Ikonen halten den Himmel offen

"Ikonen halten uns den Himmel offen". So P. Leo Thenner, Stiftspfarrer in Gurk, Ikonenexperte und selbst Ikonenmaler vor der Vereinigung Christlicher Unternehmer bei einem Vortrag am 4. Juni in Maria Taferl. Die Ost- wie die Westkirche kennen eine Vielfalt Marienbilder, wies der Gurker Pfarrer P. Thenner SDS hin. Die ostkirchliche Tradition sei dabei die ältere. Ihre Mariendarstellungen drücken sich vor allem in den Ikonen aus, die in den Kirchen wie in den Familien eine besondere Verehrung erfahren. "Wer eine Ikone nur als Bild aufhängt, hat ihren Sinn nicht verstanden", meint er. Ikonen seien keine Dekorationen, sondern Kultbilder, die verehrt, geküsst und berührt werden wollen. Sie werden auch nicht gemalt, sondern "geschrieben", ergänzt er.

Der Ikonenmaler tritt beim "Schreiben" einer Ikone in den Hintergrund und versucht das Original möglichst getreu wiederzugeben. "Je genauer er die Ikone abschreibt, umso getreuer schreibt er Heilige Schrift", gibt der Experte zu Verstehen. So seien bei jedem Bild die Farben aufs Genaueste festgelegt. Rot als die göttliche Farbe kommt dem Untergewand Christi zu, aber auch dem Obergewand Mariens. Blau als Farbe des Geschaffenen wird für Maria und dem Obergewand Jesu verwendet, wies er hin. Die goldene Farbe, die bei allen Ikonen überwiegt, ist die Farbe des Himmels und deutet die Gegenwart Gottes an. Im Malerhandbuch vom Berg Athos seien Haltungen und Farben der Ikonenbilder genau festgelegt. Einstige Mönche hätten Ikonen nur in Begleitung von Fasten und Beten "geschrieben", erklärte Thenner. Die russische Malweise, so der Experte, sei die "elegantere", die genau Schritt für Schritt, zuerst die dunklen und dann zu den helleren Farben male. Die griechischen Ikonenmaler seien dabei oberflächlicher, meinte er.

Die westliche Kirche habe in ihrer Tradition einen anderen Zugang zu Maria gefunden. Während die Ostkirche keine Dogmen kenne, habe die römisch-katholische Kirche vier Mariendogmen als Glaubenssätze festgelegt, deren Bedeutung in den drei Aspekten liege: Viele Menschen suchen Trost bei Maria, sie sei für viele das Urbild der Hoffnung und Gott möchte, dass der ganze Mensch mit Leib und Seele in seine Herrlichkeit gelange. Der Vielzahl von Marienwallfahrtsorten in der römisch-katholischen Kirche stehen etwa 200 verschiedene Mariendarstellungen der Ostkirche gegenüber, deren bekanntesten die "Hodegetria", Maria als Wegweiserin und die "Eleusa", Maria als die Erbarmende, sind.