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Predigt beim Begräbnis von Kpl. August Paterno

Lieber Herr Weihbischof,
lieber Herr Generalvikar der Diözese Feldkirch,
lieber Herr Generalvikar der Erzdiözese Wien,
liebe Mitbrüder im Priesteramt,
liebe Angehörige,
liebe Brüder und Schwestern!

Der Tod jedes Menschen ist ein Anlass zum Nachdenken und viel mehr als das. Bei jemandem, den wir gut gekannt, geschätzt, gerne gehabt haben, dessen Lebenslauf wir kennen mit allen Höhen und Tiefen, die dazu gehören, ist sein Tod für uns eine Herausforderung, ein Schmerz, Grund zur Dankbarkeit, eine Botschaft, auch Anlass für eine innige Bitte an Gott.

Gustl Paterno war ein Seelsorger. Das Evangelium, das wir vorher vernommen haben, scheint mir recht gut auszudrücken, was zur Kernbotschaft seines Lebens gehörte: Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt. Und er ist gekommen, nicht um sie zu richten, sondern zu retten (vgl. Joh 3,16-17).

Weil er das den Menschen sagen wollte, hat er die Arbeitermittelschule besucht und ist Priester geworden. Aus dem gleichen Motiv hat er sich Jungen und Alten zugewendet, mit Vorliebe auch solchen, die nicht besonders nahe bei der Kirche waren. Deshalb sprach er möglichst verständlich, freundlich, oft auch originell, damit sie ihm zuhörten. Und als dann sein besonderes Kommunikationstalent vom ORF entdeckt wurde, eröffnete sich für ihn ein breiteres Spektrum. Gustl Paterno wurde überall bekannt. Insbesondere durch die Radiosendung "Einfach zum Nachdenken" und durch die Fernsehserie "Fragen des Christen" gelangten seine einfachen und doch tiefsinnigen Gedanken in die Wohnstuben und die Herzen vieler Österreicher. Es war lebensnah, was er sagte, und berührte doch die Fragen und Sehnsüchte, die jeder Mensch in sich trägt.

Er war den Menschen zugewandt, was ihm manche Kritik einbrachte, aber auch Türen öffnete. Er hat vielen helfen können, zu denen gewöhnlich kein Priester Zugang hat. Er wurde zu einer Art Kaplan am Küniglberg und in der Argentinierstrasse, kannte viele Journalisten, schrieb später unzählige Kolumnen in Tageszeitungen, hatte mit Künstlern, Wirtschaftsleuten und Personen aus allen Bereichen der Gesellschaft Kontakt; er taufte ihre Kinder, lud manche ein, ihre Ehen in Ordnung zu bringen, half über Krisen hinweg. Er wurde überall eingeladen. In der Raiffeisen fand er in besonderer Weise ein Zuhause.

Sobald er die Möglichkeit dazu hatte, ging er gerne auf den Spuren Gottes auf Erden: Er liebte das Heilige Land und lehrte andere es lieben.

Er hatte ein feines Sensorium für die Nöte der Menschen in Israel, in Palästina, im Osten. Er hat seine Herkunft aus einer Migrantenfamilie nie verleugnet und spürte das Verlangen, das friedliche Miteinander unterschiedlicher Völker und Nationen zu fördern; er versuchte, auf deren Probleme aufmerksam zu machen und Verständnis für sie zu wecken. Er dachte daran, dass sie auch uns zu einer Hilfe werden könnten. So entstand das "Europahaus Pulkau".

Einerseits ist es schade, dass die Eröffnung des frisch fertig gestellten Dachbodenausbaues nicht mehr zusammen mit ihm gefeiert werden kann, andererseits ist es schön, dass das Haus beim Begräbnis gesegnet wird: es ist wie ein Vermächtnis, das er uns hinterlässt, und ein erfüllter Wunschtraum, der ihm noch gegönnt war. Es ist auch ein Zeichen der Liebe und Dankbarkeit seiner Freunde im Pulkauer Kreis, die die Ausführung des Projektes möglich gemacht haben.

Durch seine sehr menschenfreundliche, auch innerkirchlich nie polarisierende und doch auf das Wesentliche ausgerichtete Art hat er viele bei der Behebung schwieriger Situationen und Bedürfnisse zum Mittun gewinnen können. Hervorzuheben sind da zweifelsohne seine Freunde im Raiffeisenverband, die ihn gerade auch in den letzten schweren Jahren seines Lebens mit großer Treue begleitet und besonders gestützt haben.

Gustl Paterno hatte ein weiches Herz, das viel Gutes hervorgebracht hat, ihm aber auch manches Mal zur Gefährdung geworden ist. Was man aber m. E. bei ihm sicher sagen kann, dass er nie jemandem etwas zuleide tun, nie jemandem schaden wollte.

Die letzten drei Jahre sind für ihn sicher unendlich schwere Jahre gewesen: wegen der Krankheit, die nach und nach fortschritt und wegen der Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden.

Es hat mich gefreut, dass ich, als ich ihn vor wenigen Wochen besuchte und seine Krankheit schon unübersehbar ein nahes Ende vermuten ließ, den Eindruck gewann, dass er ruhig, gelassen und froh war. Ich habe das auch von anderen gehört, die ihn in den letzten Wochen betreuten. Als ich sein Zimmer betrat, hatte er den Rosenkranz in der Hand; er war sichtlich erfreut über mein Kommen, wirkte in keiner Weise vergrämt oder verbittert.

Man kann sagen: Er ist in Frieden heimgegangen, mit Hoffnung und Zuversicht im Herzen. Bewusst habe ich als Lesung für diese seine Messe die Stelle vom Propheten Jesaja gewählt, weil ich dachte, dass es in seinem Sinne ist. Da ist vom "Festmahl" die Rede, das der Herr für alle Völker bereitet, auch davon, dass der Herr die Tränen abwischt von jedem Gesicht. Wörtlich heißt es: "Auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir die Hoffnung. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat."

Das scheint mir die Botschaft, die sich mit den letzten Jahren und mit dem Tod Gustl Paternos verbindet. Es ist die Hoffnung auf die rettende Hand des Herrn. Das war es, was er den Menschen im Laufe seines Lebens zu sagen versuchte, das hat er selbst in den Blick genommen, als der Tag seiner Erfüllung nahte.

Wir sollen für ihn beten: Gott danken für alles, was wir durch ihn an Gutem empfangen haben, und Gott bitten, er möge ihm gnädig sein, ihm, der vielen gegenüber barmherzig gewesen ist. Die Fürsprache Mariens, die im Besonderen immer als Mutter der Priester betrachtet worden ist, möge ihm beistehen.