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Immer mehr Menschen nicht mehr vermittelbar

Immer mehr Menschen brauchen für die Arbeitssuche nachgehende Hilfe. Sie seien kaum vermittelbar. Dies betonten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zwei Tage vor dem "Tag der Arbeitslosen" im Cinema Paradiso in St. Pölten zum Thema "Was ist für Arbeitsuchende noch zumutbar?" Vorangegangen war der preisgekrönte Film "Montags in der Sonne" von Fernando Leon de Arona über die dramatische Arbeitslosigkeit in der nordspanischen Hafenstadt Vigo. Arbeitslosigkeit sei nicht auf die betroffene Person zurückzuführen, sondern hänge mit dem Arbeitsmarkt zusammen, betonte der Herzogenburger Betriebsseelsorger Alois Reisenbichler. Der tiefere Grund liege in den dahinterliegenden Strukturen wirtschaftlich orientierter Interessen und internationaler Machtverhältnisse.
Diesen "Strukturen der Sünde", wie sie die katholische Soziallehre brandmarkt, sei vehement entgegenzutreten, unterstrich er. Das Arbeitsmarktservice (AMS) forderte er auf, "Partner der Arbeitssuchenden" zu werden und die Wünsche und Bedürfnisse arbeitsloser Menschen stärker zu berücksichtigen.

Angst vor Veränderung

Johann Lechner vom Verein "Arbeit und Wohnen" sieht im Arbeitsmarktservice "keine Wohlfahrtseinrichtung, sondern eine Vermittlungsagentur". Dessen Zielvorgaben stehen oft "diametral zum Erleben der Arbeitslosen", sagte er. Langzeitarbeitslose hätten sich ihr Leben aufgrund ihrer fast aussichtlosen Situation mit der Sozialhilfe "eingerichtet" und stünden nun jeglicher Veränderung ängstlich gegenüber. Hinzu kommen noch psychische Labilität und ein fehlendes Selbstwertgefühl. "Bei vielen ist es nicht Unwilligkeit, sondern Angst, den neuen Anforderungen nicht gewachsen zu sein", stellt Lechner aufgrund seiner Erfahrung fest. Statt stetem Druck fordert er vom AMS mehr Betreuung und Hilfe.
"Weit entfernt von der Trostlosigkeit" sieht hingegen Claudia Wrba vom Arbeislosenservice die Situation der Arbeitslosigkeit in St. Pölten. Derzeit gebe es 700 bis 800 offene Stellen. Verwundert zeigte sei sich darüber, dass die Zumutbarkeitsbestimmungen so in Diskussion geraten seien. Nur neun von 3.500 vorgemerkten Personen wurden im vergangenen Monat die Leistungen gestrichen, sagte sie. "Weil die Vereinbarungen mit dem AMS nicht eingehalten wurden". Ein sogenannter "Kombilohn", der derzeit im Gespräch sei, könnte manches erleichtern, meinte sie und gab zu, dass künftig mehr Betreuungseinrichtungen für jene nötig seien, die am ersten Arbeitsmarkt nicht mehr untergebracht werden können.

Unterstützung und Begleitung sind nötig

Christian Vollmann vom Netzwerk der Solidarität bestätigte, dass immer mehr Menschen durch ihre Situation psychisch belastet seien. In der heutigen leistungsorientierten Gesellschaft würden immer mehr Menschen auf der Strecke bleiben, die sich am "ersten Arbeitsmarkt" nicht behaupten können. Hier brauche es Projekte, dem gegenzusteuern und diese Menschen aufzufangen.
Das Netzwerk der Solidarität ist eine auf diözesane Initiative entstandene Einrichtung zwischen Kirche, Land NÖ und AMS, Langzeitarbeitslosen in zehn Gemeinden Niederösterreichs bei der Integration in den Arbeitsmark zu helfen, zu unterstützen und zu begleiten. Seit Bestehen hat diese Initiative - vor allem mit Hilfe der Aktivisten, meist pfarrliche Mitarbeiter - über 1.000 Menschen zu einem Arbeitsplatz verholfen.