Herr sagt, dass der Mensch nicht bloß vom Brot allein lebt; die Versuchung nach Macht und Größe, die dazu verführt, dass man falschen Götzen nachläuft und in Sackgassen gerät, die in Isoliertheit, Leere und Enttäuschung enden; und schließlich die Grundversuchung, die Gott auf die Probe stellt und sich eine Verhaltensweise herausnimmt, von der man weiß, dass sie nicht erlaubt ist.

Die Versuchungen Jesu zeigen uns, dass wir nicht allein sind. Der Mensch gewordene Gott ist uns in allem gleich geworden außer in der Sünde und er hat die Versuchungen besiegt. Wir dürfen darauf bauen, dass auch wir siegen werden, sofern wir mit ihm vereint sind.

Sehr schön ist die 2. Lesung. Paulus stellt die Frage: "Was sagt die Schrift?" und er selbst gibt zur Antwort: "Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen." Er erklärt: "Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkünden." Und er fügt hinzu: "Wenn du mit deinem Mund bekennst: ´Jesus ist der Herr` und in deinem Herzen glaubst: `Gott hat ihn von den Toten auferweckt`, so wirst du gerettet werden." Was hier der Apostel Paulus in wenigen Worten darlegt, ist die Grundlage unserer Hoffnung.

Die Weihe unseres neuen Weihbischofs ist für uns alle, die wir hier anwesend sind, und für die ganze Diözese St. Pölten eine Einladung zu Zuversicht, zu Vertrauen in die Hilfe des Herrn und zu einer gemeinsamen großen Anstrengung, die Sendung der Kirche in den heutigen Verhältnissen mutig zu verwirklichen.

Unser designierter Weihbischof Anton hat sich als Leitspruch das Wort gewählt: "Gib mir ein hörendes Herz". Das passt zur 2. Lesung, zu dem, was uns Hoffnung gibt; das passt zur Bitte im Tagesgebet - in der Erkenntnis Jesu voranschreiten und die Kraft der Erlösungstat sichtbar machen. Das passt zu unserem Sendungsauftrag, den wir erfüllen sollen.

Dem Weihekandidaten werden als Zeichen der Übertragung bischöflicher Vollmacht von den anwesenden Bischöfen die Hände aufgelegt.

Während des Weihegebetes wird das Evangeliumbuch über seinem Haupt gehalten: Es ist eine Gebärde innigen Bittens um den Heiligen Geist, um Erleuchtung, Festigkeit und Klarheit, um Treue in der Verkündigung, sodass das Wort des Herrn nicht verfälscht wird, nicht an Kraft verliert, sich als lebendig und fruchtbar erweist und sein hörendes Herz für die ganze Diözese zum Segen wird.

Sein Haupt wird mit Chrisam gesalbt als Zeichen seiner besonderen Verbundenheit mit Christus, dem Gesalbten, den er vergegenwärtigen soll durch seine Worte, seine Handlungen, sein Wirken.

Danach empfängt er die bischöflichen Insignien: den Ring als Zeichen der Treue, die Mitra als Ausdruck des Einsseins mit Christus, dem Hohenpriester, und den Stab als Hinweis auf seine Leitungsaufgabe, er soll guter Hirte sein.

Sein Dienst als Weihbischof der Diözese St. Pölten wird - jedenfalls in den nächsten Jahren - in besonderer Weise die Aus- und Fortbildung der Diakone und Priester betreffen, auch die Aus- und Fortbildung der Pastoralassistenten. Ab dem heutigen Tag wird er Bischofsvikar für diese besonderen Bereiche sein. Er wird aber auch an den Aufgaben des Diözesanbischofs teilhaben durch Vornahme von Weihehandlungen in dessen Auftrag, durch die Spendung der Firmung, durch Ausführung pastoraler Pfarrbesuche. Er wird bei der Erstellung und Umsetzung des diözesanen Pastoralplanes intensiv mitwirken müssen.

Für unsere Diözese ist es eine Freude, wenn Anton Leichtfried heute zum Weihbischof geweiht wird; die Freude hat mit der Hoffnung zu tun, dass er mithelfen wird, die Herde zusammenzuhalten, die müde Gewordenen anzuspornen, die Kranken zu heilen und alle zu ermutigen, für Christus Zeugnis abzulegen, in unserer Zeit für Jung und Alt. Unsere Zuversicht baut dabei vor allem auf Christus, der ihn durch die Weihe in besonderer Weise an sich zieht, weil er ihn als besonderes Werkzeug erwählt hat.

Wir dürfen dabei nicht übersehen, dass die Fruchtbarkeit seiner Arbeit in einem großen Maße vom Mittun aller abhängt. In unserer Zeit, in der unterschiedlichste Lebensanschauungen und Verhaltensweisen aufeinander prallen, ist es notwendig, von Neuem persönlich und gemeinsam den Weg zu suchen, um in den heutigen Verhältnissen konsequent christlich zu leben. Da ist die Leitungsaufgabe eine große Herausforderung und nur dann fruchtbar, wenn von allen Beteiligten bewusst das gute Miteinander, die Einheit im Denken, Streben und Tun gesucht und gepflegt wird. Die eigentliche Mitte ist dabei immer Christus. Er ist der einzige und wirkliche Herr. Und der Heilige Geist muss am Werke sein. Wir aber sind gefordert: Hellhörigkeit ist gefragt (nicht nur beim Weihbischof), ebenso Bereitschaft und Mut, Vertrauen in die Gegenwart und Hilfe des Herrn, in die Kraft, die von oben, von Gott kommt.

Ich wünsche Dir lieber Mitbruder Anton, von Herzen Gottes Segen. Möge Dir der Heilige Geist in allen Deinen Bemühungen beistehen und Deinem Wirken bleibende Fruchtbarkeit schenken. Gottes Segen wünsche ich auch Deiner Familie und allen Deinen Angehörigen. Mögen sie Dir auch in Hinkunft weiterhin Rückhalt und Zuflucht sein. Besonders empfehle ich Dich aber der Fürsprache Mariens an, damit sie sich Dir immer und in allem als Mutter erweist, als Mutter, die Jesus hervorbringt.