Kindheit in der Postmoderne

Mit der Grundlegung der Persönlichkeit in der Kindheit befasste sich das Internationale Theologische Institut für Studien zu Ehe und Familie in einer interdisziplinären Tagung Anfang April am Sonntagberg. Den Abschluss bildete eine Messe mit "Familienbischof" DDr. Klaus Küng in der Basilika und einem anschließenden Vortrag der Dresdner Religionsphilosophin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz über "Die Kindheit in der Postmoderne". Die Basilika am Sonntagberg sei "ein wunderbarer Ort" zu betrachten, was für Kinder in der Entwicklung notwendig sei und was Eltern tun können, ihrer Aufgabe nachzukommen, sagte der Bischof. Gott habe seinen Sohn gesandt, der gezeigt habe was Liebe sei und wie weit diese reichen könne. Sie soll in den Herzen der Menschen Wurzeln fassen, wies er hin. Wo diese Liebe zu Gott geweckt werde, beginne auch die Offenheit zum Leben zu erwachen, betonte der Bischof. Die Liebe gebe Raum zur Entfaltung des Einzelnen und die Möglichkeit, sich in dieser Liebe weiter zu entwickeln und sich zu verändern, auch wenn Krisen und Wachstumsschmerzen nicht fehlen. Doch der Ruf des Herrn: "Folge mir nach" sei in jeder Entwicklungsstufe des Lebens zu hören.

Über die Kindheit in der postmodernen Gesellschaft sprach anschließend die deutsche Religionsphilosophin Dr. Gerl-Falkovitz. Diese Gesellschaft sei durch die Tendenz gekennzeichnet, ein Kind nicht mehr als "Gabe" zu verstehen, sondern als geplantes Wesen, das den Idealvorstellungen entsprechen soll. Auch wenn sich Eltern ein "perfektes Kind" wünschen, sei die Wirklichkeit anders. Diesem "Qualitätsanspruch" der Mutter stehe das "Defensivrecht auf Leben" eines möglicherweise behinderten Kindes gegenüber, wies Falkovitz hin. Hier gelte es eine Kultur zu entwickeln, in der auch das Leid seinen Sinn erhalte. Ein Kind sei nicht zweckhaft an die Eltern gebunden, deren Aufgabe es vielmehr sei, ihr Kind, das seinen Ursprung tiefer als bei den Eltern habe, "kennen zu lernen". Jedes Kind sei rein aus seinem Dasein heraus und unbeschadet seiner Versehrtheit gerechtfertigt, unterstrich die Religionsphilosophin.

Das Institut für Ehe und Familie wurde 1996 auf Initiative von Papst Johannes Paul II. gegründet und ist in der Kartause Maria Thron in Gaming beheimatet. Es wird von Kardinal Dr. Christoph Schönborn geleitet.