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Musiker und Theologe

„Die religiöse Musik entdeckt Gott zu allen Zeiten und überall“, zitierte Peter Paul Kaspar, Professor für Kirchenmusik und Künstlerseelsorger in Linz, den Komponisten Olivier Messiaen bei einem Vortrag zu dessen 100. Geburtstag in St. Pölten. Kaum ein Komponist seit Johann Sebastian Bach ist in seinem Werk so sehr mit der christlichen Religion verbunden wie Olivier Messiaen. „Wenn man Theologie nicht nur als die verbale Rede von Gott versteht, sondern auch als Klangrede, dann sind beide – Bach und Messiaen – in ihrer Sprache der Musik Theologen“, so Kaspar.

Messiaen wurde am 10. Dezember 1908 in Avignon als Sohn eines bedeutenden Shakespeare-Übersetzers und einer Dichterin des Symbolismus geboren. Bereits 1931 wurde er als Titualrorganist an die Kirche Sainte-Trinité berufen, wo er 60 Jahre als Kirchenmusiker tätig war. Das religiöse Werk des gläubigen Katholiken Messiaen präsentiert sich jedoch kaum als Kirchenmusik im klassischen Sinn: Er komponierte lediglich zwei Werke für die Messe. Messiaen begleitete jedoch jeden Sonn- und Feiertag an Sainte-Trinité die Messe mit Improvisationen an der Orgel. „Auch wenn sicher einige Themen der Improvisationen in seine Kompositionen einflossen, so ist doch ein Großteil seines Werkes verklungen“, wie Kaspar erklärte. „Er sah die Improvisationen bei den Messen als sein persönliches Gebet.“

Die Choräle der Gregorianik, hinduistische Musik und die farbigen Glasfenster der französischen Kathedralen waren wichtige Inspirationsquellen. „Musik war für Messiaen die Einstimmung in den Klang und die Farbe der Schöpfung und daher auf den Schöpfer gerichtet“, so Kaspar. Messiaen war der Meinung, dass es auch in der Natur Musik gebe. Wenn er die Klänge der Natur und den Gesang der Vögel in seiner Musik zu Wort kommen lasse, singe er – vergleichbar mit der „Schöpfung“ Haydns – das Lob Gottes, wie Kaspar ausführte.

Eine singuläre Erscheinung

Messiaen habe sich bereits in seiner Jugend über die herkömmlichen Gesetze der Komposition hinweggesetzt, jedoch „ohne diese zu verachten“. Auch die Orgel habe der Komponist sehr unkonventionell verwendet und dadurch „schöne, oft überraschende Effekte“ bewirkt. Kaspar: „Messiaen ist ein Unikat, eine singuläre Erscheinung.“ Seine Musik erschließe sich nur dem aktiven Zuhörer, der dafür „seine Sinnlichkeit wie ein Mystiker nach innen entwickeln“ müsse, betonte Kaspar. Der Glaube sei für die Rezeption der Musik Messiaens zwar keine Bedingung, wie Kaspar meinte, sehr wohl jedoch die Offenheit für Erfahrungen „jenseits der empirischen Realität“.

Neben seinen berühmten Orgelzyklen, wie die „Meditation über das Geheimnis der Dreifaltigkeit“, schrieb Messiaen Vokalmusik, zum Beispiel das Oratorium „Verklärung Christi“, Klaviermusik („Eine Vision von Amen“) und Orchesterwerke. Olivier Messiaen starb 1992 in Paris, kurz bevor seine einzige Oper „Franz von Assisi“, die er am Ende seines Lebens geschrieben hatte, in Salzburg aufgeführt wurde.