Neujahrsansprache 2007 (Wortlaut)

Liebe Hörerinnen und Hörer! Wieder geht ein Jahr zu Ende. Die Zeit schreitet fort; der Wechsel der Jahreszahl macht uns darauf aufmerksam. Äußerlich - wirtschaftlich, technisch, medizinisch, sozial - ist die Entwicklung in unserem Land kontinuierlich positiv. Wir dürfen zufrieden auf die vergangenen Jahre zurückblicken. Auch das vergangene war ein friedliches Jahr. Kriegsmeldungen empfingen wir von Ländern, die weit weg sind. Auch von Terror blieben wir verschont. Einige Teile unseres Landes wurden überschwemmt; manche hat es hart getroffen. Es konnte ihnen geholfen werden. Jetzt kommt eine neue Regierung. Das kann manche Änderungen bringen, aber es ist davon auszugehen, dass es jedenfalls in materieller Hinsicht in nächster Zeit keine sehr großen Probleme geben wird. Wir gehören ja zu den reichsten Ländern der Erde. Insgesamt haben wir allen Grund, dankbar zu sein.

Der Jahreswechsel ladet aber trotzdem zum Nachdenken ein: nicht nur die Zeit im Allgemeinen, auch die Zeit unseres Lebens schreitet fort. Und damit im Zusammenhang habe ich meine Sorgen: Ich denke manchmal an jemanden, der mir einmal in der Früh - wir waren in der Großstadt unterwegs - bei der Beobachtung der aus einer U-Bahn-Station herausströmenden Menschenmenge halb im Ernst, halb im Spaß sagte: Ob sie alle wissen, wohin sie unterwegs sind? Sie gingen offenbar zur Arbeit, er meinte es in einem tieferen Sinn.

Einmal wurde mir jemand von der Telefonseelsorge geschickt. Er schilderte mir seine hoffnungslose Lage. Er sagte, sein Leben sei in rote Zahlen geraten, er wolle ein abschließendes Gespräch, bevor er sich das Leben nehme. Ich habe ihm zu helfen versucht.

Das ist die Frage, die uns am Jahreswechsel bewegen sollte: Nützen wir die Zeit, die uns von Gott geschenkt wird? Wir sollten daran denken, dass wir nicht hier unsere bleibende Stätte haben, sondern nach der zukünftigen verlangen. Das scheint mir richtig, ohne zu vergessen, dass Gott uns beisteht, wenn wir dem Ziel zustreben, das er unserem Leben gesetzt hat. Er hilft uns auch aus den roten Zahlen, sofern wir in sie hineingeraten sind. Wichtig ist nur, dass wir im Vertrauen auf ihn nicht aufgeben, sondern in das Jahr hineingehen mit dem Wunsch, es gut zu nützen.

Schließen möchte ich mit dem Mutmach-Segen der Christa Spilling-Nöker. Er lautet: "Höre auf die Stimme des Engels und folge dem Ruf deines Herzens, der dich mit dir selbst ans Ziel bringen will, auch wenn der Weg unbequem ist, beschwerlich und weit. Am Ende aber leuchtet dir ein Land voller Segen." In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für das Neue Jahr Gottes Segen.