Küng: Schutz des Lebens bleibt "oberstes Gebot"

"Die Wahrung der Integrität des menschlichen Lebens ist und bleibt oberstes Gebot", betonte Diözesanbischof DDr. Klaus Küng bei einem Dankgottesdienst mit Transplantierten und Angehörigen von Organspendern am "Tag des Lebens" im Dom von St. Pölten. Zu dem Gottesdienst kamen rund 250 Personen aus ganz Österreich und Deutschland, um für das "unbezahlbare Geschenk" zu danken. Konzelebrant war P. Franz Helm SVD, der selbst lebertransplantiert ist, und während der Messe sang der herztransplantierte Opernstar Georgi Petkov. Bei einer anschließenden Agape kam es zur Begegnung zwischen Transplantierten und Angehörigen der Organspender.

"Wir fühlen uns mit den Spendern sehr verbunden, sie haben einen festen Platz in unserem Leben", sagte Maria Balogh von der Selbsthilfegruppe Niederösterreich des Verbandes der Herz- und Lungentransplantierten, die diese bisher einmalige Veranstaltung organisierte und gestaltete. "Ein Teil von ihnen lebt in uns weiter." Univ. Prof. Dr. Walter Klepetko von der Herz- und Thoraxchirurgie der Universitätsklinik Wien betonte die Wichtigkeit von Organspenden. Durch den großen medizinischen Fortschritt in der Transplantationschirurgie erwarteten die meisten Menschen, "dass alles ohne Probleme vor sich geht", falls sie einmal von einer Transplantation betroffen sein sollten, erklärte Klepetko: "Dem ist aber nicht so, denn ohne Organspender gibt es keine Transplantation." Des wegen sei es wichtig, die Angehörigen Verstorbener zu "überzeugen, wie sinnvoll Organspende ist". Dieser Dankgottesdienst sei ein großes Zeichen dafür.

Bischof Küng erinnerte daran, dass man bei Organspenden "die ethischen Grundlagen nicht aus den Augen verlieren" dürfe. Lebendspenden dürften ausschließlich freiwillig und nur bei reproduzierbaren und nicht lebenswichtigen Geweben oder bei paarig angelegten Organen erfolgen. Außerdem sei damit verbundene "Geschäftmacherei" auszuschließen, betonte Küng. Die Spendung lebenswichtiger Organe sei nur nach Eintreten des Todes erlaubt. Dieser sei wissenschaftlich einwandfrei durch den Hirntod gegeben: "Dadurch wird die seelisch-leibliche Einheit irreversibel aufgelöst", so Küng.

Eine große Gefahr sah Küng allerdings in der Euthanasie: "Kein alter, kein kranker Mensch sollte in unserem Land jemals von Behörden, Ärzten oder sogar von der eigenen Familie das Recht auf Leben abgesprochen bekommen." Das menschliche Leben sei vom Anfang bis zum Ende "unantastbar", betonte Küng. Von der Forschung mit adulten Stammzellen erhoffe er sich jedoch große medizinische Fortschritte, die Organtransplantationen "seltener notwendig, vielleicht sogar überflüssig" machen könnten.

Als "Fest des Lebens" bezeichnete Landesrat Dr. Martin Michalitsch den Dankgottesdienst. "Wir sind alle aufgerufen, den Wert des Lebens hoch zu halten." Der Gottesdienst sei ein "deutliches Zeichen" dafür gewesen. Auch der Bürgermeister von St. Pölten, Mag. Matthias Stadler, bezeichnete die Dankmesse, die "mehr als zum Nachdenken angeregt" habe, als "positive Botschaft". Es sei wichtig, dass es zwischen Transplantierten und den Angehörigen der verstorbenen Organspender einen Dialog gebe.

Foto: Josef Schoisgeyer vom Behinderten-Club 81 und Bianka Langmaier, Enkelin einer Organspenderin.