Organspende - eine Herausforderung für die Krankenseelsorge

Corinna ist eine von über 800 Patienten in Österreich, die auf eine Spenderniere warten. Doch bis es soweit ist, muss sie dreimal wöchentlich für viereinhalb Stunden zur Dialyse in die Klinik. Die Zeit des Wartens ist sehr belastend. Das weiß auch Maria, die vor zwei Jahren eine Spenderlunge erhalten hat. "Tag für Tag zwischen Hoffnung und Angst leben hat auch meine Familie sehr mitgenommen" erinnert sich die zweifache Mutter. Mit solchen Beispielen waren die Krankenhausseelsorger und -seelsorgerinnen bei ihrer diesjährigen Tagung im Landesklinikum Mostviertel in Amstetten konfrontiert. Prim. Dr. Albert Reiter, Vorstand der Intensivmedizin in Amstetten und Transplantationsreferent für Niederösterreich erklärte eindringlich die Problematik von Transplantationen zwischen Empfänger, Spender und Angehörige.

In Österreich ist es rechtlich möglich, Verstorbenen Organe zu entnehmen, wenn diese vor ihrem Tod dies nicht ausdrücklich untersagt haben. In der Praxis, so Intensivmediziner Reiter, werde darüber grundsätzlich immer mit den Angehörigen gesprochen. Und auf den Folien seines Vortrages über die Organtransplantation steht der Satz "Don’t take your organs to haven - haeven knows, we need them here" (Nimm deine Organe nicht mit in den Himmel - der Himmel weiß, wir brauchen sie hier) - eine Grundhaltung, die er immer wieder auch den Angehörigen von Spendern nahe bringen will. Er weist auf zwei Teilnehmer hin: "Beide Patienten, die heute hier sind und mit einer Spenderlunge leben, könnten dies nicht, wenn es keine Transplantation gegeben hätte" und erinnerte an eine Tagung mit Kardinal König im Jahr 1998 wo dieser die Organtransplantation als "wertvollen Akt der Nächstenliebe" bezeichnet hatte. Auch die evangelische Kirche sieht in der Transplantation ein "berührendes Beispiel der Mitmenschlichkeit" und selbst das jüdische Gesetz wie auch die islamische Glaubensgemeinschaft erkennen darin einen hohen Stellenwert.

An das Leben denken
Solange es möglich ist, gelte es das Leben zu erhalten. Wenn aber ein Weiterleben als unmöglich gilt, "müssen wir an jene denken die ohne Spenderorgane nicht leben können", so Reiter. Die Kriterien seien streng. Erst wenn nach Untersuchungen und Kontrollen durch Experten, dem Hirntoddiagnostikteam aus Wien, - der Hirntod festgestellt ist, dürfen Organe entnommen werden. Dies geschehe aber "nicht ohne Zustimmung der Angehörigen", unterstreicht Reiter.
In Hinblick auf die Warteliste sei die Entwicklung an Spenderorganen bereits dramatisch, bedauert der Experte. Gab es in Österreich vor einem Jahr noch 167 Organspender, waren es heuer 147. Hier gelte es, in der Bevölkerung das Bewusstsein für Organtransplantationen zu schärfen, wies er hin. Noch gebe es ein großes Informationsdefizit, da über den Tod kaum gesprochen werde. Auch für die Angehörigen bedeute es in der konkreten Situation eine hohe psychische Belastung, über Organentnahmen zu reden.

Infoabend
Organspende - eine Tat christlicher Nächstenliebe?
Informationsabend mit Primar Dr. Albert Reiter, Intensivmediziner Amstetten, einer Patientin mit Organtransplantat und Dr. Josef Spindelböck, Dozent für Ethik, St. Pölten.
Am 20. November, 19 Uhr bis 21 Uhr
in der Aula der Phil.-Theol. Hochschule St. Pölten, Wienerstraße 38