Kinder: Sinnstiftung und Lebensbereicherung

Vor dem Hintergrund ständig sinkender Geburtenraten stellt sich die Frage: Was bewegt Paare in ihrer Entscheidung, wie viele Kinder sie großziehen wollen? Mag. Christiane Rille Pfeiffer vom Österreichischen Institut für Familienforschung präsentierte auf Einladung des Katholischen Familienverbandes im Bildungshaus St. Hippolyt eine europäische Studie zu diesem Thema. "Kinder sind sinnstiftend und bereichern das Leben", lautet eines der Hauptargumente für Kinder. Als Gegenargumente werden oft der materielle Aspekt und - vor allem von Frauen - die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf ins Spiel gebracht. (Noch) kinderlose Partner hätten in der Diskussion miteinander anders argumentiert, als solche, die schon ein oder mehrere Kinder hätten, sagte Rille-Pfeiffer. Kinderlose würden die Situation idealistischer sehen. Ihr Wunsch nach Kindern wäre sehr stark emotionell begründet.

"Werte und Rollenbilder entscheidend"

Die Forschungsfrage des europäischen Projekts, das in sieben Ländern (Belgien, Deutschland, Großbritannien, Irland, Österreich, Schweden und Spanien) durchgeführt wurde, lautete: "Wie diskutieren Paare den Kinderwunsch?" Pro Land wurden 20 Paare untersucht, wobei besondere Aufmerksamkeit auf die die Interaktion zwischen den Partnern gelegt wurde. Ein Ergebnis der Studie: Die Einstellung gegenüber Familie, die Werte- und Rollenbilder der Menschen steuern den Diskussions- und Entscheidungsprozess zum Kind.

In Österreich und Deutschland gibt es am meisten Diskussion über den Kinderwunsch. Hier wären es auch öfter die Männer, von denen die Initiative ausgehe, so Rille-Pfeiffer. Bei den Argumenten gegen Kinder würde in den beiden Ländern am öftesten die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf ins Treffen geführt.

"Klare Rollenaufteilung begünstigt Kinderwunsch"

Über die Diskussion über den Kinderwunsch komme die Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau ins Gespräch. Vermutung von Rille-Pfeiffer: Eine klare Rollenaufteilung begünstige den Kinderwunsch und damit die Geburtenstatistik. Indizien dafür wären die signifikant höheren Geburtenraten von Irland und Frankreich, wo zwar verschiedene Familienmodelle mit unterschiedlicher Rollenverteilung vorherrschten, die jedoch klarer definiert und vorgegeben wären, als dies in Österreich der Fall sei. Während in Irland die traditionelle Familie, in der die Mutter primär für die Kindererziehung zuständig ist, bestand hat, ist in Frankreich das Modell der Kinderbetreuung durch Mutter und Staat (école maternelle) das üblichste.

Kinderwunsch "neuzeitliches Phänomen"

Generell bezeichnete Christiane Rille-Pfeiffer den "Kinderwunsch" als "neuzeitliches Phänomen". Heute bestünde quasi ein "Dauerzustand von Verhütung", den es früher nicht gegeben habe. Männer wären oft nicht grundsätzlich gegen Kinder, würden aber "lieber noch warten". Hingegen würden Frauen eher immer wieder vorsichtige Vorstöße unternehmen und lieber früher als später Kinder bekommen.

Männer würden stärker den materiellen Argumentationsbereich fokussieren, also "objektive Gründe, über die man leichter spricht", so Rille-Pfeiffer. Bei Frauen wären vor allem das Vereinbarkeitsargument von Familie und Beruf und Frage der Qualität der Partnerschaft primär. Wer mehr Gewicht bei der Realisierung des Kinderwunsches hat, habe die Studie eindeutig gezeigt, so die Referentin: "Einigkeit besteht darüber, dass die Frau die letztendliche Entscheidung treffen soll." Das akzeptierten die Männer, und wären auch froh darüber.