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Liese Prokop war eine Frau "mit weitem Herzen, klug, hilfs- und einsatzbereit"

Bischof DDr. Klaus Küng leitete das Begräbnis der verstorbenen Innenministerin Liese Prokop in Annaberg. In seiner Predigt würdigte er die Verstorbene als eine Frau, die "eine feste Verankerung in Gott und in ihrer Familie" hatte. Im Hohen Lied der Liebe zeige sich jener "rote Faden", der auch in ihrem Leben stets erkennbar war, sagte der Bischof. Die Predigt im Wortlaut

"Liebe Trauergemeinde!

Wir haben als Lesung das hohe Lied der Liebe und als Evangelium das Gleichnis vom Weizenkorn vernommen. Es sind Schlüsselstellen aus der Heiligen Schrift zum Verständnis des Lebens von Liese Prokop.

Von allen, die mit ihr näher zu tun hatten, wird sie beschrieben als freundlich, liebevoll, mit einer großen Fähigkeit zuzuhören, als eine Frau mit weitem Herzen, als klug, hilfs- und einsatzbereit.

Persönlich habe ich sie erst in den letzten Jahren etwas näher kennen gelernt und hatte genau den Eindruck wie er von den meisten geschildert wird. Ich dachte mir auch, dass sie ein gereifter Mensch ist; Außerdem bewunderte ich Ihre Ruhe und Gelassenheit, die sie ausstrahlte. Ich fragte sie auch, wie sie das machte. Sie gab mir eine einfache, schlichte Antwort. Unter anderem sagte sie, dass sie immer wenn irgendwie möglich nach Annaberg fährt, weil sie sich hier zu Hause, wohl fühlte.

Inzwischen, weiß ich aus Gesprächen mit Verwandten, was ich schon vermutete: Dass sie auch andere Quellen hatte. Ihre Anliegen wurden von Gebetskreisen mitgetragen, sie hatte eine feste Verankerung in Gott und in ihrer Familie, die sie liebte. Sie war überzeugte Mutter und wusste um Ihre Aufgabe, für die anderen da zu sein, auch wenn die Umstände ihres Lebens, eigentlich von Jugend an, bewegt waren.

Im Hohenlied der Liebe findet sich der rote Faden, der in ihrem Leben erkennbar ist, der Grund, warum sie sich so vielen Menschen zuwenden konnte, warum sie geduldig war und angenehm, mit Augenmaß vorging und vermittelnd wirkte.

"Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil.
Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf."

Das ist auch eine Erklärung ihrer Ausgeglichenheit und Ausdauer.
Sie war sicher Sportlerin ihr ganzes Leben lang und zwar nicht nur im engen Sinn des Wortes.

Das Gleichnis vom Weizenkorn spielt hier eine Rolle. Sie hat jahrelang anspruchsvolle politische Aufgaben erfüllt. Besonders überraschend war dann, dass sie in einer Zeit, da sie sich begründetermaßen zurückziehen und sich ein ruhiges Leben hätte gönnen können, die Aufgabe der Innenministerin übernommen hat, noch dazu in einer Situation, die alles anders als attraktiv war. Aber sie dachte, dass sie vielleicht doch etwas bewegen, in den schwierigen Gegebenheiten helfen könnte. Und sie hat einen wichtigen Beitrag geleistet. Vieles konnte entkrampft und entspannt werden, auch wenn es für sie alles andere als leicht gewesen sein muss.

Die Erklärung dafür ist: Sie war zur Hingabe bereit. Ihr ging es nicht um Erfolg und Ehrung.

Der Tod eines Menschen, der viel geleistet hat, den man liebt, ist für jene, die zurückbleiben, etwas sehr Schmerzhaftes. So ein Tod bedeutet einen Einbruch, einen Verlust, eine große Lücke erleiden, die plötzlich aufgebrochen ist. Der Tod einer geliebten Person ist immer etwas Unbegreifliches.

Gerade in dieser Situation ist es wichtig zu beten, den Blick auf Gott zu richten: Er möge der Verstorbenen mit seinen Reichtümern, mit seiner Seligkeit vergelten und geben, was wir ihr nicht geben können.

So ein Tod ist auch Anlass zum Gebet für uns selbst: Damit Dankbarkeit in uns aufkommt. Ein Mensch, den wir gerne haben und der für uns dieses und jenes getan, uns geliebt hat, ist ein Geschenk, das wir von Gott erhalten haben. Wir sollen daher Gott danken, ihr danken, auch darüber nachdenken, was wahre Dankbarkeit bedeutet.

Da gibt es ein Vermächtnis der Verstorbenen. Sie ist ans Ziel gelangt. Nun ist es wichtig, dass die anderen - ihr Mann, ihre Geschwister, ihre Kinder, Enkel, Nichten usw. - es ebenfalls schaffen. Sie hat durchgehalten, hatte eine große Ausdauer, auch die anderen sollen durchhalten und Ausdauer haben. Sie musste sicher auch manche Niederlage hinnehmen, sie hat weitergemacht. Es ist notwendig, dass wir alle das tun.

Sie hat ihre Familie geliebt, konkret auch Annaberg. Es ist sehr wichtig, dass die Familie zusammenhält, Familie gelebt wird, von Jung und Alt. Sie hatte bestimmte Quellen, aus denen sie geschöpft hat. Mit Recht liebt Ihr Euer Ave Maria.
Sie hat viel Gutes getan als Politikerin, als Mutter in der Familie, im Land. Das ist ein Auftrag. Helfen wir einander, um dem jeweiligen Auftrag zu entsprechen.
Und so wollen wir sie der Fürsprache Mariens und der Fürsprache der Hl. Anna anempfehlen. Die Verstorbene möge Gottes Seligkeit empfangen."