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Predigt bei der Altarweihe in der Kapelle des Klinikums Mostviertel

Liebe Schwestern und Brüder in Christus! Als gläubige Christen versammeln wir uns oft um den Altar. Heute bei der Weihe des neuen Altares wollen wir uns einmal Rechenschaft geben: Was bedeutet denn der Altar in unseren Gotteshäusern? Warum versammeln wir uns um den Altar?

1. Der Altar im christlichen Gotteshaus ist zunächst einmal der Tisch der Gottesdienstgemeinde, der Tisch des Wortes und der Tisch der heiligen Kommunion zur Speise der Christen.
Der Tisch in einem Haus will die ganze Familie sammeln. Aus dem gemeinsamen Essen und aus dem gemeinsamen Sprechen wird die Einheit der Familie stets neu aufgebaut und gestärkt. Wo in einer Familie ein gemeinsamer Tisch fehlt, wo man nicht Zeit findet, miteinander zu essen und zu reden, da wird die Familie in Brüche gehen.
So will auch dieser Altar, der wie ein Tisch dasteht, uns erinnern: Wir gehören als die Familie Gottes zusammen, Arme und Reiche, Gesunde und Kranke. Gott ist der Vater aller und er sammelt uns durch Jesus Christus zu einer Einheit, zu einer wohlwollenden Familie, wo alle miteinander reden, wo alle miteinander gut sind, wo alle miteinander essen können den Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus. An diesem gemeinsamen Tisch dürfen wir die Geheimnisse unserer Erlösung feiern, hier dürfen wir als Gottes Volk, als seine Familie unsere Gaben und Gebete Gott darbringen und unseren gemeinsamen Vater mit dankbarem Herzen loben und preisen auch dann, wenn es uns vielleicht gerade in kranken Tagen schwer fallen sollte.
Obwohl uns hervorragende Ärzte, Schwestern und Pfleger umsorgen, bleibt doch das Wort des hl. Paulus an die Christen von Korinth aus der heutigen Lesung wahr: Die Gestalt dieser Welt vergeht. Wir müssen uns mit dieser Tatsache vertraut machen: Die Gestalt dieser Welt, auch unser irdisches Dasein vergeht. - Das soll uns nicht unglücklich oder traurig machen, denn wir glauben und wissen: Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist in diese unsere Welt gekommen und hat Leiden und Sterben erduldet und zwar zu unserem Heil - propter nos homines.

2. Der Altar in unserer Kapelle ist auch eine Quelle. Irgendwo in Bayern gibt es eine Kirche, eine wunderschöne Wallfahrtskirche. Mitten in dieser Kirche ist eine Quelle. Durch den Altar ist diese Quelle umbaut, aus ihr quillt erfrischendes Wasser in Sprudeln hervor.
So möchte der Altar eine Quelle des Lebens sein. Im Blick auf den Altar müsste bei der gottesdienstlichen Feier wieder alles zu leben anfangen, was an Gutem in uns erstorben ist, und alles sterben, was sich nicht mit dem Leben verträgt.
Sooft wir uns dem Altar nähern, könnten uns zum hl. Geschehen am Altar die Worte Jesu begleiten, die wir heute gelesen, gehört haben. Jesus ging nach Galiläa und verkündete das Evangelium Gottes: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.
Wenn wir uns an dieses Wort Jesu halten, dürfen wir sagen: Vieles, was heute in der Welt noch in Ordnung ist, geht im letzten aus dem Quell Jesus Christus hervor. Um Menschen, die keine Verbindung mehr mit Gott, keine Verbindung mit Christus haben, ist es traurig bestellt. Was dann geschieht, erleben wir schaudernd immer wieder: Untreue, Hass, Terror, Ungerechtigkeit, Korruption, und alle die kleinen Schritte dazu.
In alten Schriften aus der Zeit des Anfangs der Kirche, aus der großen Märtyrerzeit haben wir einen Brief; darin steht dieses kühne Wort, aber das wahre Wort: Wir Christen sind es, die die Welt zusammenhalten; so wie die Seele den Leib, all die verschiedenen Zellen des Leibes zusammenhält, so sind wir Christen es, die die Welt in Ordnung zusammenhalten. Wir Christen brauchen uns nicht verstecken. Denn wir glauben daran, dass uns Christus die Kraft gibt, dass wir selbst auch ein Gesundungsquell für die Welt sind. Das werden wir aber nur sein, wenn wir uns dazu die Kraft vom Altar Christi holen. Das taten auch die Menschen vor uns, die Gott als reife Frucht durch seinen Sohn als Heilige zu sich heimgeholt hat und die wir als unsere Vorbilder und Helfer anrufen können.

3. Der Altar wird schließlich einmal von der Kirche genannt: Christus. Wenn der Priester zum Altar kommt, dann küsst er den Altar. Der Altar ist das Sinnbild, das Symbol für unseren Herrn Jesus Christus. Jesus Christus ist dargestellt durch den Altar als der Hohepriester, der auf dem Altar das Opfer bringt, und als die Opfergabe, die sich an den Vater für uns verschenkt, wenn er am Altar gegenwärtig wird.
Wir dürfen im Altar also Christus selbst sehen; Jesus sagte einmal: "Ich bleibe bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt". Und Jesus sagte auch: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen". Das Sinnbild dafür, dass Christus mitten unter uns ist, und zwar als der Hohepriester, der sich für uns opfert, als die Opfergabe, die in seinem Sterben sich an den Vater verschenkt für uns, das ist der Altar.
Wenn Jesus Christus sich am Kreuz und am Altar dem Vater zum Opfer für uns darbringt, können und sollen auch wir unsere eigenen Opfer mitbringen in die Kirche, und sie im Geiste auf den Altar legen, unsere Sorgen und Leiden, aber auch unsere Freuden und Erfolge.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Wenn wir beim Anblick des Altares gläubig erkennen und bekennen, dass Christus als der Versöhnende unter uns ist, der uns versöhnt mit seinem Vater durch seine Hingabe des Lebens und der uns untereinander versöhnt, was immer gewesen sein mag, dass wir einander wieder wie Brüder und Schwestern lieben, dann ist dieser Altar etwas, was eigentlich durch nichts ersetzt werden kann. Denn Christus ist unersetzlich.
Sehen wir, Sie und ich, den Altar an als die Quelle unseres Lebens. Betrachten wir ihn immer als das Symbol Christi. Lassen wir uns aufrichten am Altar, denn Gott will uns hier am Tisch des Gottesvolkes nähren mit dem leib und dem Blut unseres Herrn Jesus Christus.
So bleibt mir noch die Bitte: Freuen wir uns alle über den Altar, freuen wir uns bei unserer Versammlung zur Eucharistiefeier auf dem Altar! Über den Altar soll Gottes Segen hineinströmen in unser persönliches Leben, in unsere Familien und in unser Berufsleben. Denn an Gottes Segen ist noch immer alles gelegen.