Jeder Mensch muss so angenommen werden wie er ist

Die Katholische Kirche hatte und hat in unserem Land eine Vorreiterrolle in der liebevollen Betreuung von Menschen mit Behinderung, erklärte Bischof DDr. Klaus Küng bei der Eröffnung des Caritas-Wohnhauses für Behinderte in Raxendorf im südwestlichen Waldviertel. Das neue Caritas-Wohnhaus ist für 24 behinderte Menschen ausgerichtet, die rund um die Uhr Betreut werden können. Derzeit wird es von 19 Personen genutzt. Für jeden Menschen sei es wichtig, so wie er ist, angenommen zu werden, sagte der Bischof. Ebenso sei eine Gesellschaft nur dann wahrhaft menschlich, wenn sie die zu ihr gehörenden Menschen, auch kranke, behinderte und alte, integriere und deren Rechte und Bedürfnisse achte, sagte der Bischof.
Oft habe er beobachtet, wie eine Familie, die in krankes oder ein behindertes Kind bewusst bejahe, dadurch selbst positiv verändert werde, sagte er. Gerade in Wohnhäusern der Caritas für Menschen mit geistiger Behinderung müsse der menschliche und auch religiöse Aspekt gepflogen werden, unterstrich der Bischof. Denn für jeden Menschen sei für die Bewältigung seines Lebens die Beziehung zu Gott die Quelle des Lichtes, der Freude und der Kraft. Dies gelte in ganz besonderer Weise auch für den Menschen der krank sei oder ein Problem oder eine Behinderung habe.

Als "bedenklich ja sogar bedrohlich" findet Bischof Küng die bereits in zwei Fällen ergangenen Urteile des Obersten Gerichtshofes, durch die Ärzte zu Schadenersatz verurteilt wurden, weil ihnen Nachlässigkeit in der Untersuchung bzw. Information vorgeworfen wurde und behinderte Kinder zur Welt kamen. Der Bischof bedauerte, dass auch seitens rechtlicher Instanzen klare Aussagen fehlen, dass auch nach geltendem Recht Leben prinzipiell zu schützen sei und dass jeder Mensch mit Behinderung genau so ein recht auf Leben habe wie jeder andere. Dabei betonte er, dass auch die Informationspflicht des Arztes im falle der Diagnose oder des Verdachts auf Vorliegen einer Behinderung eine umfassende sein soll und sich nicht nur in der Empfehlung bestehen könne, abzutreiben. Notwendig sei es vielmehr, so Bischof Klaus, schwangeren Frauen und deren Familien in solchen Situationen mit Rat und Tat beizustehen. Man soll Frauen, die Hilfe brauchen, darauf hinweisen, dass es "solch wunderbare Einrichtungen wie die der Caritas gibt", die für Familien mit einem behinderten Kind eine wichtige Hilfe seien.

Traurig mach es, so Bischof Küng weiter, dass die Diskussion um die Fristenlösung derart festgefahren sei, dass man darüber fast nicht reden könne, ohne unsachliche Emotionen auszulösen. Es wäre "höchste Zeit", die versprochenen flankierenden Maßnahmen endlich einzuführen und über gewisse Veränderungen des Gesetzes, wie etwa die Abschaffung der eugenischen Indikation, nachzudenken.

Ansprache im Wortlaut