Islam und Christentum im Gespräch

Mit der Frage "Islam und Christentum - miteinander oder gegeneinander" befasste sich das diesjährige Forum Ostarrichi des Katholischen Laienrates Österreichs vom 24. bis 27. August in Neuhofen/Ybbs. "Wir wollen uns nicht nur fragen was wir glauben, sondern wie wir diesen Glauben leben", rief der Präsident des Laienrates, HR Dr. Rudolf Schwertner die Anwesenden auf, unter ihnen auch Mitglieder der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Mag. Iyman Salwa Alzayed von der Islamischen Religionspädagogischen Akademie zeigte die inneren Grundlagen des Islam auf. Neben Geboten und Verboten gebe es auch Situationen, für die der Koran selbst keine direkten Vorschriften habe. Da sei der Gläubige selbst gefordert.
Wenn ein Moslem in ein fremdes Land ziehe, seien "Sitte, Tradition und die Gewohnheiten vor Ort zu berücksichtigen", sagte Salwa Alzayed. Der gläubige Moslem müsse selbst entscheiden, wie er diese mit seinem Glauben vereinbaren kann. So könnte sich etwa eine muslimische Frau auch aus persönlichen Gründen gegen das Kopftuchgebot entscheiden, wenn es ihr zum Nachteil gereiche.
"Importierte religiös motivierte Traditionen", die in der europäischen Postmoderne verloren gegangen seien, etwa die Sorge um die Eltern oder die Pflicht zu Nachbarschaftshilfe, könnten durchaus als Bereicherung verstanden werden, meinte Alzayed. Scharf wandte sie sich gegen Traditionen, die nicht religiös motiviert und bereits im einstigen Heimatland nur geduldet seien, etwa die Einschränkung der Rechte und Freiheiten von Mädchen und Frauen.
Insgesamt, so Alzayed, haben die in Österreich lebenden Muslime die vorhandenen Gesetze zu respektieren, auch wen sie "nicht in ganz einwandfreiem Einklang" mit der Religion stehen.

Der Politologe Univ. Prof. Dr. Heinrich Schneider kann auf eine lange Tradition des Dialogs mit dem Islam zurückblicken. Seit den Gesprächen vor über zehn Jahren habe sich die Großwetterlage aber gewaltig geändert, betonte er.
Heute seien Christen in die Defensive gedrängt. Einerseits durch den zunehmenden Unglauben im Westen, und einige meinen, auch durch den Islam. Im postmodernen Europa gilt die Lebenslust weithin als höchstes Gut und letztes Ziel. Viele Muslime halten daher die Christen als glaubensschwach und sehen eine Überlegenheit ihrer Religion, sagte Schneider. Der Staat garantiere die Religionsfreiheit um der Menschenwürde willen. Die persönliche Identität, zu der auch die religiöse Überzeugung gehöre, sei Rechtsgut. Dass die multireligiöse Gesellschaft in gewissem Maß auch die multikulturelle mit einschließe, werde kaum andiskutiert, sagte der Referent. Der Staat habe aber auch die Aufrechterhaltung der kollektiven Lebenswelt zu garantieren, Menschen haben ein Recht, ihre Kultur auch zu leben.
Die Christen in Europa werden erkennen müssen, dass es nicht Vereinfachung und kulturelle Gleichschaltung geben kann, sondern dass es in einer freien Gesellschaft auch einen Wettbewerb um Glaubensüberzeugung geben wird.

Das Forum Ostarrichi des Katholischen Laienrates Österreichs wird seit 17 Jahren durchgeführt. Seit Beginn nehmen auch immer aktive katholische Laien aus den ostmitteleuropäischen Ländern teil. Diesmal waren Vertreter aus Bulgarien, Rumänien, der Slowakei, Tschechien und der Ukraine anwesend.