Pastoralkonzept: Pfarren sollen bestehen bleiben

"Wenn nicht unbedingt notwendig, werden Pfarren nicht aufgelöst", bestätigt Generalvikar Msgr. Leopold Schagerl gegenüber dem Pastoralrat der Diözese St. Pölten bei dessen Sitzung am 16. Mai. Im Rahmen der pastoralen Beratungen gab Schagerl einen aktuellen Zwischenbericht über den aktuellen Stand in der Diskussion des neuen Pastoralkonzeptes. Der Generalvikar betonte, dass im Vordergrund der Beratungen die pastoralen Anliegen und Ziele stünden und erst in zweiter Linie organisatorische Überlegungen, vor allem angesichts des zunehmenden Priestermangels. So sollen die Sonntagsgottesdienste auch künftig "in zumutbarer Nähe" sein. Wert soll vor allem auch auf das gesamte sakramentale Leben und auf die religiöse Bildung gesetzt werden. Schagerl erklärte, dass auch die ohnehin vorhandenen Ressourcen genützt werden sollen. "Es muss nicht überall alles sein" meinte er und verwies auf die Angebote der zahlreichen Stifte, Jugendhäuser und Wallfahrtsorte in den Regionen der Diözese.

Strukturen der Zusammenarbeit

Auch wenn Pfarren, in denen religiöses Leben bestehe und sich entfalte nicht aufgelöst werden, müssen sich dennoch Strukturen in der Zusammenarbeit mehrerer Pfarren entwickeln. Man müsse überlegen, so der Generalvikar, welche Strukturen angesichts des zunehmenden Priestermangels noch möglich und auch vertretbar seien.
Bischof DDr. Klaus Küng ergänzte, dass ein wesentliches Konzept künftig die Gemeindeentwicklung sein werde. "Es geht nicht nur um Aufrechterhaltung des Vorhandenen, sondern um Entwicklung", sagte er. Überall in der Diözese gebe es "Menschen guten Willens", die es zu wecken gelte, wies der Bischof auf die Mitarbeit der Laien hin. "Die persönliche Seelsorge halte ich für äußerst wichtig", unterstrich er und hob dabei die "harmonische Zusammenarbeit zwischen Priestern und Laien" hervor. Allerdings sei "jede Veränderung einer lang gewachsenen Struktur sehr mühsam", auch wenn angesichts der immer dramatischer werdenden Situation dringender Handlungsbedarf bestehe. "Die größere Sorge ist, dass der Glaube, Gott und das Gebet wieder entdeckt wird. Das braucht eine gewisse Beweglichkeit nicht nur der Priester, sondern auch der Gemeinde".

Schwerpunkt Familie

In einem weiteren Punkt der Beratungen informierten Mag. Anton Zehetgruber und Mag. Eva Lasslesberger über die Familienpastoral und den Katholischen Familienverband der Diözese. In Arbeitsgruppen wurden die Herausforderungen und Umsetzung der Familienarbeit für die Pfarren nach den Gesichtspunkten Bildung, Seelsorge, Hilfen und politische Aktion überlegt.
Die dargelegten Anregungen stellen eine gute Grundlage für die Weiterarbeit dar und sollen im Pastoralrat auch weiter behandelt werden, erklärte der Bischof und betonte, dass die Zukunft der Kirche über die Familien gehe. Er regte an, "eine Art Direktorium" zu erstellen, das die Familien in ihren pfarrlichen und überpfarrlichen Beziehungen stützen soll.