Predigt bei Festmesse im Gedenken an Hl. Josefmaria Escriva

Liebe Brüder und Schwestern! Soeben haben wir das Evangelium vom reichen Fischfang vernommen. Der hl. Josefmaria Escrivá hat dieses Wunder wie selten jemand erlebt: er hat die Mühen der Nacht erfahren. Das Opus Dei hat sehr klein begonnen, in größter Armut und mit vielen Schwierigkeiten. Josefmaria war bei seiner Gründung ein blutjunger Priester, 26 Jahre alt, ohne finanzielle Mittel, ohne Beziehungen; er lebte in einer Diözese, die nicht seine eigene war, und erhielt eine seelsorgliche Aufgabe eher bescheidener Art: er hatte Schwerkranke zu betreuen, die niemand betreuen wollte; er wirkte in den Armenvierteln Madrids, unterrichtete Kinder aus desolaten Verhältnissen. Zu dem, was er selbst als Gründung des Opus Dei bezeichnete, kam es, als er sich an einem Tag von der gewohnten Arbeit in die Stille zurückzog und die verschiedenen Gedanken, die ihm in der letzten Zeit gekommen waren, innerlich durchging. Da kam ihm plötzlich die entscheidende Erkenntnis. Er hat sie später meist so beschrieben: er sah Menschen aus allen Rassen, Angehörige aller sozialer Schichten, die mitten in der Welt lebend Christus mit aller Konsequenz nachfolgen sollten. Das war am 2. Oktober 1928.

Danach begann er junge Menschen um sich zu sammeln: Studenten, Akademiker, Arbeiter, die meisten unverheiratet, manche verheiratete, auch Priester. Er versuchte, ihnen das erkannte Ideal näher zu bringen: Er führte sie auf Wege des Gebetes. Er machte ihnen klar, dass jeder, der Gottes Willen erfüllen will, seine verschiedenen Aufgaben und Pflichten gut wahrnehmen muss, Christsein muss - oder wie er manchmal stärker sagte - ein Christus werden muss, der für die eigene Umgebung zu Salz und Licht wird, für die anderen da ist, die zu Gott, zu Christus führt.

Es entstand ein erstes Studentenheim; es entwickeln sich Freundeskreise in anderen Städten. Bald kam aber der spanische Bürgerkrieg mit seinen furchtbaren Bedrängnissen; er musste aus der roten Zone fliehen. Manche, die mit ihm eng verbunden waren, entfernten sich wieder. Das Studentenheim wurde zerstört.

Das Opus Dei hat sich nach und nach entfaltet. Es kam bald zu größeren Schwierigkeiten, Missverständnissen, Fehlinterpretationen. Manche sagten: wenn einer die Nachfolge Christi so konsequent leben will, wie das Escrivá fordert, dann soll er (sie) einem Orden beitreten. Er wurde sogar als der Häresie verdächtigt im Vatikan angezeigt, weil er behauptete, dass man sich in der Welt heiligen solle… und als manche der jungen Mitglieder des Opus Dei durch eine hingabevolle Pflichterfüllung Anerkennung fanden, begann man zu sagen: Sie wollen gute Positionen haben. Einige engagierten sich, weil das ihr Beruf war, in der Politik, da sagte man, alles wollen sie beherrschen, ohne zu beachten, was der Gründer des Opus Dei immer betont hat, nämlich, dass Politik nicht Aufgabe des Opus Dei ist. Seine Aufgabe ist vielmehr, seine Mitglieder auszubilden, damit sie mit eigener Verantwortung und persönlicher Freiheit ihre Aufgaben in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft wahrnehmen.

Nach Erreichung der kirchlichen Anerkennung durch den Heiligen Stuhl Anfang der 50er Jahre folgte die Ausbreitung des Opus Dei in vielen Ländern der Welt. Viele Mühen stecken dahinter, viel Einsatz, viel Vertrauen in Gott.

Es gibt ein kleines persönliches Erlebnis, das ich nicht vergessen kann. Es war in der zweiten Hälfte der 60er Jahre. Ich studierte damals in Rom und war häufig mit Josefmaria Escrivá, den wir Vater nannten, beisammen. Einmal kamen in einer Karwoche viele junge Menschen, die an Veranstaltungen unter der geistlichen Leitung des Opus Dei teilnahmen, aus der ganzen Welt zu einem Studentenkongress in Rom. Sie wurden auch vom Gründer des Opus Dei empfangen. Ich durfte ihn begleiten und ich bemerkte, dass er - für die anderen nicht hörbar - vor sich hinflüsterte: es ist wie ein Traum. Es war in Erfüllung gegangen, was er am 2. Oktober 1928 gesehen hatte: es kamen Weiße, Schwarze, Menschen aller Hautfarben aus allen Ländern der Erde … Worauf beruht die Wirksamkeit des Opus Dei? Welches waren die Kernpunkte seiner Verkündigung?

Sie sind in den Lesungen angedeutet: In der ersten Lesung aus dem Buch Genesis wird dargelegt, dass Gott den Menschen erschaffen hat, "ut operaretur", damit er arbeite.
Die Arbeit wurde von Josefmaria Escrivá oft als Achse des Strebens nach Vollkommenheit bezeichnet. Es gehe darum, sagte er gewöhnlich, die Arbeit zu heiligen, durch die Arbeit sich selbst und die anderen zu heiligen. Die Arbeit ist, wenn sie gut getan wird, ein Weg zur eigenen Entfaltung, zur Reifung, zur Verbesserung. Den Beruf betrachtete er als Bestandteil der Berufung. Die Arbeit ist zugleich wie der Leuchter, den wir nicht unter den Schemel stellen sollen. Sie ist eine Gelegenheit, um für Gott und die Menschen da zu sein, auch zur Gelegenheit des Apostolates. Die Anderen sollten sehen, dass jemand das Evangelium liest, angezogen werden durch die Art, wie die Arbeit verrichtet wird. Dadurch wird sie zum Anlass der Annäherung an Gott.

Josefmaria Escrivá betonte aber immer, dass das Opus Dei im Wesentlichen ein Weg des Gebetes sei. Das Wichtigste sei nicht die Arbeit, sondern das Gebet. Die Arbeit kann und soll freilich zum Gebet werden. Er sprach von der Notwendigkeit, Jesus mit ins Boot zu nehmen, sich mit Jesus zu vereinen. Darin sah er die eigentliche Grundlage der Wirksamkeit des Christen: Seine Vereinigung mit Christus. Er ist es, der wirkt. Und der Geist Gottes führt zur Vereinigung mit ihm.

Das ist in der zweiten Lesung ausgedrückt: "Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Er tritt für uns ein…Wir wissen, dass Gott bei jenen, die ihn lieben, alles zum Guten führt." Beim hl. Josefmaria war dies spürbar. Er war ein fröhlicher, positiver Mensch, von einem großen Vertrauen in Gott und die Menschen beseelt. Die Verbundenheit mit Christus ist die Grundlage der Gelassenheit, des Friedens und der Freude. Immer gehörte bei Josefmaria aber auch das Bewusstsein dazu, dass die Verbundenheit mit Jesus bewirkt, dass man sich auf den See hinauswagt, mit den Menschen Kontakt sucht, die Netze auswirft, jeder an seinem Platz, an den ihn die eigene Entscheidung und Gottes Fügung hingestellt hat.

Josefmaria bildete oft ein Echo für die Worte Jesu: "Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen". Es ist eine ermutigende Botschaft für uns heute, wobei er immer betonte, dass das Opus Dei in keiner Weise der einzige Weg ist. Christus ist der Weg, verbunden mit ihm gibt es viele Wege, aber er sah die Dringlichkeit zu dienen.

Mein Wunsch wäre es, dass auch in unserer Diözese viele, wir alle ermutigt werden, uns den Herausforderungen der heutigen Zeit zu stellen, und verbunden mit Christus unsere Aufgaben voll Vertrauen wahrzunehmen.