Nahtoderlebnisse keine Beweise für ewiges Leben

In einem Vortrag an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten über die Frage „Leben nach dem Tod?“ ging Dozent Mag. Dr. Rudolf Curik auf Nahtoderlebnisse ein. Der Nuklearmediziner und Theologe beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit den Phänomenen, die von klinisch Toten, die reanimiert werden konnten, berichtet werden.
Curik ist davon überzeugt, dass es sich in den meisten Fällen um „ernst zu nehmende Berichte“ und keineswegs um Halluzinationen oder Auswirkungen von Medikamenten und Narkosemitteln handle. Allerdings könnten auch gut dokumentierte Nahtoderlebnisse „nicht als Beweise für ein ewiges Leben“ gewertet werden, betonte Curik. Die Erlebnisse seien keine Berichte von einem Leben nach dem Tod, sondern vom Beginn des Sterbeprozesses, der jedoch noch reversibel sei.

Sehr wohl könnten die Erlebnisse klinisch Toter als „Hinweise“ verstanden werden, „dass es in der Nähe des Todes eine Art Niemandsland gibt“, meinte Curik. Auffallend sei, dass sich die Berichte in vielen Einzelheiten glichen. So seien etwa ein langer Tunnel und intensive Lichterlebnisse häufige wiederkehrende Elemente. 95 Prozent der Berichte beinhalteten durchwegs positive Erlebnisse, nur 5 Prozent negative, „die an eine Hölle erinnern“, so Curik.

Als Beispiel nannte Curik die Erlebnisse des Innsbrucker Altbischofs Reinhold Stecher, der nach einem schweren Herzinfarkt im Jahre 1994 in der Zeitschrift „miteinander“ (Nr. 10, 1995) über ein Nahtoderlebnis berichtet hatte. Stecher hatte sich demnach in einem dunklen Tunnel mit grauen Gestalten erlebt, an dessen Ende „ein Licht noch nie erlebter Intensität“ ihn angezogen hatte.

Reinkarnation statt Fegefeuer

Als Ursache für die wachsende Verbreitung des Glaubens an Reinkarnation im Westen sah Dozent Curik die „Abschaffung des Purgatoriums durch viele Theologen“. Die Vorstellung der Wiedergeburt sei mit dem Christentum jedoch nicht vereinbar, betonte Curik: „Dahinter steht die Idee der Selbsterlösung; wir Christen glauben jedoch an die Erlösung durch Jesus Christus.“

Außerdem gebe es große Unterschiede zwischen der „esoterischen“ Vorstellung von Wiedergeburt und den Reinkarnationslehren von Hinduismus oder Buddhismus. In den asiatischen Religionen sei es ein ersehntes Ziel der Gläubigen, aus dem „Rad der Wiedergeburten“ zu entkommen. Im Westen werde die angenommene Reinkarnation hingegen als „Chance zur Weiterentwicklung“ gesehen, was jedoch keiner traditionellen religiösen Vorstellung entspreche, wie Curik erklärte. In den Denkmodellen des Buddhismus werde die Kontinuität der persönlichen Identität nicht gewahrt, was ebenfalls dem christlichen Glauben widerspreche.