Kinder brauchen Mut zum Leben

Den Kindern Selbstwertgefühl zu geben sei eines der wichtigsten Ziele in der Erziehung. Dies erklärte die Tübinger Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Boglarka Hadinger vor 140 Teilnehmern bei einem Informationsabend des Kath. Familienverbandes am 20. September im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. Die Psychologin nannte in ihren Ausführungen die positive Beziehung, die Kompetenz, die Orientierung an Zielen und Werten, die Erfahrung, ein guter Mensch zu sein und die Lebensfreude als die "fünf Stützpfeiler" eines gesunden Selbstwertgefühls.

Mut fürs Leben mitgeben
"Wir können nicht gewährleisten, dass sich Kinder immer wohl fühlen", sagte sie. Kinder müssen auch lernen, mit Unwohlsein und Scheitern umzugehen. Dabei sei es Aufgabe der Erzieher, den Kindern Mut fürs Leben mit zu geben. Dazu zähle vor allem die Erfahrung von positiven Beziehungen. Eltern sollten mit ihren Kindern gemeinsam etwas unternehmen und dabei Möglichkeiten zu gemeinsamen Gesprächen schaffen. Das Kind will von ihnen vor allem in seiner "Einzigartigkeit" wahrgenommen werden, sagte Hadinger.
Wichtig sei auch, dem Kind zunehmend Eigenverantwortung zuzutrauen. Vor allem müsse es dort gestärkt werden, wo auch sein Können liege. Ein Lob soll stets vor anderen ausgesprochen werden, ein Tadel nur unter vier Augen.

Spielregeln und Werte
Das Kind braucht aber auch die Möglichkeit, sich an Spielregeln zu halten und sich an Werten zu orientieren. Miteinander Ausflüge planen, über faszinierende Personen sprechen und den Tagesablauf mit Ritualen strukturieren, sei für ein Kind besonders wichtig. Die Erzieher müssen auch selbst den Mut haben, ihre eigenen Werte zu leben, auch wenn diese anders als die der Kinder sind. Eine wichtige Lebenserfahrung für das Kind ist, als "guter Mensch" zu gelten. Dies soll dem Kind stets auch mitgeteilt werden. Es soll dabei Situationen erleben können, in denen es für andere Menschen etwas Gutes und Liebenswürdiges tun kann. Kinder brauchen die Möglichkeit, "lebendige Erfahrungen" zu machen: Sei es die Neugier und das Staunen bei einem Spaziergang in der Natur, die Kreativität beim Basteln oder auch den Drang, Unfug anzustellen.

Ja zur Entwicklung des Kindes
Den Erzieherinnen und Erziehern riet sie, ihre Führungsrolle wichtig zu nehmen und dabei auch "Ecken und Kanten" zu zeigen. Diese persönliche Haltung werde dem Kind ein "Vermächtnis für das Leben" hinterlassen, auch wenn es sich derzeit anders orientiere, so Hadinger. Vor allem müssen die Erzieher fest daran glauben, dass sich jedes Kind zu einem "gesunden, lebensbejahenden Menschen" entwickeln wird. Es komme schließlich nicht nur auf das Tun, sondern vor allem auf die Haltung an.