Organtransplantation: "Ein unermessliches Geschenk"

Einen Dankgottesdienst mit Diözesanbischof DDr. Klaus Küng veranstaltet die Selbsthilfegruppe Niederösterreich des Verbandes der Herz- und Lungentransplantierten am 1. Juni, dem "Tag des Lebens", im Dom von St. Pölten. Konzelebrant ist P. Franz Helm SVD, der selbst lebertransplantiert ist. Bei einer anschließenden Agape soll die Begegnung zwischen Transplantierten und Angehörigen der Organspender möglich sein.

"Wir haben ein unermessliches Geschenk bekommen", erklärte Maria Balogh, lungentransplantierte Koordinatorin der Selbsthilfegruppe, bei einer Pressekonferenz in St. Pölten. "Die Dankbarkeit ist größer, als man sich vorstellen kann." Der Gottesdienst sei eine Möglichkeit, die Dankbarkeit gegenüber den anonymen Spendern und auch Gott gegenüber zum Ausdruck zu bringen. "Ich bin ein religiöser Mensch, und der Glaube hat mir bei der Bewältigung der Transplantation sehr geholfen", betonte Balogh. "Aber auch für nicht so gläubige Menschen ist der Gottesdienst eine Möglichkeit, in der Gemeinschaft ihre Dankbarkeit gegenüber den Spendern und ihre Solidarität mit deren Angehörigen auszudrücken."

Durch den großen medizinischen Fortschritt in der Transplantationschirurgie erwarteten die meisten Menschen, "dass alles ohne Probleme vor sich geht", falls sie einmal von einer Transplantation betroffen sein sollten, berichtete Univ. Prof. Dr. Walter Klepetko von der Herz- und Thoraxchirurgie der Universitätsklinik Wien. "Dem ist aber nicht so, denn ohne Organspender gibt es keine Transplantation."
Rund 1.000 Menschen warten derzeit in Österreich auf ein neues Organ. Aufgrund der Widerspruchsregelung als gesetzliche Basis für die Organentnahme stehen in Österreich mehr Organe für Transplantationen zur Verfügung als in anderen europäischen Ländern, etwa in Deutschland. Dennoch versterben ca. 20% der Patienten, die auf einer Warteliste stehen, vor der Transplantation. "Unser Anliegen ist es, auf diese Situation aufmerksam zu machen und auf diese Weise einen Beitrag zu Verbesserung der Lage zu leisten", so Balogh.

2007 wurden 181 Organspender gemeldet und in der Folge auch explantiert. "Dies bedeutet gegenüber 2006 jedoch einen Rückgang der Anzahl von Organspenden um 10%, wodurch auch entsprechend weniger Transplantationen durchgeführt werden konnten", erklärte der emeritierte Primarius und Transplantationsreferent Dr. Walter Löffler. Niederösterreich liegt im nationalen Vergleich an vorletzter Stelle bezüglich vorgenommener Organentnahmen. Eine angestrebte und realistische Zahl seien 30 Spender pro Million Einwohner. Davon sei jedoch gerade Niederösterreich mit 8,8 Spendern pro Million noch weit entfernt. "Es zeigt sich also, dass in Niederösterreich ein dringender Handlungsbedarf besteht, das Organaufkommen zu erhöhen", betonte Löffler.

Dafür sei Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung wie auch in den Krankenhäusern notwendig. Der Großteil der Organentnahmen erfolge postmortal, wobei das Kriterium der irreversible Hirntod sei, so Univ. Prof. Klepetko. Nur bei einem geringen Prozentsatz von Transplantationen werde Gewebe oder Teile von Organen lebenden Personen entnommen, wobei es sich hier fast ausschließlich um enge Angehörige handle. Für Krankenhäuser gelte es Anreize zu schaffen, mehr Organentnahmen durchzuführen, da solche Explantationen zusätzliche Arbeit mit großem Aufwand bedeuteten, die besonders kleinere Krankenhäuser oft überforderten, wie Klepetko ausführte.

Österreichischer Verband der Herz- und Lungentransplantierten
Selbsthilfegruppe Niederösterreich