"Nicht von Faszination an der technischen Machbarkeit blenden lassen!"

Es dürfe nicht so weit kommen, dass die Menschen angesichts der Faszination an der technischen Machbarkeit in der Medizin blind werden für die Würde des Menschen. Das betonte Bischof Klaus Küng in einer Stellungnahme zur politischen Einigung des EU-Ministerrats vom 24.Juli 2006, wonach die Europäische Gemeinschaft die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen fördern wird.
Foto: Aktion Leben(c)Es gelte die Tragweite dieser Entscheidung zu erkennen, mahnte Küng. "Ich möchte den Appell der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft verstärken, die sich an alle europäischen Mitbürgerinnen und Mitbürger und insbesondere die Katholikinnen und Katholiken wendet, sich den anthropologischen Zusammenhang dieser Debatte über die Menschenwürde bewusst zu machen", sagte der Bischof und betonte erneut: "Jedes menschliche Leben beginnt mit der Empfängnis, bedarf besonderen Schutzes und darf niemals zu Labormaterial instrumentalisiert werden."

Küng: "Nicht blind werden
für die Unantastbarkeit der Menschenwürde"

"Ich anerkenne den Beitrag, den Wissenschaft und Forschung zur Verbesserung der Lebensqualität leisten - etwa im Bereich der Gesundheit, wo die Bemühungen der Suche nach neuen therapeutischen Möglichkeiten gelten. Es besteht allerdings die Gefahr, dass wir uns von der Faszination an der technischen Machbarkeit, besonders im Bereich der Biomedizin, blenden lassen. Wir dürfen nicht blind werden für die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die letztlich darin begründet ist, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist", sagte der Bischof.

Die Europäische Grundrechtecharta stellt in Artikel 1 fest: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen." Wie die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft COMECE bereits festgestellt habe, stehe die Entscheidung des EU-Ministerrats, die einen Eingriff in die Würde des Menschen zu Beginn seiner Existenz impliziert, im krassen Widerspruch dazu, meinte Küng. Der Beschluss, dass der erste Forschungsschritt - die Zerstörung menschlicher Embryonen zur Erzeugung von Stammzellen - nicht aus EU-Mitteln gefördert werde, sei zwar begrüßenswert, hindere aber nicht daran, die folgenden Forschungsschritte aus Gemeinschaftsmitteln zu fördern, in denen menschliche embryonale Stammzellen zur Anwendung kommen, kritisierte Küng die mangelnde Konsequenz. Man könne den Beschluss des Ministerrats auch als Aufforderung verstanden wissen, die vorherige Etappe der Zerstörung menschlicher Embryonen eben dann auf mitgliedstaatlicher Ebene zu fördern, so Küng.

"Chance zu Grundsatzdebatte nutzen!"

Ausdrücklich lobte der Bischof die Haltung der Österreichischen Bundesregierung: Ministerin Elisabeth Gehrer hatte mit den Vertretern aus Litauen, Malta, Polen und der Slowakei gegen das Forschungsrahmenprogramm gestimmt. Gleichzeitig forderte Küng die Verantwortungsträger in Politik und Kirche auf, im Vorfeld der zweiten Lesung im Europäischen Parlament im Herbst dieses Jahres die Chance für eine Grundsatzdebatte über die Embryonenverbrauchende Forschung zu nutzen - auf Ebene der Europäischen Institutionen, aber auch in Österreich auf breiter Basis in der Zivilgesellschaft.