Pfarrhof Raabs rüstet zur Landesausstellung 2009

Eine Landesausstellung "im Herzen Europas" will die kommende Landesschau 2009 werden. Sie stellt die Geschichte der Grenzregionen Österreichs und Tschechiens mit ihren vielfältigen historischen und kulturellen Verbindungen in den Mittelpunkt. Eine besondere Bedeutung erhält in dieser ersten grenzübergreifenden Landesausstellung der Pfarrhof Raabs, auch "Lindenhof" genannt. Mit über 2.200 Quadratmeter Nutzfläche ist er als Ausstellungsort in dieses Projekt mit einbezogen. Land, Pfarre und Diözese bereiten sich schon emsig auf dieses regional und international einzigartige Ereignis vor. Die Umbauarbeiten im Pfarrhof Raabs, dem größten Pfarrhof der Diözese, laufen auf Hochtouren. Bis Ende des Jahres soll der Großteil der baulichen Sanierungsarbeiten erledigt sein, versichert der Direktor des Diözesanbauamtes, DI Wolfgang Pfoser.
Die Kosten werden sich für die baulichen Adaptierungsarbeiten sowie die umfangreichen Maßnahmen im Außenbereich auf insgesamt 4,8 Millionen Euro belaufen. Die Finanzierung erfolgt maßgeblich über das Land NÖ, weiters über die Gemeinde, die Diözese, die Pfarre und das Bundesdenkmalamt. Für die Arbeiten wurden vor allem Betriebe aus den näheren Umgebung herangezogen. Darüber hinaus ist eine langfristige touristische, kulturelle und religiöse Nachnutzung vorgesehen, die für den Ort selbst wie auch für die Umgebung von Nutzen ist. "Das Haus soll nach der Landesausstellung in erster Linie ein pastorales und kulturelles Zentrum der Region sein und bleiben", zeigt sich DI Wolfgang Pfoser überzeugt.
Neben der pfarrlich-pastoralen Nutzung im Erdgeschoß, vornehmlich für die Pfarrjugend und für weitere Veranstaltungen wird ein "Internationales Zentrum für Übersetzung und Literatur", das sich vornehmlich mit der deutschen und slawischen Sprachkultur befasst, in den Lindenhof einziehen.
Neben der Pfarrhofsanierung wird vom Bauamt der Diözese auch die Fassade der Pfarrkirche saniert sowie die Kirchhofmauer gefärbelt und aufgefrischt.

Der Lindenhof selbst ist eine bis ins Mittelalter zurückreichende Anlage, die immer wieder erweitert und ergänzt wurde. Größere Veränderungen gab es um 1600 sowie nach den Bränden von 1654 und 1718. Für die Landesausstellung im kommenden Jahr soll in Raabs vor allem der Aspekt der "Grenze" gezeigt werden. Darunter ist die physische Grenze ebenso gemeint wie das Leben an und mit der Grenze, die Österreich und Tschechien lange Zeit getrennt hat, aber auch die ideologischen Grenzen in den Köpfen der Menschen, Ideologien und Symbole. Die Bereiche Mystik und Religion finden in Raabs ebenso ihre Berücksichtigung.

Die im Ostteil des Lindenhofes gelegenen Amtsräume sowie die Wohnung des Pfarrers sind sowohl während der Umbauzeit als auch nachher wie bisher benutzbar. Diese Sanierung mit anschließender Landesausstellung sei "sowohl für die Pfarre und Diözese eine große verwaltungstechnische Herausforderung", erklärt Baudirektor Wolfgang Pfoser. Die gemeinsame öffentliche und pfarrliche Nutzung sei für alle Beteiligten eine "win-win" Situation, die auch der Region zugute komme, ist er überzeugt.