Original oder Kopie? - Altenburger Hochaltar-Bozzetto von Troger?

Mit einem kunsthistorischen Schmankel kann die derzeit laufende Ausstellung "Original. Kopie? Der Trogerschüler Johann Jakob Zeiller" im Stift Altenburg aufwarten. Ein bislang unbekanntes Bozzetto für den Hochaltar des Stiftes konnte kurz vor der Ausstellung erworben werden. Offen ist, ob es vom Meister selbst oder einem seiner Schüler stammt. Mit Hilfe der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich ist es gelungen, ein besonderes Ölbild im Wiener Dorotheum zu ersteigern: Das Bild stammt laut Gutachten von Paul Troger und zeigt die Himmelfahrt Mariens. Es ist 87,5 x 50 cm groß, Öl auf Leinwand auf Spanplatte und gerahmt. Es stammt aus französischem Privatbesitz.

Dieses Bozzetto zum Altenburger Hochaltar von Paul Troger unterscheidet sich zur Skizze, die seit 1975 im Besitz des Stiftes ist, nur in einem einzigen Detail: anstelle des Klosterpatrons von Altenburg, des hl. Lambert von Maastricht, steht ein nicht definierter Apostel am leeren Grab der Gottesmutter. Alle anderen Personengruppen und Engel, selbst die Stifterin des Klosters Altenburg, Hildburg von Poigen, hat in ihren Händen die Rosen aus dem Altenburger Stiftswappen.

Original oder Kopie?

Die Diskussion unter den Kunsthistorikern über das bis dato unbekannte Bozzetto hat bereits begonnen. In der Sonderausstellung werden die beiden Bilder einander gegenübergestellt.
Offen ist, ob das Bild eigenhändig vom Meister Paul Troger oder von einem Schüler stammt, der sich zum Erlernen seines Handwerks als "Kopierer" betätigte und diese besinders gelungene Kopie auch schon damals - im 18. Jahrhundert - an Sammler verkaufte.

Die Jahresausstellung in Altenburg bietet einen Einblick in die Entwicklung und Werkstatt eines Trogerschülers. Sie ist bis 1. November täglich von 10 - 17 Uhr in den Kaiserzimmern des Stiftes und im Vestibül der Bibliothek und in der "schönsten Bibliothek des Klösterreich" zu sehen.

Leben und Wirken Johann Jakob Zeillers

Johann Jakob Zeiller wurde am 8. Juli 1708 in Reutte in Tirol geboren. Nach seiner Ausbildung in Rom, Neapel und Wien kam er 1733 als "socius" Paul Trogers nach Altenburg. Über ein Jahrzehnt hin begleitete der zehn Jahre jüngere Kollege den großen Freskanten und arbeitete, teilweise in sehr selbständiger Form, an allen großen Projekten mit. Mit der Ausstattung des Altenburger Bibliothekstraktes ab 1742 gelang es Zeiller erstmals, eigene Werke denen seines Lehrers gegenüberzustellen. Die in Altenburg gewonnenen Erfahrungen nutzte der später vor allem im süddeutschen Bereich tätige Maler, indem er gerne Figuren aus Gemälden Trogers "borgte", um sie in eigenen Arbeiten in neuen Kontext zu setzen.

Die Ausstellung möchte sich nicht nur auf den Altenburg-Bezug des Freskomalers Johann Jakob Zeiller beschränken, sondern auch die Rolle von Zitaten und Kopien in der barocken Praxis der Malerei beleuchten. Das Übernehmen von nicht selbst erfundenen Bildteilen in eigene Werke als typische Vorgehensweise Zeillers eignet sich, einen Blick auf die Malerausbildung des 18. Jahrhunderts zu werfen.
Andererseits erläutert die Schau beispielhaft die Krise der barocken Wandmalerei im Kontext der beginnenden Aufklärung; der Umstand, dass ein Großteil von Zeillers Zeichnungen kurz nach seinem Tod verheizt wurde, zeigt deutlich, dass die Malerei, wie Zeiller sie als junger Maler im Hochgefühl einer barocken Euphorie erlebt und erlernt hatte, am Ende seines Lebens ihre Bedeutung eingebüßt hatte.