Küng zu 30 Jahre Fristenlösung: Pflicht aller, für Leben einzutreten

"Für das Leben einzutreten ist nicht nur eine Frage einiger "Spezialisten", auch nicht nur der Bischöfe, es ist eine Pflicht aller, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind." - Das betonte Bischof Klaus Küng Mittwochabend in seiner Predigt bei einem Wallfahrtsgottesdienst am Pöstlingberg zum Thema 30 Jahre Fristenlösung. Bezüglich Lebensschutz herrsche ohne Zweifel eine dramatische Situation, sagte der Familienbischof. Die bei Einführung der Fristenlösung versprochenen flankierenden Maßnahmen seien nie verwirklicht worden. Einrichtungen für Behinderte - "eine echte Errungenschaft der Menschlichkeit" - werde man in einigen Jahren nur mehr zu einem geringen Teil brauchen, weil durch die pränatale Diagnostik Behinderungen frühzeitig erkannt werden. Das werde in einem hohen Prozentsatz den Abbruch der Schwangerschaft, also die Tötung des vermutlich oder sicher behinderten Kindes auslösen.


"Gefahr, dass menschliches Leben wie ein Produkt behandelt wird"


Schrecklich wäre, dass jedes durch künstliche Befruchtung geborene Kind mehrere tote Geschwister habe, kritisierte Küng. Tausende überzählige Embryonen würden - nach neuem österreichischem Gesetz bis zu 10 Jahre lang - eingefroren aufbewahrt. "Diese Embryonen stellen ein begehrtes Gut dar: Manche Forscher schauen auf sie mit Habgier, weil sie für die Gewinnung von Stammzellen und anderes sehr nützlich sind. Es besteht die Gefahr, dass heute menschliches Leben wie ein Produkt behandelt wird", sagte Küng.


Bezüglich Empfängnisverhütung sprach der Bischof die Vergreisung Europas durch den Pillenknick an. Dazu komme, dass in den letzten Jahren immer häufiger die Pille danach zum Einsatz komme: "In Wirklichkeit eine Abtreibung im frühesten Stadium der Schwangerschaft", so Küng.


Bezüglich Euthanasiediskussion bestehe zwar in Österreich bis jetzt unter den politischen Parteien Konsens, dass die Förderung der Hospizbewegung und der Palliativmedizin der richtige Weg sei. Es bestünde aber die große Gefahr, dass sich auf EU-Ebene die Einführung der Euthanasie durchsetze.


"Ohnmacht" gegenüber Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche


"In der Tat empfinden wir im Hinblick auf die Tatsache Ohnmacht, dass gewisse Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche manchmal anscheinend unbeeinflussbar in negativer Richtung fortschreiten", sagte der Bischof.


Gegen alle Hoffnung gäbe es aber doch auch Grund zur Hoffnung. "Man brauchte in der vergangenen Woche nur den Fernsehapparat aufzudrehen. Wie erklärt es sich, dass 4 Millionen Menschen zum Begräbnis des Hl. Vaters nach Rom gefahren sind, dass dort alle friedlich beisammen waren und auch friedlich wieder heimgefahren sind", sagte Küng. Die Erklärung wäre die Sehnsucht der Menschen, deren Liebe geweckt worden sei.


"Initiativen für das Leben entwicklungsfähig"


"Vielleicht müssen wir stärker aus uns herausgehen", sagte Küng. Initiativen für das Leben, Jugendbewegungen, Hilfestellungen für Frauen in Not und für die Kinder, Beratungseinrichtungen - das alles wäre noch entwicklungsfähig, "kann, muss zu einer großen Bewegung werden.", so der Bischof. Denn für das Leben einzutreten wäre nicht nur eine Frage einiger "Spezialisten", auch nicht nur der Bischöfe, sondern aller, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind.


gesamter Wortlaut der Predigt