"Kälte ist kein Kinderspiel"

Mit der gemeinsamen Osthilfe-Sammlung wollen Caritas und Pastoralamt der Diözese St. Pölten wirksam gegen die Kinderarmut in Osteuropa ankämpfen. Die Wirtschaft boomt in den ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas mit bis zu zweistelligen Wachstumszahlen. "Zurück bleiben jedoch einzelne Bevölkerungsgruppen, die immer mehr im Abseits stehen", erklärte Caritasdirektor Mag. Friedrich Schuhböck zum Auftakt der Osthilfe-Kampange am 23. Jänner in den Räumlichkeiten der Sparkasse NÖ in St. Pölten.

In der Ukraine, in Weißrussland, in Albanien, Rumänien, Armenien bleiben tausende Wohnungen ungeheizt, und oft ist es drinnen nicht viel wärmer als draußen, warmes Essen gibt es selten. "Mit der Osthilfe-Sammlung wollen Caritas und Pastoralamt auf diese Zustände aufmerksam machen, Betreuung und nachhaltige Hilfe für diese besonders benachteiligten Kinder bewirken", so Schuhböck. "Nachhaltige Hilfe mit Herz, Hirn und Hand ist ein Grundsatz der Caritas. Sie soll Hilfe zur Selbsthilfe sein, Zukunft und Perspektiven bieten, um selbständig weiter leben zu können."

"Das Herz und die Brieftasche für die Unterstützung von Projekten zu öffnen, ist leichter als Strukturen aufzubauen, die etwas verändern können", erklärte der Direktor des Pastoralamtes der Diözese St. Pölten, Msgr. Wilfried Kreuth. Der Osthilfefonds der Diözese habe in den letzten 16 Jahren zahlreiche pastorale Aufbau- und Hilfsprojekte in den ehemaligen Ostblockländern unterstützt. Dabei gehe es nicht nur um Geld und Spenden, sondern vor allem um Kontakt und Betreuung, so Kreuth. Von den ehemaligen Schwerpunktländern Tschechien und Ungarn verlagere sich nun die Hilfe weiter nach Osten, etwa in die Ukraine oder nach Rumänien.

Projektland Albanien als Beispiel

Als eines der Projektländer stellte Alfred Kasess von der Caritas-Auslandshilfe Albanien vor: "Fast zwanzig Jahre nach der Wende hat Albanien zwei Gesichter. In den Städten sind die ersten Spuren des Fortschritts sichtbar. Für die Ärmeren bleiben jedoch die Lebensbedingungen entsetzlich. Jeder Tag ist ein Überlebenskampf." Wer etwa in Tirana, wo mindestes ein Fünftel der Albaner leben, nicht registriert ist, bekommt nicht einmal die minimale monatliche Sozialhilfe von 25 Euro pro Familie. Das betrifft vor allem die tausenden einheimischen Zuwanderer aus dem Norden Albaniens und die Roma.

Durch die starke Landflucht sind in den letzten Jahren in den Vorstädten Tiranas immer mehr Slums entstanden. "Oft müssen die Kinder schon im Volksschulalter durch Bettelei und Gelegenheitsarbeit zum Familieneinkommen beitragen", berichtete Brixhida Xheka, Projektkoordinatorin im Straßenkinderzentrum "Haus Eden" der Caritas. Hier werden insgesamt rund 100 Straßenkinder betreut. Darüber hinaus sind Streetworker mit weiteren 100 Kindern, die nicht in die Zentren kommen, in regelmäßigem Kontakt. Die Kinder erhalten im Zentrum täglich ein warmes Essen, medizinische und psychologische Betreuung sowie spielpädagogische und schulische Förderung. Für viele Kinder ist das Zentrum zu einem neuen Zuhause geworden.

"Die Volksgruppe der Roma leidet besonders unter den schlechten Lebensbedingungen in Albanien", betonte Mirela Andreozzi, Leiterin der Sozialhilfeorganisation der Caritas Tirana für Straßenkinder in Albanien. In den notleidenden Roma-Familien werde die Erziehung und Bildung der Kinder oft vernachlässigt. Kinder werden betteln geschickt anstatt ihnen eine Schulausbildung zu ermöglichen. "Diese Kinder brauchen unsere Unterstützung. Besonders wichtig ist es die schulische Integration der Kinder zu fördern", erklärte Andreozzi, da die Kinder ohne Schulausbildung kaum eine Chance haben aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen."

Die Sparkasse NÖ Mitte West AG unterstützt die Aktion von Caritas und Pastoralamt mit der Bereitstellung von Werbematerial und Informationsbroschüren. Im Foyer des Kundenraumes der Hauptanstalt der Sparkasse St. Pölten wurde von Silivia Faustka von der Fachhochschule St. Pölten zum Thema "Kälte in Albanien" eine Installation gestaltet.
Spenden-Zahlscheine liegen bei allen Sparkassen, Erste Banken und in allen Pfarren auf. Spenden sind auf das Konto Nr. 0000-013011, Sparkasse NÖ-Mitte-West, BLZ 20256 erbeten.

Foto: Mirela Andreozzi, Alfred Kasess, Brixhida Xheka, Mag. Friedrich Schuhböck (v.l.n.r.)