Interreligiöses Treffen "Mensch ist Mensch" in St. Pölten

"Kein Weltfriede ohne Religionsfriede. Kein Religionsfriede ohne Interreligiösen Dialog!" - Klare Worte fand Mag. Karl Rottenschlager, Geschäftsführer der Emmausgemeinschaft St. Pölten am Freitag bei einem Interreligiösen Treffen und Gebet unter dem Titel "Mensch ist Mensch" in der NÖ Landeshauptstadt. Teilnehmer waren u.a.. der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, der stellvertretende Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen Österreichs, Gottfried Auer, der evangelische Superintendent für NÖ, Paul Weiland und der stellvertretende Obmann des Islamischen Kulturvereins St. Pölten, Mehmet Isik.

Rottenschlager:
"Versöhnte Vielfalt keine Utopie!"

"Die versöhnte Vielfalt von Kulturen und Religionen ist keine Utopie!", betonte Rottenschlager. Emmaus St. Pölten habe in 24 Jahren mehr als 1.000 ausländische Hilfe suchende als Gäste aufnehmen dürfen. Wenn gegenseitiger Respekt, Hochachtung und Toleranz gegenüber Menschen anderer Nationen, Kulturkreise und Religionen wirklich gelebt würden, werde Erstaunliches möglich.

Der Karikaturenstreit zeige, wie rasch bei einem Mangel an gegenseitigem Respekt das friedliche Miteinander gestört werde. "Wer im Namen der Freiheit verletzt, was dem Menschen heilig ist, verletzt die Würde des Menschen und höhlt so letztlich die Freiheit aus", so Rottenschlager. Der Auftrag laute: "Tragen wir die Versöhnung dorthin, wo die Wunden des Hasses brennen. Kein Weltfriede ohne Religionsfriede. Kein Religionsfriede ohne Interreligiösen Dialog!"

Auer: "Muslimen mit Wertschätzung begegnen"

Dr. Gottfried Auer erinnerte an die Carta Ökumenica, die in Folge der europäischen ökumenischen Versammlungen von den europäischen Kirchen beschlossen wurde: Diese erteilt eine Absage an jede Form von Nationalismus und Gewaltbereitschaft und betont die Verpflichtung, sich bei Konflikten für gewaltlose Lösungen einzusetzen. Die Carta fordere die Christinnen und Christen auf "den Muslimen mit Wertschätzung zu begegnen" und "mit ihnen zusammen zu arbeiten, wo wir gemeinsame Anliegen in der Gesellschaft vertreten wollen", so Auer. Eine weitere dieser "Selbstverpflichtungen" wäre die Religions- und Gewissensfreiheit. "Vielleicht ist es auch gut, wenn Christen und Christinnen und andere an diese Selbstverpflichtungen erinnert werden", sagte Auer. Damit sie nicht nur Papier blieben, müssten sie ins Herz der Menschen sinken. Eine "Herzensbildung" wäre notwendig, die "dazu fähig macht, dem Mitmenschen mit Einfühlungsvermögen, mit Sympathie zu begegnen - auch einzuschätzen, was ihm heilig ist und damit in rechter Weise umzugehen."

Schakfeh:"Europa soll sich von Österreich inspirieren lassen!"

"Das übrige Europa soll einmal auf uns hier in Österreich schauen und sich etwas von dieser Atmosphäre inspirieren lassen", sagte der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, der die umstrittenen Karikaturen ebenso verurteilte, wie die Ausschreitungen muslimischer Extremisten. Ausdrücklich lobte er die Bemühungen der österreichischen Bundesregierung um den Dialog.

Weiland: "Abkapseln hilft nich weiter"

"Miteinender reden und voneinander lernen" - das wäre der Weg, den es "in allen Situationen, die wir erleben" zu suchen gelte, sagte der evangelische Superintendent Paul Weiland. Ängstlich oder trotzig voneinander abkapseln werde nicht weiterhelfen. Martin Luther habe die Geduld Gottes mit den Menschen, denen seine bedingungslose Liebe gilt, als die "Toleranz Gottes" bezeichnet. "Christinnen und Christen sind eingeladen, diese Menschenfreundlichkeit Gottes nachzumachen. - Das könnte wirklich ein Weg sein, der uns zu einem besseren Verstehen und zu einem besseren miteinander Umgehen führt", so Weiland.

Natürlich habe die Toleranz Grenzen, wo es zur Volksverhetzung oder gewaltbereitem Extremismus komme. Diese Toleranz könne weder politisch verordnet, noch mit irgendwelchen ideologischen Mitteln durchgesetzt werden. Dafür könne nur geworben werden. Allerdings erwachse die Kraft für eine solche Toleranz aus dem Glauben und stehe nicht im Gegensatz dazu, sagte Weiland.