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Pastoraltheologin Widl: Kirche in Umbruchssituation

Glauben und Verkündigung stünden heute in einer „doppelten Umbruchssituation“, wie die Prof. Dr. Maria Widl von der Universität Erfurt bei einem Vortrag im Rahmen der Priesterfortbildung der Diözese St. Pölten erklärte. Einerseits gehe die Volkskirche „schrittweise zu Ende“, so die aus Österreich stammende Pastoraltheologin. Andererseits werde die nach dem Konzil entstandene Gemeindekirche „nicht ausrechend tradiert“. Die Kirche werde nicht mehr aus Christenpflicht oder Gemeinschaftssinn aufgesucht, „sondern nur, wenn sie etwas spezifisch Gutes zu bieten hat“.

Die Volkskirche, in die alle Lebensvollzüge „von der Wiege bis zur Bahre“ eingebettet sind, sei selbst in ländlichen Gebieten kaum noch vorhanden, analysierte Prof. Widl. Das Gemeindemodell, das nach dem Konzil entstanden war, habe nur eine Generation lang funktioniert. Die Konzilsgeneration habe es sich in den von ihr geschaffenen Gemeindestrukturen „wie in einem Hobbyclub gemütlich gemacht“ ohne darauf zu achten, die Angebote auch für nachkommende Generationen offen und ansprechend zu gestalten. Durch diese „Tradierungskrise“, so Widl, befinde sich die Gemeindekirchlichkeit seit den 90er-Jahren im Niedergang. Außerdem sei die Gemeindeidee „nicht katholisch“, betonte die Pastoraltheologin: „Ortskirche ist nicht die Pfarre sondern die Diözese.“

Die postmoderne Kultur suche das Christsein nicht in der Kirche, sondern im Leben, was dem kirchlichen Selbstverständnis des Konzils durchaus entspreche, wie Prof. Widl betonte: „Das Wesen der Kirche ist ihre Sorge um die Menschen, und das Wesen des Volkes Gottes ist es, als Laien die Welt zu heiligen.“ Die „zentrale Konsequenz“ für heute sei die „Qualitätserwartung“ der Menschen. Diese würden sich sowohl auf den Inhalt als auch auf den Stil von Pastoral und Verkündigung beziehen, erklärte Widl. Dabei müsse sich die Kirche keineswegs beliebig anpassen, sondern „das ihr Eigene der Zeit entsprechend gestalten“.

So sollten sich Pastoral und Verkündigung „respektvoll“ über die Lebensthemen und ihre gesellschaftliche Bearbeitung informieren und „wirksame Hilfe erschließen“, wo sie nötig sei, führte die Pastoraltheologin aus. Weitere Schlüsselthemen seien die Förderung der Charismen für den „Aufbau des Reiches Gottes im Alltag“, die Entwicklung der prophetischen Seite der Kirche sowie die Erschließung christlicher Glaubensthemen als „relevant und bedeutsam inmitten einer säkular denkenden Welt“.