Integration durch Beschäftigungstraining

Seit 10 Jahren hat sich die Caritas St. Pölten im Rahmen der BBO (Beschäftigung und Berufsorientierung) zur Aufgabe gemacht, berufliche Integration psychisch kranker Menschen zu fördern. "Menschen mit psychischen Erkrankungen sind um ein Vielfaches stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als der Durchschnitt", berichtete DET Renate Grasl, Leiterin des BBO der Caritas St. Pölten. Die Erkrankung mit ihrer Symptomatik, Vorurteile in der Gesellschaft und der gestiegene Druck der Arbeitswelt seien die größten Hemmnisse. Die einjährige Kursmaßnahme "TOI - Training Orientierung Integration" im BBO der Caritas hat die (Wieder-) Eingliederung ihrer AbsolventInnen in den Arbeitsmarkt zum Ziel. Da es aber aufgrund von komplexen Problemen vorübergehend oder dauernd zu Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit kommen kann, wurden Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen, die diese Einschränkungen der Belastbarkeit auch berücksichtigen können.
So wurde im Jahr 2000 das Angebot "VIA - Variables, Individuelles Arbeiten" geschaffen. Hier können Menschen stundenweise in einem firmenähnlichen Kontext einer Beschäftigung nachgehen und erhalten dabei sozialpädagogische Unterstützung.

Derzeit stehen 55 Personen aus St. Pölten und den angrenzenden Bezirken in Betreuung. Für den Beschäftigungsbereich sind rund 100 Personen vorgemerkt. Hier kann der Bedarf derzeit nicht gedeckt werden. "Da die Arbeitsrehabilitation alle Lebensbereiche berücksichtigen muss, aber nicht den gesamten Unterstützungsbedarf psychisch kranker Menschen abdecken kann, ist das Zusammenspiel aller Angebote notwendig", sagte DSA Anna Durstberger, Leiterin der Psychosozialen Einrichtungen der Caritas St. Pölten. So ist die Zusammenarbeit von Betroffenen, Fachärzten und Therapeuten mit Beratungsstellen eine gute Grundlage, auf der Integration gelingen kann.

"Eine Studie zur Wirksamkeit von Arbeitsassistenz und BBO hat gezeigt, dass 12 Monate nach Beendigung der Arbeitsrehabilitations-Maßnahme 55% der TeilnehmerInnen in den Arbeitsmarkt integriert waren", betonte Mag. Karl Fakler, stv. Landesgeschäftsführer des AMS Niederösterreich. "Zwei Jahre nach Beendigung der Teilnahme waren 47% der TeilnehmerInnen berufstätig. Nach durchschnittlich 56 Monaten standen noch 37% der Personen aus der Studiengruppe in einem Dienstverhältnis. Dies ist eine beachtliche Leistung der Integration am Arbeitsmarkt."

"Arbeit sichert nicht nur unsere Grundbedürfnisse, sondern hat in unserer Gesellschaft einen hohen sozialen Stellenwert. Wer arbeiten kann, leistet einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft", betonte Caritas-Direktor Mag. Friedrich Schuhböck. "Die Politik ist gefordert zusammen mit der Caritas entsprechende Modelle zu entwickeln, die auf der einen Seite individuell passen und auf der anderen Seite auch eine gewisse Durchlässigkeit ermöglichen, was Art und Umfang der Arbeit betrifft. Es darf nicht vorkommen, wenn ein Arbeitsversuch scheitert, dass die nachfolgende finanzielle Situation eine schlimmere ist als sie vorher war", so Schuhböck.