"Krankenhaus-Gütesiegel" zum Wohl der Patienten

Der rasante Fortschritt in der Medizin bringt große Möglichkeiten mit Chancen und Herausforderungen mit sich, aber auch Gefahren. Orientierungshilfe sollen nun die neuen "Leitlinien für katholische Einrichtungen im Dienst der Gesundheitsfürsorge" bieten, die von Bischof DDr. Klaus Küng, der in der Bischofskonferenz für bioethische Fragen zuständig ist, vorgestellt wurden.
Das Dokument zum Download Die Leitlinien seien "eine Art Gütesiegel" für kirchliche Einrichtungen im Gesundheitswesen, wies der Bischof bei einer Pressekonferenz in Wien hin. Katholische Krankenhäuser und Pflegeheime sollen Orte sein, in denen sich die Menschen "in guten Händen" wissen und die Einhaltung ethischer Kriterien zu seinem Wohl in ihrer Ganzheit und Gesamtheit garantiert seien.
Man habe es sich bei der Zusammenstellung der Leitlinien nicht leicht gemacht, sagte der Bischof. Eine Arbeitsgruppe von Theologen und Ärzten haben kirchliche Dokumente, Richtlinien anderer Bischofskonferenzen und weitere Literatur zusammengetragen und ausgewertet. Eingeflossen sind in diese Richtlinien weitere Themen, die in den heutigen Diskussionen immer wieder präsent sind, erklärte Bischof Küng.

Über die genaueren Inhalte der Leitlinien informierte der Grazer Moraltheologe Prof. Walter Schaupp und meinte, dass sich ein Krankenhaus heute bewusst ein Profil geben müsse. Die Leitlinien seien auch ein Ausdruck, den bioethischen Fortschritt der Gegenwart zu begleiten. Die speziellen Fragen in diesen Richtlinien befassen sich mit der Wahrung der Würde des Menschen, vom Anfang des Lebens an über die neuen Reproduktionstechnologien bis zum Lebensende. Betont wird, dass es keinen abgestuften Lebensschutz geben dürfe, denn das Recht auf Leben sei unteilbar.
Klar wird in den Richtlinien die Präimplantationsdiagnostik abgelehnt, die fast zwangsläufig die Selektion menschlichen Lebens impliziere. Die pränatale Diagnostik könne nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie in einem ausschließlich therapeutischen Rahmen angewendet werde.
Ein wichtiges Anliegen sei, allen menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Gerade am Lebensende soll er Aufmerksamkeit, Achtung und liebevolle Begleitung erfahren, heißt es in den Richtlinien. In der Frage der Euthanasie wird der Akzent aber vor allem auf die Intention des Handelns gelegt. Grundsätzlich positiv stehen die Herausgeber zur Patientenverfügung. Die rechtliche Verbindlichkeit müsse aber auch einen ausreichenden Freiraum belassen, um im medizinischen Notfall gezielte Maßnahmen zum Wohl des Patienten setzen zu können.

Auf die Frage, in welcher Welt und unter welchen bedingungen der mensch in Zukunft leben möchte, ging der leiter des Wiener Hausees der Barmherzigkeit, Prof. Christoph Gisingerein. "Wenn die Lebensumstände stimmen, vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen, hat jeder Mensch einen unglaublichen lebenswillen", sagte er. Aus seiner Erfahrung, auch mit Patienten im Wachkoma, könne er bestätigen, dass "in jeder Situation Lebensqualität und Lebenssinn möglich ist". Diese Richtlinien bringen zwar keine einfachen Antworten auf schwierige Fragen. In der Praxis stehe man zwar oft vor einem ethischen Dilemma, aber auch darin brauche es Orientierungspunkte, um in konkrte Lösungen zu finden.

Die Pflegedirektorin des Wiener St. Elisabeth-Spitals, Sr. Gabriela Trenkler, bezeichnet die Betreuung von menschen in der Phase des Sterbens als eine der größten herausforderungen. Sie bedauerte, dass in der heutigen Gesellschaft die Krankheit als Schwäche und der Tod als Niederlage der Medizin gesehen werde.
Der ärztliche Leiter des Elisabeth-Spitals, Prof. Johannes Bonelliunterstrich vor allem die Bedeutung eines guten Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient. Es brauche eine Kultivierung dieses Vertrauensverhältnisses, sagte er.

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