Medizin im Spannungsfeld von Ethik und Ökonomie

Für eine „sparsame Effizienz“ in der Anwendung medizinischer Mittel hat sich Bischof DDr. Klaus Küng bei der Lukasmesse“ am 18. Oktober im Sommerrefektorium des Bistumsgebäudes vor über 120 versammelten Ärzten, unter ihnen Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner, ausgesprochen. In seinem Vortrag über „Arztsein im Spannungsfeld von Ethik und Ökonomie“ hat der Bischof Solidarität und Gerechtigkeit als zwei wesentliche Prinzipien im Gesundheitssystem unterstrichen. Während die Solidarität jedem Patienten eine medizinische Behandlung zuspricht, bedeute Gerechtigkeit eine gleiche Behandlung unter Berücksichtigung der vorhandenen Kosten und Mittel. In Europa sei zunehmend bewusst geworden, dass auch im Gesundheitswesen die Ressourcen knapper werden, wies der Bischof hin. Wie viel aber der Anteil für das Gesundheitswesen im Staatshaushalt ausmache, sei eine politische Frage.
Fest stehe, so Bischof Küng, dass nur beschränkte Mittel zur Verfügung stünden. Jeder Mensch habe dabei Anspruch auf eine gerechte Verteilung dieser Mittel, aber kein Recht auf eine bestimmte Behandlung, führte Küng, selbst Mediziner, in seinem Vortrag aus.
Die Zuteilung der vorhandenen Ressourcen sei eine politische Entscheidung. Die tatsächliche Verwendung der Mittel aber, so der Bischof weiter, müsse durch den Arzt selbst entschieden werden. Die vorhandenen Standards und Vorschriften dürfen diesen Entscheidungsspielraum nicht behindern, sagte er. Der Arzt selbst, so Küng, sei in seinen Entscheidungen aber auch an eine „sparsame Effizienz“ gebunden. Dieses ökonomische Denken stehe zum hippokratischen Denken nicht im Widerspruch, sondern werde durch diesen vielmehr gefordert und gefördert. Es sei aber angebracht, in den Forderungen Maß zu halten, hob Küng vor den Ärzten hervor. So müssen auch in der Frage der Pflege Wege gefunden werden, die die Kosten nicht ausufern lassen. Bei „gutem Willen aller“ könne dieses Spannungsfeld von Ethik und Ökonomie in Österreich bewältigt werde, betonte Küng. Es sei aber Wachsamkeit gefordert, gefährlichen Trends entschlossen entgegenzutreten, um den Beruf des Arztes für den Menschen wirksam zu verteidigen. Niemals dürfe der Arzt Vollstrecker unmenschlicher Praktiken werden.

Ökumenischer Gottesdienst

Bereits beim vorangegangenen ökumenischen Gottesdienst im Dom zu St. Pölten erklärte Bischof Küng, dass es viele Ärzte und gutes Pflegepersonal gebe, die vorbildlich für die Menschen eintreten. Man dürfe dennoch nicht übersehen, dass auch dunkle Wolken am Horizont aufziehen: Viele Krankenhäuser nehmen Abtreibungen vor, die Frage der pränatalen Diagnostik werde immer dringlicher und auch die „dunkle Wolke der Euthanasie“ stehe am Himmel Europas. „Gott sei Dank gibt es Ärzte, die ihre Stimme erheben, um das ärztliche Berufsethos hoch zu halten“, sagte Bischof Küng.
Der evangelische Superintendent Mag. Paul Weiland wies in seiner Predigt beim Gottesdienst hin, dass auch der hippokratische Eid des Arztes auf christliche Tradition zurückgehe. In allen Heilungsgeschichten der Bibel wende sich Jesus vor allem jenen Menschen zu, für die sich sonst niemand zuständig sieht, führte Weiland aus. Jesus fragte nicht nach Schuld, sondern handelte, da der Mensch als solcher Geschöpf Gottes sei. Heilung und Bekehrung sei Ausdruck des von Gott neu gestifteten Daseins. Das sei die Idee Gottes, die auch Grundlage für unser Handeln und Beurteilen leiten soll: Sie ist vom der Grundton der Liebe bestimmt, vor der Ehrfurcht vor allem Lebendigen und dem Respekt vor dem Schöpfer.