Katechese beim Weltfamilientreffen 2006 in Valencia

Der einzig sichere Weg, wie auch heute Ehe und Familie gelingen können, besteht darin, sie als "Berufung" zu betrachten, sagte Bischof Küng beim Weltfamilientreffen in Valencia in einer Katechese für die österreichischen Teilnehmer. "Wenn Eheleute ihre Ehe und ihre Aufgabe als Eltern als wichtigen Teil dessen ansehen, was Gott von ihnen erwartet, und dabei auf Christus bauen" - so der Bischof - "dürfen sie mit gutem Grund damit rechnen, dass sie, selbst wenn Schwierigkeiten auftreten, nach und nach den Weg zu einer tiefer werdenden inneren Verbundenheit finden." Dies setze freilich voraus, dass sie in allen Situationen, auch im gewöhnlichen Alltag, beharrlich Christus suchen, ihm aufrichtig begegnen und auf ihn hören. Als Folge ergebe sich dann die persönliche und gemeinsame Bemühung. Christus sei für ein solches Ehepaar die wichtigste Quelle der Kraft, oft auch der Versöhnung.

Eheleute mit einer solchen Einstellung werden dazu befähigt, ihren Kindern alles mitzugeben, was nötig ist, damit auch sie im Leben den Weg zum Wesentlichen entdecken, betonte der Bischof.

Bei einer solchen Betrachtungsweise der Ehe als Berufung sei ein Ehepaar von Anfang an für Kinder offen. Er halte es aber für notwendig, dass der vom II. Vatikanischen Konzil geprägte Begriff "verantwortete Elternschaft" neu überdacht werde, fügte Bischof Küng hinzu. Oft sei die Deutung einseitig im Sinne der Eigenverantwortung des Ehepaares bezüglich Kinderzahl. Schon Papst Paul VI. habe aufgezeigt, dass jedes Ehepaar im Gespräch miteinander und im Gespräch mit Gott unter Abwägung der Umstände erkennen soll, was für seine Familie vor Gott das Richtige ist. Angesichts der zu geringen Kinderzahl sei heute für ein Ehepaar wohl oft die Frage angebracht, ob nicht der Wille Gottes das JA zu wenigstens einem weiteren oder vielleicht zu mehreren weiteren Kindern vorsieht. "Verantwortete Elternschaft" bedeute außerdem nicht nur das JA zur Empfängnis, zur Geburt eines Kindes, sondern auch das JA zu Erziehung und Begleitung, auch zur Weitergabe des Glaubens.

Am Schluss seines Referates wies Bischof Küng darauf hin, dass auch für Menschen, deren Familie aus irgendeinem Grund zerbrochen wäre, Christus die Grundlage sei, um die Lebenskrise zu bewältigen, sich neu zu orientieren, sich um die Kinder zu kümmern und allenfalls neue Aufgaben zu suchen. Auch für wiederverheiratete Geschiedene gelte dasselbe. Für sie sei ebenso Christus die Hoffnung, auch wenn sie vielleicht eine Zeitlang die Sakramente nicht empfangen könnten, solange die Voraussetzungen dafür nicht gegeben wären.