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Predigt am Fest des hl. Leopold in Klosterneuburg (im Wortlaut)

Liebe Brüder und Schwestern! Auch wenn der hl Leopold in einer ganz anderen Zeit und unter ganz anderen Verhältnissen gelebt hat, ist er mit seiner aufrichtigen Gläubigkeit, mit seiner Umsicht und Klugheit doch auch heute ein gültiges Vorbild. Und es ist gut, dass wir an seinem Festtag hier versammelt sind. Es ist unser Festtag, denn wir sind dankbar für das Land in dem wir leben dürfen, und für das Erbe, das wir von unseren Vorfahren empfangen haben. Es ist nicht selbstverständlich, dass es uns so gut geht und dass die Verhältnisse, in denen wir leben, so geordnet sind. Das ist die Frucht einer Kultur, die im Laufe von Jahrhunderten gewachsen ist; die Frucht der Arbeit, des Einsatzes, des Lebens vieler Menschen, die sich den Herausforderungen der jeweiligen Zeit gestellt und sich als Christen bewährt haben. Bei vielen von ihnen war der christliche Glaube die tragende Kraft.


Vermutlich ist es gerade deshalb so, dass wir uns heute geordneter Verhältnisse erfreuen können, weil unser Land eindeutig christlich geprägt ist. Das macht uns dankbar gegenüber dem hl. Leopold und vielen anderen, die wie er zur Schaffung der heutigen Gegebenheiten beigetragen haben.


Der christliche Glaube ist auch mit dem Blick auf die Zukunft die Grundlage der Zuversicht. Vielleicht mag es manchen einfältig vorkommen, aber ich bin davon überzeugt: Nur wer auf Gott baut, wer letztlich als Grundlage des Handelns die Gebote Gottes hat, d.h. ehrlich ist, arbeitsam, nicht nur an sich selbst und den eigenen Vorteil denkt, findet den Weg zu einem dauerhaften Wohlergehen. In der zweiten Lesung hörten wir die Worte des hl Paulus: "Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt." Das erweist sich immer wieder als wahr. Zugleich regen sich vielleicht gerade in diesen für eine gute Zukunft grundlegenden Zusammenhänge gewisse Ängste in unserem Inneren.


Ich denke manchmal an ein Gespräch, das schon einige Jahre zurückliegt. Es war kurz vor dem politischen Umbruch, der sich in unseren damals noch kommunistischen Nachbarländern bereits abzeichnete. Ein ungarischer Priester befand sich auf einer Durchfahrt in die Schweiz und wollte mit mir sprechen. Er hatte von Ungarn aus die Turbulenzen beobachtet, die uns damals in der Kirche in Österreich zu schaffen machten. Er sagte zu mir: "Den kommunistischen Materialismus haben wir mit mehr oder weniger großen Verlusten überstanden. Wir haben wenig, sind arm, aber wir sind doch christlich geblieben. Jetzt öffnen sich die Grenzen und lockt der Wohlstand. Ob uns jetzt der praktische Materialismus des Westens ganz erfassen wird? Ich fürchte, dass ihm zu widerstehen schwieriger sein wird." - Ich gab ihm recht im Sinne, dass die von ihm erkannte Gefahr nicht zu unterschätzen ist, weil diese Art des Materialismus fast unbemerkt durch die Poren aller Menschen, auch der Gläubigen eindringt.


Uns stellt sich schon die Frage: werden wir die christliche Kultur in unserem Land bewahren können? Oder wird der praktische Materialismus derart überhand nehmen, dass Egoismus, der eigene Vorteil, persönliche Machtgelüste oder andere Gelüste einzelner oder bestimmter Gruppen zu den Dominanten einer dekadenten Gesellschaft mit entsprechenden Folgen werden?


Das Gleichnis vom Mann vornehmer Herkunft, der seinen Dienern vor seiner Abreise in ein fernes Land sein Geld anvertraut und später von ihnen Rechenschaft fordert, scheint mir durchaus passend. Wir dürfen das Erbe, das wir empfangen haben, nicht verkommen lassen. Dabei ist ein passives Verhalten, das sich darauf beschränkt, nichts Böses zu tun, zu wenig. Initiative ist nötig. Das gilt für viele, fast alle Bereiche. Wenn eine Familie eine christliche Familie sein und bleiben möchte, muss sie sich überlegen. was sie tun, was sie vermeiden muss, um das zu erreichen. Wenn jemand seinen beruflichen Aufgaben nachkommen und sich als Christ der Verantwortung stellen will, wird er oder sie sich fragen müssen, was vor Gott richtig ist, was er verantworten kann, was nicht. Auch die wirtschaftspolitischen Herausforderungen müssen erkannt und erkämpft werden. Wir Christen müssen aufwachen. Da sind zu wenig Kinder? So viele Ehen, die scheitern? Was tun wir, um diese Situation zu verändern? Die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen könnte einen positiven Einfluss haben. Es wird aber auch notwendig sein, entschieden für die Familie, insbesondere für die kinderreiche einzutreten. Wer die Familie liebt, sollte ermutigt werden, sich ihr zu widmen. Da sind nicht wenige, die dem Leistungsdruck nicht standhalten, Konsumhaltungen, die schädlich sind? Viele Depressionen, die entstehen? Wir werden uns fragen müssen: Wo könnte man ansetzen? Wie könnte man helfen? Persönlich werden wir damit beginnen müssen, dass wir in unserer eigenen Lebensgestaltung entsprechende Prioritäten setzen und in unsere eigene Umgebung positiv einwirken, soweit uns dies möglich ist. Passiv dürfen wir nicht bleiben.


Der hl Leopold möge uns eine Vorbild und ein Fürsprecher sein, damit wir in der heutigen Zeit uns als Christen erweisen, die ihre Aufgaben erkennen und ihnen entsprechen, sodass die christliche Kultur nicht nur irgendwie bewahrt, sondern auch heute aufs neue zum Wohle der Menschen fruchtbar gemacht wird.