Islam - Christentum: Vieles gemeinsam, doch Sinnmitte ist verschieden

"Islam und Christentum haben vieles gemeinsam, aber eine unterschiedliche Sinnmitte". So die Wiener evangelische Theologin Dr. Susanne Heine bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Studientages des Kath. Akademikerverbandes über den Islam in Europa im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. Mit Dr. Heine diskutierten Mag. Amir Zaidan vom Islamischen Religionspädagogischen Institut in Wien, und die Wiener Juristin Dr. Martina Schmied vom Magistrat der Stadt Wien. Die Sinnmitte orientiere sich am jeweiligen Offenbarungsverständnis, das für die Moslems im Koran und für die Christen in Jesus Christus liege, erklärte Heine. Der interreligiöse Dialog diene dazu, das Gemeinsame dieser Religionen zu suchen und trotzdem zu erkennen, "dass wir verschieden sind". Dies dürfe nicht als gegenseitiger Vorwurf missbraucht werden, warnte sie. Susanne Heine ist seit über 20 Jahren im interreligiösen Dialog mit dem Islam im Rahmen europäischer Plattformen tätig und Leiterin eines Forschungsprojektes Islam - Christentum.

Auch Mag. Zaidan plädierte für einen offenen und respektvollen Dialog mit dem Ziel, "Problemlösungen zu suchen und nicht die Finger in offene Wunden zu legen". "Wenn wir Probleme lösen wollen, müssen wir noch viel miteinander reden", sagte er. Er wies hin, dass dort, wo persönliche Begegnungen zwischen Christen und Moslems stattfinden, auch die Probleme geringer werden.
Angesprochen auf Mischehen zwischen Moslems und Christen vertrat Zaidan die Meinung, dass solche Ehen "wegen der kulturellen Verschiedenheit, nicht aufgrund der verschiedenen Religion" meist wieder scheitern. Auch Dr. Heine sieht dies als Grund, meint aber, dass gemischte Ehen dort leichter bestehen können, wo die religiöse Überzeugung nebensächlich geworden sei. Allerdings würden auch die jeweiligen Familien Einfluss und Druck auf die Ehe ausüben.

Für ein besseres Miteinander sprach sich Dr. Martina Schmied aus. Man soll in den Moslems "nicht die bedrohliche Masse" sehen, sondern die Begegnung mit ihnen suchen. Wo persönliche Kontakte bestehen, verschwinden auch die Vorurteile. Die Vielfalt sei heute Realität geworden. Es gelte nun, diese möglichst friedvoll zu organisieren, betonte sie.

Foto:Mag. Amir Zaidan, Dr. Susanne Heine, Mag. Johann Bruckner, Dr. Martina Schmied.