"Musik im Gottesdienst ist keine bloße Garnierung"

60 Kirchenmusiker und Liturgiefachleute aus neun Nationen treffen sich vom 23. bis 27. August in St. Pölten beim jährlichen Kongress des Internationalen Studienkreises für Gesang und Musik in der Liturgie. Anliegen der Tagung "Universa Laus" ist ein neues, ritus- und gemeindebezogenes Konzept von Kirchenmusik im Sinne des Zeiten Vatikanums. Schwerpunkt der heurigen Tagung bildet die rituelle Gestalt der Wortliturgie in der Messfeier. "Musik im Gottesdienst ist keine bloße "Garnierung" erklärte Prof. Dr. Rudolf Pacik, Liturgiewissenschafter und Kirchenmusiker aus Innsbruck, Präsident der deutschen Sprachgruppe und Mitorganisator des Kongresses. Zur Grundproblematik des Verhältnisses von Liturgie und Kirchenmusik meinte er, dass jeder Akt der Liturgie seine Klanggestalt finden soll. Wörtlich sagte Pacik: "Die Musik im Gottesdienst ist mehr als die Vertonung von Texten. Sie prägt die liturgische Form im Kleinen wie im Großen". Die Kirchenmusiker seien in einer ähnlichen Situation wie ein Komponist, der Musik zu einem Film schreiben soll. Er müsse sich immer das Filmgeschehen vor Augen halten. "Und in der Liturgie gibt es kein "Publikum", alle sind Mitspieler", so Prof. Pacik.

Einleitend analysierte Prof. Franz Karl Praßl aus Graz die Situation der Kirchemusik im Gastgeberland und den Umgang mit einer "großen, ja fast übermächtigen kirchenmusikalischen Tradition". Er betonte auch, dass die Leistungen der österreichischen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker dem internationalen Vergleich durchaus standhalten können. "Die Entwicklung kirchenmusikalischer Neukonzeptionen zu fördern, ist sicher ein vordringliches Desiderat", unterstrich Prof. Praßl.

Diskussionen in verschiedenen Sprachgruppen ermöglichen auch einen regen Meinungsaustausch über die oft sehr unterschiedlichen Praktiken in den verschiedenen Ländern. Eine Exkursion ins Benediktinerstift Melk und ein gemeinsamer Gottesdienst im Dom zu St. Pölten bildeten die Höhepunkte der Tagung.