Kunst und Kirche

Die Beziehungen zwischen Kunst und Kirche seien „sehr intensiv“, erklärte Bischof Dr. Egon Kapellari bei einem Vortrag „Kirche und Kunst – eine gesegnete und schwierige Beziehung“ am 28. Oktober in der Aula der Hochschule St. Pölten. Religionsgeschichte sei weithin auch Kunstgeschichte gewesen, wies der Bischof hin. Die Religion habe sich bereits sehr früh schon inkulturiert. Zu einer starken Dissoziation zwischen Religion und Kunst sei es erst vor zwei Jahrhunderten gekommen. Die moderne Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts habe sich anders orientiert. Diese Entfremdung sei aber nicht endgültig, mente er.
Die großen Themen der Menschheit bleiben sowohl für Kunst als auch für Religionin jeder Epoche eine Herausforderung, so Kapellari. Dennoch wurde auch in dieser Zeit immer wieder christlich inspirierte Kunst geschaffen, die auch heute noch viel bewegt, wies Kapellari, in der österreichischen Bischofskonferenz für den Bereich Kultur zuständig, hin und erinnerte dabei an die Literatur, Musik und Architektur der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihren Vertretern wie Mauriac, Green, Schneider, Le Fort oder auch Strawinsky und Le Corbusier.

Auch die Kirche bedürfe der Kunst, vor allem, um über „Glanz und Elend des Menschen“ mehr zu erfahren, wies Kapellari hin. Auch wenn moderne Kunst nicht auf „Schönheit“ reduzierbar sei, könne „das Schöne“ nicht aus ihr verbannt werden. Kunst könne reinigend wirken, aber auch in Destruktivität umschlagen, meint der Grazer Bischof.
Die Kunst wende sich dem Ganzen des Lebens zu, dem Schönen wie auch dem Schrecklichen. Dostojewsky und auch Solschenizyn hätten selbst das Grauen erlebt. So habe die Kunst die Aufgabe, nicht nur Schönes darzustellen, sondern müsse sich auf die ganze Geschichte hin öffnen. In der Auseinandersetzung des Christen mit Kunst gehe es nicht nur um Bewahrung des Glaubens, sondern auch um den ethischen Standard.

Der Glaube habe immer schon versucht, dem Geheimnis Gottes in Wort und Bild nahe zu kommen. Dennoch sei der Christ zuerst Hörender; die Anschauung hingegen stehe unter einem eschatologischen (endzeitlichen) Vorbehalt. So habe es nach dem Alten Testament und in vielen weiteren Zeiten das Bilderverbot gegeben. Auch der Apostel Paulus habe den Christen seiner Zeit gesagt: gehen wir als Glaubende unseren Weg, nicht als Schauende. Diese Bilderverbote seien in der Geschichte aber immer nur Episoden geblieben, erklärte Kapellari. Bilder und Darstellungen seien aber dann authentisch, wenn sie über sich hinausweisen.

Schließlich könne die Kunst auch der Liturgie helfen, Banalität aus dem Gottesdienst zu vertreiben. Vor allem, wenn sie der Schönheit Raum gebe. Raum und Dramaturgie seien so gesehen eine Vorausschau des Ewigen. Die Kirche solle daher bewahren, was sie an Schönem geerbt habe. Sie dürfe es aber weder zu einem verschlossenen Kirchenhaus privatisieren noch museal werden lassen.