Organspende: "Eine Tat christlicher Nächstenliebe"

Als "eine Tat christlicher Nächstenliebe" wurde das freiwillige Spenden von Organen für Transplantationen bei einer Informationsveranstaltung an der Philosophisch-theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten bezeichnet. Prim. Dr. Albert Reiter, Intensivmediziner am Landesklinikum Amstetten, und der Ethiker Doz. Dr. Josef Spindelböck erklärten Rahmenbedingungen und Vorgangsweise bei Organspenden in Österreich.

"Die Wirklichkeit des Todes übersteigt, was wir messen können", erklärte Bischof DDr. Klaus Küng in seiner Wortmeldung. Die Zerstörung der leib-seelischen Einheit, die aus christlicher Sicht den Tod bedeutet, sei mit dem Hirntod jedoch sicher gegeben. Es sei daher "große Wachsamkeit" notwendig, dass die geltenden Kriterien zur Feststellung des Hirntodes nicht aufgeweicht werden, betonte Küng. Organspenden seien medizinische Gratwanderungen, die nicht einfach seien. "Wir müssen uns auch bewusst sein, dass unser Leben begrenzt ist, und dazu ja sagen", so der Bischof.

Schwer kranke Patienten warten oft verzweifelt auf ein passendes Organ, berichtete Dr. Reiter: "Und sie wissen, dass ein Mensch dafür sterben muss." Derzeit warten in Österreich 828 Patienten auf die Transplantation einer Niere, 39 auf ein Herz, 108 auf eine Leber. Die Wartezeit - für eine Nierentransplantation durchschnittlich 14,9 Monate! - sei psychisch sehr belastend und konfrontiere die Patienten mit existentiellen Fragen, erklärte Reiter.

"Die Bereitschaft zur Organspende kann aus der Sicht christlicher Ethik eine Tat der Nächstenliebe sein", sagte Dr. Spindelböck und erläuterte die Kriterien für die ethische Vertretbarkeit: Oberstes Gebot sei die Freiwilligkeit, da der Spender "auf einen Teil von sich selbst verzichtet", was eine Einschränkung seiner Integrität bedeute. "Die Freiheit der Zustimmung muss Beachtung finden", so der Ethiker.
Deswegen sei es auch notwendig, die Bevölkerung auf die Möglichkeit einer Eintragung in den "Widerspruchsregister" hinzuweisen, was eine Organentnahme bei einem eventuellen Hirntod verhindert. Ebenso seien auch Widersprüche Angehöriger zu berücksichtigen, die den "mutmaßlichen Willen" des Hirntoten ausdrückten, betonte Spindelböck. Wie Dr. Reiter erklärte, entspreche dies ganz der aktuellen Vorgangsweise in Österreich. Auch die psychologische Betreuung der Angehörigen sei ein wichtiger Bestandteil der Praxis.

Freiwillige Spender wirken Organhandel entgegen

Einer Kommerzialisierung des Organhandels sei energisch entgegenzutreten, betonten Spindelböck und Reiter einstimmig. Geschäftliche Interessen würden den Menschen "zur Sache und zur Ware erniedrigen", so Spindelböck. Wie auch Dr. Reiter erklärte, würde die Gefahr der Kommerzialisierung umso geringer werden, "je mehr Menschen sich freiwillig zur Organspende bereit erklären".

Schließlich sei die Sicherheit der Todesfeststellung eine Grundbedingung. Es sei "nicht Sache der Kirche festzustellen, wann der Tod eingetreten ist", führte Spindelböck aus, die Definition des Hirntodes stehe der katholischen Glaubenslehre jedoch nicht entgegen. Dr. Reiter erklärte, dass der Hirntod der "Individualtod" und irreversibel sei. Wie Reiter unterstrich, müssten für eine Organentnahme alle Kriterien des Hirntodes erfüllt sein. Weiters müssten zwei erfahrene Fachärzte, die keinerlei Bezug zur Transplantationsmedizin haben dürften, den Hirntod feststellen. "Bis zum definitiven Hirntod muss noch alles gemacht werden, um den Patienten zu retten", so Reiter. Den Angehörigen werde auch genügend Zeit gegeben, sich "in Ruhe und Würde" vom Verstorbenen zu verabschieden.

Foto:Prim. Dr. Albert Reiter, Doz. Dr. Josef Spindelböck, Prof. Dr. Thomas Heinrich Stark