Herbstwanderung
Erntedankkorb
 
 

Neues Emmaus Frauen-Haus für Obdachlose eröffnet

Seit Jänner 2004 gibt es in St. Pölten eine Einrichtung der Emmausgemeinschaft für obdachlose Frauen. Leiterin Gertrude Dirneker: "Wenn wir dieses Projekt mit einem Kind vergleichen, dann ist es jetzt gerade dabei, laufen zu lernen." - Der große Bedarf hatte eine Übersiedlung in ein neues Haus notwendig gemacht, das am vergangenen Donnerstag, dem 8. September, offiziell eröffnet wurde. Sechs Betten und ein Couchplatz waren zu wenig, um der Wohnungsnot der Frauen wirksam zu begegnen. 108 Anfragen und 42 Aufnahmen gab es 2004. "2.150 Nächtigungen im ersten Jahr zeigen die enorme Auslastung", so Dirneker. Mittlerweile ist die Zahl der verzeichneten Anfragen auf 209 (1.1.2004 - 31. 8. 2005) gestiegen, bis Ende August gab es 93 Aufnahmen. "Leider mussten wir viele auf Warteliste setzen, weil in der ` Herberge´ Frauen-WG kein Bett für sie frei war", beklagt Dirneker. Selbst im neuen Haus mit 15 Wohnplätzen und drei Notschlafbetten müßten Frauen aufs Warten vertröstet werden.


viele junge Frauen


46 Prozent der Gäste im Wohnheim sind junge Frauen im Alter von 18-30 Jahren. Aufgrund der arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Situation finden sie keinen oder keinen ausreichend bezahlten Arbeitsplatz, sagt Dirneker. Schwangerschaft, Haushaltsführung und Kindererziehung führten sie dann oft in Armut und Wohnungsnot.


Die Kosten für den Ankauf des neuen Hauses betrugen mit den erforderlichen baulichen Adaptierungen 320.000 Euro. Bei der Finanzierung ist Emmaus auf Spenden und Subventionen angewiesen. Der laufende Betrieb wird zu 90 Prozent vom Land NÖ getragen. Unterstützung gibt es weiters vom Arbeitsmarktservice, dem Bundessozialamt, der Katholischen Frauenbewegung und privaten Spendern.


Platz für Geborgenheit und Gemeinschaft


LR Petra Bohuslav sagte bei der Eröffnungsfeier, es gehe für die Frauen nicht nur darum, ein Bett und Essen zu haben, sondern um Geborgenheit und Gemeinschaft, den Erfahrungsaustausch untereinander, der das Leben für ein wenig leichter mache. LR Christa Kranzl meinte, die Emmausgemeinschaft St. Pölten wäre aus der Region nicht mehr weg zu denken. Habe sie im Jahr 2002 die Notwendigkeit einer Frauen-Notwohnung noch bezweifelt, so wäre sie heute der Meinung, dass die Starthilfe und der Tagsatz vom Land NÖ gut eingesetzt wären: "Ich bin froh, dass es jetzt diese Möglichkeit in der Landeshauptstadt St. Pölten gibt." Lob gab es auch von der Leiterin des AMS St. Pölten: Die Emmaus Frauenwohngruppe habe vor allem im Bezirk St. Pölten eine große Lücke geschlossen, so Claudia Wrba.


Walter Feninger, Obmann der Emmausgemeinschaft St. Pölten, wandte sich mit der Forderung einer ökosozialen Umgestaltung des Steuersystems und einer Belastung von Finanztransaktionen an die anwesenden Politiker, u.a. auch St. Pöltens Vizebürgermeisterin Susanne Kysela und Vbgm. NR-Abg. Alfred Brader. Für manche Bewohnerin der "emmaus frauen-wg" wäre es das Um und Auf, mit einem Arbeitsplatz die Chance zur Neugestaltung ihres Lebens zu bekommen. Beschäftigung scheitere aber oft an den Lohn- und Lohnnebenkosten. Arbeit müsse wieder leistbarer werden und nicht mit allen sozialen Kosten belastet werden.


ökumenische Segnung


Eine ökumenische Segnungsfeier mit dem St. Pöltner Pastoralamtsdirektor Msgr. Wilfried Kreuth und der evangelischen Pfarrerin Baukje Leitner bildete den Abschluss des Festaktes.


Msgr. Kreuth betonte, der Segen sei als "kräftige Fürbitte für die Menschen, die in diesem Haus Hilfe suchen und die, die Verantwortung tragen - ob hauptamtlich, oder ehrenamtlich - zu verstehen. Leitner ging in ihrer Ansprache auf eine Schriftstelle aus der Bergpredigt (Matth. 6,25-34) ein, in der Jesus vor übertriebener Sorge um die lebensnotwendigen Dinge wie Essen oder Kleidung warnte. Jesu Sorge wäre es gewesen, dass die Menschen nur auf diese Bedürfnisse schauten. "Das wirkliche Leben ist, den Weg der Unselbstsüchtigkeit und Liebe und Dankbarkeit zu gehen - Dankbarkeit an Gott und die Menschen", sagte Baukje Leitner: "Alles andere sollen wir Gott überlassen. Denn er sorgt für uns. - Du fragst wovon wir leben? Wir leben von der Liebe."