Offene Räume durch die "Gastlichkeit Gottes"

Das Konzept der "Gastlichkeit Gottes" als Chance der Verständigung zwischen Religionen und Völkern erklärte Univ.Prof. DDr. Kurt Appel bei einer Gastvorlesung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten am 13. November. "Dialog ist nicht das Höchste, sondern die Ethik der Gastlichkeit", betonte der Wiener Fundamentaltologe.

Es gebe Grenzen des Dialoges, der ohnehin oft nur aus "zwei Monologen" bestehe, so Prof. Appel. Es gebe jedoch keine Grenzen des "Gastes". Der Ethos der Gastlichkeit sei ein Ethos der Offenheit. Der Gast gehöre nicht zu meiner Welt, sei aber auch kein Fremder. Das Konzept der Gastfreundschaft ziehe demnach keine Grenzen, so Appel, sondern öffne neue Räume. Die Bibel sei auch die Geschichte einer Gastfreundschaft, führte Prof. Appel aus: So sei Gott Gastgeber in zweifacher Bedeutung: Er sei Gott, der uns einlädt, aber auch Gott, "der sich uns als Gast gibt".

Auch bei Jesus gehe es immer wieder um Gastfreundschaft: Etwa in der Emmausgeschichte, als die beiden Jünger Jesus zum Bleiben einladen - ohne zu wissen wer er sei - und schließlich beim Brechen des Brotes selbst "Gäste ihre Gastes" werden. "Wirklich geistige Begegnung lebt nicht von der Identifikation des Gegenübers, sondern aus Vertrauen", betonte Appel. Es gehe darum, Menschen als Gabe des Geistes aufnehmen zu können, ohne sie zuerst als Juden, Moslems etc. zu identifizieren.

Foto: Univ. Prof. DDr. Kurt Appel (re.) im Gespräch mit Rektor Prof. Dr. Josef Kreiml (li.)