Kirchenaustritte: Strukturelle Veränderungen allein sind zu wenig

Strukturelle Lösungen gegen die Kirchenaustritte anzubieten, seien längerfristig der verkehrte Weg. Dies stellte Bischof DDr. Klaus Küng bei der jüngsten Diskussion in der ORF-Sendung "Offen gesagt" fest. Man müsse wieder beginnen, mehr auf den Grund der Dinge zu achten. Die Gründe für die aktuellen Kirchenaustrittszahlen seien vornehmlich gesellschaftlicher Natur, sagte der St. Pöltner Diözesanbischof in der Diskussion mit dem Wiener Hochschulseelsorger Mag. Helmut Schüller, dem Pastoraltheologen Dr. Paul Zulehner und der Vorsitzenden des Instituts für eine offene Gesellschaft, Dr. Heide Schmidt.


Die Verbindung zu Glaube und Kirche sei heute bei vielen Menschen schwächer geworden, weshalb für manche auch nur ein kleiner Anlass genüge, aus der Kirche auszutreten, bedauerte der Bischof.


In diesem Zusammenhang stellte er fest, dass viele pastorale Methoden der Vergangenheit heute nicht mehr greifen. Auch der Religionsunterricht könne trotz eifrigen Bemühens nicht mehr wettmachen, was im gesellschaftlichen Umfeld als christliche Basis verloren gegangen sei. Diese Krise sei aber noch nicht zu Ende, meinte der Bischof.


Dennoch könne er, Küng, gleichzeitig auch einen positiven Trend feststellen. Viele Menschen seien auf der Suche nach einem Ort zum Wohlfühlen, wo sie eine geistige Heimat finden. Viele hätten auch wieder eine große Sehnsucht nach Ruhe und Besinnung entgegen der Hektik des Alltags.
"Viele Menschen tragen schwere Verletzungen in sich", sagte der Bischof. "Hier müssen wir Wege finden, zu heilen".