Interreligiöse Begegnung im Dom

Nicht alltäglich war die Begegnung von Moslimen und Katholiken am Sonntag, dem 11. März im Dom zu St. Pölten. Der Katholische Akademikerverband KAV, der Islamische Kultur- und Wohltätigkeitsverein sowie die Dompfarre haben zu dieser Begegnung mit abschließenden Gebeten aus der Bibel und dem Koran geladen. Über 60 Muslime und Christen sind dieser Einladung gefolgt. Organisator Mag. Johann Bruckner führte die Gäste in grundlegende Aspekte der katholischen Kirche ein. So wies er auf das geschichtliche Werden der Domkirche hin, auf die Bedeutung des Turmes und des Glockenläutens, auf den Sinn des Weihwassers beim Besuch einer Kirche, auf die Bedeutung der Heiligenfiguren für Christen, auf den Altar und den Ambo. Auch die Gebetshaltungen der Christen stellte er den anwesenden Moslems vor. Die Gemälde im Dom wollen nicht Gott abbilden, sondern den Menschen "ein Stück Himmel erahnen lassen", sagte Bruckner. Sie seien nicht Darstellungen, sondern eine Hinführung zum Göttlichen.

Nach der Führung durch die Domkirche stimmte der Geistliche Assistent des Akademikerverbandes, H. Mag. Mauritius Lenz mit den anwesenden Christen den Psalm 19 an. Imam Abdukadir Durmaz rezitierte anschließend aus der Sure 19 des Korans die Verse über Maria, zu denen Imam Hilal Özmen anschließend die deutsche Übersetzung vorlas. Nach dem Lied "Lobe den Herren", bei dem auch einige der anwesenden Muslime mitsangen, führte die Vorsitzende des KAV, Dr. Angelika Beroun-Linhart mit einer Toccata von Johann Sebastian Bach den Gästen den Klangkörper der Orgel vor.

Bereits vor dem Dom hatte Dompfarrer Norbert Burmettler die moslemischen Gäste herzlich begrüßt und zu einer persönlichen "Begegnung von Herz zu Herz" eingeladen. Moscheen und Kirchen zeigen, dass wir auf verschiedene Weise den einen Gott verehren, sagte er. Diese Begegnung soll zu einem besseren Miteinander und Füreinander führen.

Auch der Obmann des islamischen Kultur- und Wohltätigkeitsvereins Selahaddin Karslioglu zeigte sich nach dieser Begegnung sichtlich beeindruckt und meinte, wenn sich Imame und Vorstandmitglieder des Islamischen Kulturvereins mit katholischen Priestern und engagierten Christen gut verstehen, könne dies auch positive Auswirkungen auf die übrige Bevölkerung haben. Er wünsche und hoffe, dass man sich auch künftig näher komme und durch diese Begegnungen noch vorhandene Vorurteile abgebaut werden. Dem Islamischen Kulturverein, der in und um St. Pölten tätig ist, gehören Muslime aus 17 Nationen an.