Liturgie - ein Weg zu Mensch und Gott

Mit Kinder-, Jugend- und Familiengottesdiensten befasste sich ein Studientag am vergangenen Wochenende im Bildungshaus St. Hippolyt. Nach einer grundlegenden Einführung befassten sich die Teilnehmer in elf Arbeitskreisen mit den konkreten Planungen, Elementen und Strukturen solcher Gottesdienste. Kinder und Jugendliche gehören zwar zur Kirche, doch komme dies in der Praxis zu wenig zum Ausdruck, stellte der Liturgiewissenschafter Univ.-Prof. Dr. Bert Groen aus Graz fest. Kinder sollten sich in der Kirche wie zu Hause fühlen, stoßen dabei aber auf viele Hürden und Hindernisse. So finden Kinder und Jugendliche die Gottesdienste meist "fad und langweilig", da sie sich dort emotional nicht wieder finden. Kinder müssten "still sein und schweigen". Sie sehen sich einer Sprache und Symbolen gegenüber, die sie weithin nicht mehr verstehen.
In eigenen "Jugendgottesdiensten" erfahren sich die Jugendlichen hingegen authentisch angesprochen, auch wenn diese nicht immer den liturgischen Vorgaben entsprechen, merkte Groen an. Er stellte ein bemerkenswertes Paradox fest: Jugendliche sind religiös, nehmen kaum mehr an kirchlichen Gottesdiensten teil, doch wachse in vielen profanen Bereichen eine neue "Blütezeit der Rituale".
Eine der Ursachen kirchlicher Abstinenz Jugendlicher sei die Ablehnung der Normen, meint Groen. Eine "Sonntagspflicht" werde nicht mehr akzeptiert. "Jugendliche gehen nur dann in die Kirche, wenn sie wollen und nicht weil sie müssen", sagte er.
Zusammenfassend meinte Groen, dass die Liturgie heute von einer grundsätzlichen Änderung betroffen sei. Sie müsse die Frage stellen, "wie ein Leben auf dieser Welt gelingen kann". Die Liturgie diene dabei der "Selbstentdeckung und Begegnung mit anderen Menschen". Das sei auch ein Weg zu Gott, wies Groen hin. Die Liturgie müsse "den geistlichen Hunger der Menschen stillen". Wenn dies in verständlichen Zeichen verdichtet werde, in der der Mensch Atmosphäre erleben und empfinden können, könne er darin wieder Gott entdecken, sagte Groen. Große Bedeutung habe die Familie als "Lernplatz für Religion und Kirche". Die Zugehörigkeit zur Kirche sei heute keine schnelle Entscheidung, sondern brauche Zeit. "Alltagsrituale" wie etwa das Tischgebet seien in der Erziehung der Kinder dafür wichtig. Auch in der Pfarre dürften Kinder und Jugendliche nicht nur in der Liturgie berücksichtigt werden, sondern müssen in der gesamten Pfarre ihren Platz finden, wies Groen hin.

Echtheit gefragt
Zu konkreten Messfeier meinte Groen, dass sich Kinder und Jugendliche am "normalen" Gottesdienst beteiligen sollten. Eine gemeinsame Vorbereitung wäre ideal, meint Groen. Bei eigenen Gottesdiensten sei die "Echtheit und Authentizität der Ausstrahlung" wichtig. Kinder und Jugendliche müssten die Grunderfahrung machen: "Du bist gut so wie du bist - und Gott ist für dich da". Gott sei jener, der die Menschen befreie, der herausfordere und gleichzeitig Geborgenheit gebe.
Groen bedauerte, dass die Stille in der Liturgie heute zu wenig praktiziert werde. Als wichtig sehe er noch die Funktion der Musik sowie die Verwendung der "Ursymbole" wie Kerzen, Licht und Finsternis, Feuer und Weihrauch. Auch müssten die Ängste und Hoffnungen der Jugend, wie Freundschaft, Beziehung, Sexualität, Gewalt, Alkohol und Drogen in diesen Gottesdiensten stärker ihren Ausdruck finden.