Islam: "Es gibt keine Alternativen zum Dialog"

"Letztlich gibt es keine Alternativen zum Dialog mit dem Islam", betont Mag. Johann Bruckner vom Katholischen Akademikerverband, der am 11. und 12. Mai ein Seminar zum Thema "Islam in Österreich" im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten leitet. Da der Prozess der Globalisierung nicht rückgängig gemacht werden könne und ein "Kampf der Kulturen" keine Perspektive für die Welt sei, "ist der Dialog der Religionen unsere einzige Chance", so Mag. Bruckner.

Ein fruchtbarer Dialog brauche jedoch einige Voraussetzungen, erklärt Bruckner: So müsse die Religionsfreiheit bejaht werden und eine Offenheit gegenüber den Gläubigen anderer Religionen gegenüber herrschen. Neben der Gleichberechtigung der Dialogpartner und einer völligen, auch verbalen Gewaltfreiheit sei auch die eigene religiöse Identität wichtig. Bruckner: "Glaubenswahrheiten dürfen nicht abgeschwächt und eine Überzeugung braucht nicht versteckt werden."

Der Islam ist die am stärksten wachsende Religionsgemeinschaft in Österreich. 350.000 bis 400.000 Muslime leben im Land, in einigen Ballungszentren mit einem beträchtlichen Prozentsatz. "Diese Tatsache stellt für die Gesellschaft auf allen politischen Ebenen, für die Kirche, für die einzelnen Pfarrgemeinden und nicht zuletzt für uns selber eine bedeutende Herausforderung dar", erklärt Mag. Bruckner. Oft zeige sich, dass die Menschen zu wenig über den Islam wissen, in der gegenwärtigen Umbruchsituation Zukunftsängste haben und auch in ihrer eigenen Identität verunsichert sind. Das zweiteilige Seminar "Islam in Österreich" will diese Fragen ernst nehmen und interessierten Christinnen und Christen Information und Hilfen zur eigenen Standortbestimmung geben. Veranstalter sind der Katholische Akademikerverband, das Katholische Bildungswerk, das Religionspädagogische Institut und das Bildungshaus St. Hippolyt.

Im zweiten Teil des Seminars am 11. und 12. Mai beleuchtet Dr. Valeria Heuberger vom Südosteuropainstitut den Hintergrund für das Österreichische Islamgesetz aus 1912. Dr. Elisabeth Dörler, die viele Jahre in Istanbul gelebt und gearbeitet hat, stellt die Vielfalt der muslimischen Gruppierungen in Österreich vor und gibt Einblicke in das Thema "Islam im Alltag". Asli Gülpinar, Obfrau von "Friede. Institut für Dialog" berichtet über das "Leben als Frau im Islam - als Muslimin in Österreich". Mit "Beispielen aus der Praxis, die Hoffnung wecken" soll das Seminar beendet werden.

Der erste Teil, der bereits Ende April stattfand, war der Innenansicht des Islams gewidmet. Samir Mohamed Safour, Fachinspektor für den islamischen Religionsunterricht an allgemeinbildenen Pflichtschulen in Niederösterreich und im Burgenland, sprach über den Koran, die Rechtsquellen, die Scharia sowie über die 5 Säulen. Die Seminarteilnehmer waren Gäste beim Mittagsgebet in der Moschee in der Matthias Corvinusstraße und konnten sich über die Situation der Muslime im Raum St. Pölten informieren.